Magier-Film "Die Unfassbaren": Die Kraft von Glitzer

Von Daniel Sander

Magier-Film "Die Unfassbaren": Die ganz große Show Fotos
Concorde

So unterhaltsam wie nervtötend: Im amerikanischen Überraschungs-Kinohit "Die Unfassbaren" beklaut eine Zauberer-Truppe böse Banken und Versicherungen - und macht daraus eine große, bunte Show.

Kino und Zauberei vertragen sich eigentlich nicht besonders. Eine gute Magier-Show lebt davon, die Zuschauer im Dunkeln zu lassen, sie zum Staunen zu bringen, ohne auch nur einen Trick zu verraten. Das Kino bringt sein Publikum zwar auch gern zum Staunen, leidet aber unter zwanghaftem Erklärungsdrang. Filme dürfen nur rätselhaft sein, wenn bis kurz vor Schluss alle Rätsel gelöst sind. Wer der Mörder war, wie der Bankraub wirklich funktioniert hat, was Traum und was Wirklichkeit war - am Ende muss jedes Geheimnis enthüllt sein. Genau das, was einem Magier nie passieren darf.

So sind auch die Zauberer in Louis Leterriers neuem Film "Die Unfassbaren" von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es sind vier, die von einem mysteriösen Gönner zusammengeführt und dann unter dem Namen "The Four Horsemen" ("Die vier Reiter") berühmt werden: der arrogante Illusionist Atlas (Jesse Eisenberg), der abgerockte Hypnotiseur McKinney (Woody Harrelson), die in erster Linie hübsche Entfesslungskünstlerin Reeves (Isla Fisher) und der begeisterungsfähige Taschendieb Wilder (Dave Franco). Am Ende wird ihre Magie als Schwindelei enttarnt sein, jeder Trick durcherklärt, keine Frage offen. Es kann nur darum gehen, den Zuschauer auf dem Weg dahin so lange wie möglich bei Laune zu halten.

Moderne Robin Hoods oder einfache Betrüger?

Dabei schlägt sich das Quartett aber ganz ordentlich, denn es hat tatsächlich ein paar spektakuläre Coups auf Lager. In ihrer ersten großen Las-Vegas-Show holen die vier einen unbedarften Franzosen auf die Bühne, um ihn in den Tresorraum einer Bank in Paris zu beamen und die dort bereitliegende Beute einzusammeln. Am Ende der Vorstellung regnet es tatsächlich Dollarscheine auf das Publikum herab und der Tresor in Frankreich ist wirklich leer. Was einen FBI-Agenten (Mark Ruffalo), eine Interpol-Kollegin (Mélanie Laurent) und einen professionellen Zaubertrick-Enthüller (Morgan Freeman) auf den Plan ruft, die den Reitern fortan verlässlich immer genau einen Schritt hinterherhinken. Allerdings spielt auch nicht jeder Verfolger immer mit ganz offenen Karten.

Die interessanteste Idee und gleichzeitig das größte Problem an "Die Unfassbaren" ist dessen Weigerung, eindeutige Helden zu präsentieren. Die Magier rauben zwar nur böse Banken und Versicherungen aus, wollen aber auch keine modernen Robin-Hood-Wohltäter sein. Damit ihre wahren Absichten nicht zu früh verraten werden, dürfen wir die vier auch nicht besonders gut kennenlernen, das Gleiche gilt für die Ermittler. Es gibt keine eindeutige Identifikationsfigur. Jeder könnte der oder die Böse sein.

Aber selbst das ist am Schluss auch eher egal, denn hier zählen keine Menschen, hier geht es nur um die Show. "Die Unfassbaren" funktioniert da lange nicht anders als eine typische Las-Vegas-Revue: so laut und bunt und knallig wie möglich. Und manchmal genauso nervtötend. Regisseur Leterrier ("Kampf der Titanen") hat ein Händchen für Tempo und Spektakel und nicht viel Interesse an Herz und Verstand. Kein Problem, wenn die Hauptfiguren eigenschaftslose Schablonen bleiben oder die großen Enthüllungen am Ende bei etwas näherer Betrachtung nicht auch nur einen Funken Sinn ergeben - Hauptsache, es glitzert.

