Dänischer Western "The Salvation" Metzeln mit Mads Mikkelsen

Mit "The Salvation" legt Lars von Triers Produktionsfirma ihren ersten Western vor. "Hannibal"-Star Mads Mikkelsen spielt darin einen dänischen Auswanderer, der nach der Ermordung seiner Familie zum blutigen Gegenschlag ausholt.

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Eine Postkutsche zuckelt über die weite Prärie. Jon, ein dänischer Auswanderer hat seine im Heimatland verbliebene Frau und sein Kind nach sieben Jahren zu sich nach Amerika geholt. Man schreibt die Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts, die Indianer sind getötet oder vertrieben, die Ausbeutung der ersten Ölquellen beginnt. Die Familie will sich in einem der gerade erst besiedelten Landstriche im Westen des Landes niederlassen.

Mit in der Kutsche sitzen ein entlassener Sträfling und sein Komplize, und "The Salvation" lässt sich wenig Zeit, bis die Gewalt in seine karge Welt einbricht: Es wird getrunken, die Situation heizt sich auf, Jon wird aus der Kutsche geworfen, die Frau vergewaltigt und ermordet, auch der siebenjährige Sohn wird getötet. Der Witwer findet die beiden Mörder noch in derselben Nacht und bringt sie um - und das ist nur die Exposition. In der Folge sinnt der Bruder des Sträflings, ein Gangster, der den gesamten Landstrich terrorisiert, auf Rache, und am Ende sind fast alle tot.

"The Salvation", der erste Western aus Lars von Triers Zentropa-Filmschmiede, fackelt nicht lange, und die Geschichte, die Regisseur Kristian Levring hier in üppigen Farben erzählt, birgt wenige Überraschungen. Levring und sein Drehbuchautor Anders Thomas Jensen, der mit seinem Skript für die schwarze Komödie "Wilbur Wants to Kill Himself" und seiner Regiearbeit für "Adams Äpfel" maßgeblich am Boom des dänischen Films beteiligt war, stützen sich auf die etablierten Gesetze des Genres.

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"The Salvation": Zwischen Leichenbergen und Ölbrunnen
Dass der straff erzählte Plot auf einen Showdown zwischen einem einsamen Gerechten und einer Übermacht bewaffneter Schurken hinausläuft, ahnt man nach einer Viertelstunde. Und wie man derartige Situationen würdevoll übersteht, hat spätestens Gary Cooper 1952 in "12 Uhr mittags" zum ersten Mal formvollendet vorgeführt. Das einzig Ungewöhnliche an diesem Film ist sein Produktionskontext - bislang war "dänischer Western" eine Metapher für skandinavische Sexfilmchen der Siebzigerjahre.

Leichenberge und Ölbrunnen

Als spannendes Genrestück funktioniert der Film überraschend gut, wenngleich die unübersehbare Liebe zur Tradition, die "The Salvation" zugrunde liegt, ein durchaus heikler Ausgangspunkt ist, schließlich wurde der Western in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrmals für tot erklärt.

Allerdings beruft sich Regisseur Levring nicht mehr auf die Helden der klassischen Westernfilme, auch wenn er in der Komposition seiner Bilder immer wieder auf John Fords stilbildenden "The Searchers" verweist. Heute, wo selbst James Bond seine Gegner auf der Leinwand eher massakriert als elegant aus dem Weg räumt, würde das ungebrochen Aufrechte, das Gary Cooper in "12 Uhr mittags" noch repräsentierte, nur anachronistisch wirken.

"The Salvation" trägt dem Rechnung, der direkteste Bezugspunkt sind die düsteren Italo-Western Sergio Leones. Der Held wird von Mads Mikkelsen gespielt, und der stille Fatalismus, der vom leidgeprüften Gesicht Mikkelsens von der ersten Einstellung an abstrahlt, ist auch der des Films. Kein Genre ist so eng mit den amerikanischen Gründungsmythen verbunden wie dieses, und kaum ein anderes hat zum Mythos vom Einzelkämpfer, der nur sich selbst gehört, so wesentlich beigetragen.

Diesen Mythos interpretieren Levring und Jensen ganz im Geiste von Lars von Triers bislang unvollendeter Amerika-Trilogie als eine Deckerinnerung, die die Gewalt der Geschichte verbergen soll, und formulieren mit der letzten Einstellung eine sehr europäisch anmutende Kritik am eigenen Genre: ein Panorama aus Leichen und bedeutungsträchtig ins Bild gerückten Ölbrunnen.

Diese letzte Einstellung, die eines Sergio Leone würdig gewesen wäre, suggeriert, dass die Gewalt noch nie die Sache der Gerechten war, sondern automatisch dort ins Spiel kommt, wo es um die ökonomische Erschließung eines Landes und die Ausbeutung seiner Bewohner geht.

The Salvation

    Dänemark 2014

    Buch: Anders Thomas Jensen, Kristian Levring

    Regie: Kristian Levring

    Darsteller: Mads Mikkelsen, Eva Green, Jeffrey Dean Morgan, Eric Cantona, Mikael Persbrandt, Jonathan Pryce, Douglas Henshall, Michael Raymond-James

    Produktion: Zentropa Entertainments

    Verleih: Concorde

    Länge: 93 Minuten

    Start: 9. Oktober 2014

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
MPonto 09.10.2014
1. The Searchers???
Na, da spricht ja ein richtiger Westernexperte. Gerade "The Searchers" als Beispiel für ungebrochene, aufrechte Helden aufzuführen, zeugt dann doch von eher oberflächlichem Genrewissen...
holzpferd 09.10.2014
2.
Glaube der wird mir gefallen, liegt wohl am Hauptdarsteller der in allen Rollen überzeugt. Für nen guten Western mit einer erprobten Story muss ich in kein finsteres Tal.
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