"Mad Max"-Fortsetzung Pures Heavy Metal

In der Fortsetzung der "Mad Max"-Saga rast ein Tankzug durch die Wüste und liefert sich Duelle mit bizarren Auto-Hybriden. Ein postapokalyptisches Ballett aus Schrott und Stahl, das sogar die "Fast & Furious"-Filme lahm aussehen lässt.

Von Andreas Busche


Die Wüste lebt in "Mad Max: Fury Road". Einerseits. Andererseits wurde an diesem Ort lange nicht mehr so zahlreich, fantasievoll und gewaltsam gestorben wie in George Millers viertem Teil der Saga.

Der Tod und die Gewalt sind gewissermaßen eine Hommage an die drei Filme aus den Achtzigerjahren, die Mel Gibson in der Rolle des schweigsamen Rächers im schwarzen Muscle Car zum Star machten.

In einer nahen Zukunft, in der marodierende Gangs für einen Kanister Benzin töten, jagte der ehemalige Streifenpolizist Max Rockatansky die Mörder seiner Frau durch eine verödete, post-atomare Landschaft. Der erste "Mad Max" löste mit seinem apokalyptischen Szenario und erfrischend martialischer Action zudem eine ganze Welle billiger, brutaler und großteils unterhaltsamer Nachahmer aus.

In der Überbietungslogik des aktuellen Blockbusterkinos fungiert die Gewalt aber auch als Erweiterung des Kanons. Als sich Mel Gibson und Tina Turner 1985 in "Jenseits der Donnerkuppel" gegenüberstanden, zeigte das Endzeit-Spektakel bereits leichte Ermüdungserscheinungen. Die seltsame Mischung aus Exploitationfilm und Turners Starpersona war damals symptomatisch für die Exzesse im Hollywood-Kino. Die "Mad Max"-Trilogie klang etwas unbefriedigend aus.

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"Mad Max": Alter Stahl, junge Frauen

Dreißig Jahre später schließt sich für Miller endlich der Kreis. Das fragile Gleichgewicht zwischen Geschichtsbewusstsein und Makeover stellt bei kostspieligen Reboots von Kultfilmen wie "Mad Max" (George Lucas kann davon mit seinen "Star Wars"-Prequels ein Lied singen) noch immer die größte Herausforderung dar.

Vintage-Marke, neu erfunden

Eine Vintage-Marke neu zu erfinden, ohne den Markenkern zu beschädigen: Nur wenige hätten George Miller, der zuletzt mit kleinen, bösen Kinderfilmen ("Ein Schweinchen namens Babe") ziemlich erfolgreich war, einen vierten "Mad Max" zugetraut. Andererseits: Wer gönnt ihm nicht diesen späten Triumph?

Zugegeben: Der "Mad Max"-Mythos kommt auch mit leichtem Gepäck im Jahr 2015 an. Es gibt ein paar ikonische Einstellungen aus den drei Vorgängern, wenig Vorgeschichte und (Höhepunkt des zweiten Films) eine zwanzigminütige Verfolgungsjagd zwischen einer Gang degenerierter Schergen und einem gepanzerten Tanklastzug, die Filmgeschichte geschrieben hat. Miller hat diesen Mythos noch einmal konsequent entkernt und erhebt mit "Mad Max: Fury Road" die Action-Sequenz zu kinetischer Konzeptkunst.

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"Mad Max"-Reihe: Flieg, Auto, flieg!

Die Handlung beruht im Grunde auf der B-Movie-Prämisse, wie man einen Film zwei Stunden lang auf Höchstgeschwindigkeit hält und ihn gleichzeitig mit möglichst bizarren Details ausstattet - etwa einem maskierten, vor die Motorhaube eines Trucks geschnallten Heavy-Metal-Rocker mit feuerspeiender Gitarre.

