Mediensatire "Lux - Krieger des Lichts" Superheldenjedöns

Das deutsche Kino hat seinen ersten Superhelden: Die Satire über Filmemacher "Lux - Krieger des Lichts" macht Spaß, weil sie unsere Suche nach Authentizität verlacht, dabei aber den grellen Witz meidet.

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Schwarzer Umhang, schwarze Maske, dazu treibende Beats auf der Tonspur: Die ersten Minuten von "Lux - Krieger des Lichts" zeigen einen Superhelden in seinem Kostüm, beim täglichen Training, im Kampf gegen die Übel der Welt. Was ihn von den Kollegen aus Hollywood-Blockbustern unterscheidet? Lux (Franz Rogowski) besitzt keinerlei übersinnliche Kräfte, kämpft nicht gegen Psychopathen, sondern für soziale Gerechtigkeit. Auf den Straßen Berlins verteilt er Essenspakete an Obdachlose.

"Real Life Superheroes" nennen sich solche Alltagshelden, erklärt im nächsten Moment Regisseur Jan (Tilman Strauß) einem Produzenten für neue Medienformate (herrlich jovial: Heiko Pinkowski). Jan und seine Mitstreiterin Lina (Anne Haug) sind auf Lux gestoßen, der eigentlich Torsten Kachel heißt, und buhlen nun mit einem Imagefilmchen über ihn um Förderung für eine Webserie. Mit Erfolg: Der Produzent wittert Potenzial, wenn man nur den Freakfaktor ordentlich ausspiele. "Es muss knallen, aber richtig", gibt er den jungen Filmemachern mit auf den Weg.

Das Phänomen der Real Life Superheroes existiert tatsächlich, weltweit helfen verkleidete Bürger alten und bedürftigen Menschen, engagieren sich für saubere Parks oder gegen Kriminalität. Zu einiger Berühmtheit gelangte der US-Amerikaner Ben Fodor alias Phoenix Jones, ein Martial-Arts-Kämpfer, der seit 2011 auf den Straßen Seattles patrouillierte, in so manche Schlägerei geriet und schließlich selbst für kurze Zeit im Gefängnis landete.

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Mediensatire: Eine Art Batman

Lux hingegen erweist sich als kreuzbraver Kerl, als harmlos und herzensgut. Den Jugendlichen am Kottbusser Tor rät er mit kumpeligen Sprüchen zum Drogenverzicht. Sein verwegener Look täuscht, der "Krieger des Lichts" ähnelt mehr Don Quijote als Batman. Taugt so einer zum YouTube-Star?

"Samariternummer"

Debütregisseur Daniel Wild strickt aus dem Stoff eine treffsichere Mediensatire in Form einer Mockumentary. Ein Filmteam begleitet Lux auf Schritt und Tritt, beim Containern, auf eine Demo gegen Mieterhöhungen und immer wieder zu seiner kratzbürstigen Mutter (Eva Weißenborn) in deren biedere Plattenbauwohnung. "Wir ha'm doch alle Macken", ostberlinert die ketterauchend in die Kamera, "bei ihm isset eben dit Superheldenjedöns."

Doch Lux' "Samariternummer" reicht dem Produzenten bald nicht mehr aus, für die bessere Quote lockt er Torsten mit einem Hochglanzoutfit anstelle des selbstgeschneiderten Heldenkostüms. Von den Filmemachern verlangt er Crime Fighting statt Essensspenden, "einen Hauch mehr Action und eine Prise Sex". Da trifft es sich gut, dass soeben die liebenswerte Striptänzerin Kitty (Kristin Suckow) in Torstens Leben getreten ist.

Wie ein medialer Hype gemacht wird

Wilds Satire macht einen Heidenspaß, weil sie sich nie in den allzu grellen Witz verirrt - wie das etwa Dietrich Brüggemanns "Heil" tat - und der Regisseur eine gute Beobachtungsgabe offenbart, was die Mechanismen einer sensationsheischenden Unterhaltungsindustrie angeht. Torsten Kachel, dieser Ritter von der traurigen Gestalt, lässt sich einspannen, wird von allen um ihn herum ausgenutzt und verrät dabei zunehmend seine Ideale. Franz Rogowski ("Love Steaks", "Victoria"), European Shootingstar der kommenden Berlinale, verleiht seinem Antihelden die nötige Mischung aus heiligem Ernst und leiser Melancholie.


"Lux - Krieger des Lichts"
Deutschland 2017

Regie: Daniel Wild
Drehbuch: Daniel Wild
Darsteller: Franz Rogowski, Heiko Pinkowski, Eva Weißenborn, Tilman Strauß, Anne Haug, Kristin Suckow, Serkan Kaya, Michael Klammer
Produktion: Mixtvision Mediengesellschaft München in Co-Produktion mit dem BR
Verleih: Zorro
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 104 Minuten
Start: 4. Januar 2018


Besonderen Witz bergen die Botschaften, die das Drehbuch Lux in den Mund legt. "Ganz egal, wer du bist oder was du für andere darstellst: Jeder von uns trägt seinen Helden in sich", salbadert der von einem Hausdach aus bedeutungsschwer in die Kamera, den Blick in die Ferne gerichtet. "Wir müssen ihm Vertrauen schenken, dann zeigt er sich."

Wohlfeile Worthülsen, irgendwo zwischen Achtsamkeitskitsch und Selbstermächtigungsmantra, die sich in ihrer inhaltlichen Leere selbst entlarven: Sie sind Wilds große Stärke. "Authentizität" heißt hier das Heilsversprechen, doch selbstverständlich nur im Dienste einer besseren Vermarktbarkeit. Torstens argloser Kampf gegen die neuzeitlichen Windmühlen aus Kommerz und Zynismus wirkt rührend, weil aussichtslos, immer wieder verpufft sein ehrlich gemeinter Altruismus.

Regisseur Wilds tragikomisches Talent zeigt sich vor allem in den kleinen Ideen, den Details und Randgestalten seines Erstlingsfilms. Etwa im selbstironischen Gastauftritt des YouTube-Sternchens Joyce, oder in Figuren wie dem vermeintlich zwielichtigen Nachtklubbesitzer, der sich als vorbildlicher Steuerzahler mit übertariflichen Gehältern entpuppt.

Für sein Drehbuch wurde Wild auf dem Hochschulfestival Sehsüchte ausgezeichnet, bei den Hofer Filmtagen gewann der 38-Jährige den Preis als bester Nachwuchsregisseur. Ihm gelingt das im deutschen Kino noch zu seltene Kunststück, eine im Kern moralische Geschichte mit Humor zu erzählen. Äußerst unterhaltsam und realitätsnäher, als man sich wünschen kann, lehrt "Lux", wie mediale Hypes entstehen und wie sie gelenkt werden.

Im Video: Der Trailer zu "Lux - Krieger des Lichts"

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