Wieder ist ein Tanklastzug Fixpunkt der Geschichte. Wie ein Projektil rast das Fahrzeug durch die flirrende, ausgebrannte Wüste: im Schlepptau Hunderte von tätowierten, gepiercten und ganzkörperbemalten Freaks auf retrofuturistischen Schrottvehikeln. Das tollste unter ihnen, eine aus zwei Haifisch-Cadillacs verschweißte Karosserie auf einem Monstertruck-Chassis, gehört dem Tyrannen Immortan Joe, der sich sein Eigentum, 40.000 Gallonen Benzin und seine fünf entflohenen Frauen zurückholen will.

Hinter dem Steuer des Tanklasters sitzt Charlize Theron als kurzgeschorene Kriegerin Imperator Furiosa, die mit ihrer wertvollen Ladung die letzte grüne Oase einer vergifteten Welt zu erreichen versucht. Max (Tom Hardy) ist eher ein Kollateralschaden in diesem Chaos: ein entflohener Sklave, der sich auf die Seite der Frauen schlägt, weil es in der archaischen Logik von "Mad Max: Fury Road" ohnehin nur Freund oder Feind gibt.

Interceptor

Dieses Musclecar - ursprünglich ein Ford XB Falcon Coupé aus dem Jahr 1973 - ist seit dem ersten "Mad Max"-Film das Fahrzeug des Titelhelden. Es hat auch im neuen Actionabenteuer "Mad Max: Fury Road" einen Auftritt.

The Gigahorse

Dieses Monstrum ist sozusagen das Flaggschiff des Bösen. Der Tyrann Immortan Joe führt damit seine mörderischen Gefolgsleute an. Interessant ist der Wagen vor allem wegen der ungewöhnlichen Verschmelzung zweier 1959er Cadillac Coupé De Ville, die auf einem Extrem-Fahrwerk verschweißt sind.

The Nux Car

Ein Ford Deuce Coupé mit Offroad-Fahrwerk, V8-Motor, gewaltigen Sidepipes und einem Kreuz vor dem Kühler, an das gefangene Gegner gebunden werden können. Mad Max erleidet im neuen Film vorübergehend dieses Schicksal.

The War Rig

Das ist der Truck der Guten in "Mad Max: Fury Road". Eine Zugmaschine im Hot-Rod-Stil mit gleich zwei V8-Motoren und Sechsradantrieb. Dazu ein Tankauflieger mit aufgeschweißten Karosseriefragmenten, um die kostbare Fracht - Benzin - zu verteidigen.

FDK

Ein mit einem V8-Motor aufgerüsteter VW Käfer Buggy mit Turboaufladung - und ansonsten wenig Extras. Der Wagen wird im Film zum Flankenschutz von Konvois eingesetzt und ist zu diesem Zweck mit Flammenwerfern ausgerüstet.

Cranky Frank

Ein extrem gechoppter Holden-Pickup, dessen V8-Motor dem Fahrer praktisch keine Sicht nach vorn lässt. Auf der Ladefläche des Autos steht normalerweise der Schütze der Bordkanone. Der Wagen gehört zum Fuhrpark der Bösen und rast meist in unmittelbarer Nähe des Gigahorse durch die Wüste.

The Peacemaker

The Peacemaker: Das wohl abgefahrenste Gefährt im neuen "Mad Max"-Film ist dieses Musclecar vom Typ Chrysler Valiant Bronze Whaler mit Panzerkettenfahrwerk und maximal möglicher Bewaffnung.

The Ploughboy

Ein extrem geländegängiger Kombi vom Typ EH Wagon mit hydraulischem Pflug am Heck und einer Harpune - beides Geräte, um Gegner aus der Bahn zu werfen.

Buick

Ein ehemals braver Buick, jetzt allerdings mit Doppelbereifung auf der stark verbreiterten Hinterachse und einer Flugabwehrkanone auf dem Dach.

Mack

Ein schwer bewaffneter Abschleppwagen, der stets als Letzter über die automobilen Schlachtfelder kurvt, um das aufzusammeln, was noch nicht vollends unbrauchbar ist.

Buggy #9

Ein Kampfmobil auf Basis des Perentti - das war die australische Antwort auf die US-amerikanische Corvette - mit Maschinengewehr auf dem Heck und martialisch aus dem Motorraum hervorkriechenden Sidepipes.

Elvis

Ein geradezu romantischer Name für den rostigen Hot-Rod mit Zwölfzylindermotor und Maschinengewehr auf dem Dach.

Dodge

Ganz vorne auf diesem Hot-Rod alter Schule sitzt ein Roots-Kompressor, hinten sind Stehbleche und Haltestangen für furchtlose Kämpfer angebracht. Und auf der Karosserie dieses Wagens ist sogar noch etwas Lack zu finden - natürlich in Schwarz.

Prince Valiant

Ein Kampfmobil mit Flammenoptik auf Basis des Holden Valiant Charger aus den Siebzigerjahren. An Bord sind ein Flammenwerfer und eine Wurfmaschine für Molotowcocktails.

The Big Foot

Diesem Wagen auf Basis eines Dodge Fargo gehört eine spektakuläre Szene im Film, als er nämlich auf einen nahezu senkrechten Felsen klettert.

Firecar #4

Ein weiteres Kampfgerät aus der Armada der Bösen. Mit langen Fackelstangen und einem Flammenwerfer auf der Ladefläche.

Plymouth Rock

Dieses stachelige Trumm ist sozusagen das Basisfahrzeug der Söldner des Tyrannen Immortan Joe. Unter dem Wald aus rostigen Metallspießen steckt ein Plymouth aus den Dreißigerjahren, doch Originalteile gibt es so gut wie keine mehr an dem Wagen.

Doof Wagon

Ein ehemaliger MAN Raketenträger, umgerüstet zu einer Art Marschkapelle der extremen Art. Ganz hinten auf dem Auflieger schlagen Männer auf Trommeln, deren dumpfer Klang durch Dutzende Lautsprecher zu einem rhythmischen Inferno verstärkt wird. Psychologische Kriegsführung im Niemandsland sozusagen.

Miller unterläuft jegliche Wildwest-Romantik (die Planwagenjagd als zentrales Topos des amerikanischen Western) mit einer aberwitzigen Fülle von Explosionen, Karambolagen und Nebenkriegsschauplätzen. "Meine Welt besteht aus Blut und Feuer", spricht Tom Hardy, ein würdiger Mel-Gibson-Nachfolger, am Anfang aus dem Off, und Miller nimmt sich den Satz wirklich zu Herzen.

"Mad Max: Fury Road" ist purer Heavy Metal. Selbst die ambitionierte Automobil-Pornografie des "Fast and Furious"-Franchisees wirkt im Vergleich zu Millers Spätwerk wie eine erste Fahrstunde. In einer Zeit, in der man sich daran gewöhnt hat, dass B-Movies dreistellige Millionenbeträge kosten, erweist sich Miller als lässiger Stilist: Er ist der letzte Maestro einer primitiven Form filmischer Kinetik.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Mad Max: Fury Road"

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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
GSYBE 12.05.2015
1. Noch...
Noch 2x schlafen!!!!!!!!!!!!
!!!Fovea!!! 12.05.2015
2. hört sich an..
Als ob es ein remake des 2. Teil von Mad Max wäre... Ob man das tatsächlich braucht...
GSYBE 12.05.2015
3. WOW...IMDb...9.1
Ist in den USA letzte Woche angelaufen und hat auf IMDb schon eine 9.1! Kann mich nicht so recht erinnern, wann ein Film zuletzt ein derat hohes Ranking hatte... http://www.imdb.com/title/tt1392190/
hbblum 12.05.2015
4. Warum...
...kann der Herr Rezensent nicht einfach schreiben, das es sich um Mad Max 2.2 handelt? Oder gibt es dann nicht genug Zeilengeld?
iesmael 12.05.2015
5. aber von grad mal....
Zitat von GSYBEIst in den USA letzte Woche angelaufen und hat auf IMDb schon eine 9.1! Kann mich nicht so recht erinnern, wann ein Film zuletzt ein derat hohes Ranking hatte... http://www.imdb.com/title/tt1392190/
1400 Benutzern. Aber egal, freu mich auch schon auf den Film und ein actiongeladenes Spektakel wird es alle mal werden. ;O)
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