Was ja nicht schlimm sein muss. "Die Unfassbaren" war in den USA einer der großen Überraschungshits der Saison, sehr viele Leute haben sich offenbar gut unterhalten gefühlt. Unterschätze nie die Kraft von Glitzer.


Die Unfassbaren. Start: 11.7. Regie: Louis Leterrier. Mit Mark Ruffalo, Mélanie Laurent, Jesse Eisenberg.

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1. Ist er auch...
rvdf11974 11.07.2013
Der Film ist kein riesiger Blockbuster und auch kein intelligentes Meisterwerk sondern lediglich schlichte Unterhaltung... Wer unter der Prämisse ins Kino geht wird sicherlich nicht enttäuscht.
2. @ rvdf11974
pfälzerbu 11.07.2013
Wünsch' mir, dass Du recht hast. Immerhin habe ich schon gestern Abend (nach einem bezaubernden Kinoabend mit "Ich - einfach unverbesserlich 2") meine Karte für "Die Unfassbaren" gekauft. :-) Diese Story ist (wie ich ahne) für gute Unterhaltung prädestiniert.
3. Typisch SpOn-Filmkritik
g0th1cs1th 11.07.2013
Ich gehe vorrangig nicht ins Kino, um Bildungskino zu genießen. Und Zeiten, in denen Schakespeare seine Stücke vor Publikum darbietet, sind auch vorbei. Bei jeder Filmkritik zu nicht animierten Filmen hör ich immer denselben Unterton heraus "Tolle Unterhaltung für einfache Gemüter" Das wird bei jeder Comic-Verfilmung genauso abgezogen wie gerade hier. Das geht mir langsam richtig auf die Nüsse. Gewisse Filme entsprechen nunmal nicht dem offenbar heißgeliebten franz. Kunstfilm und das wollen diese Werke auch garnicht! Ihr bemängelt bei Man of Steel nicht den Umstand, daß der komplette Film ohne Kryptonit auskommt, obwohl die komplette Erde von Kryptoniern heimgesucht wird, nein, man bemängelt die schnellen Schnitte und kampfüberladene Szenen. Oo Und hier zieht ihr denselben Schuh durch. Somit kommt mir langsam die Frage auf, ob bei Euch die Filme überhaupt jemand auch wirklich begutachtet und mit welchem Anspruch dies ggfs. getan wird? Ich für meinen Teil habe zum letzten Mal Eure Film-Kritiken gelesen. Würde ich mich auf Eure Kritik verlassen, hätte ich viele schöne Stunden 'nicht' erlebt. -.-
4. Nicht alles glauben, was man liest
WilliamMorrow 12.07.2013
Zitat von g0th1cs1thIch gehe vorrangig nicht ins Kino, um Bildungskino zu genießen. Und Zeiten, in denen Schakespeare seine Stücke vor Publikum darbietet, sind auch vorbei. Bei jeder Filmkritik zu nicht animierten Filmen hör ich immer denselben Unterton heraus "Tolle Unterhaltung für einfache Gemüter" Das wird bei jeder Comic-Verfilmung genauso abgezogen wie gerade hier. Ich für meinen Teil habe zum letzten Mal Eure Film-Kritiken gelesen. Würde ich mich auf Eure Kritik verlassen, hätte ich viele schöne Stunden 'nicht' erlebt. -.-
Wenn ihnen der Text nicht gefällt, können sie sich ja eine bessere Kritik suchen. Sie sollten schließlich nicht nur die Spiegel-Kritik zu einem Film lesen, sondern auch einige andere. Jedenfalls, wenn sie sich unsicher sind, ob man sich diesen oder jenen Film anschauen sollte. Das SPON scheinbar das gute alte franz. Autorenkino vermisst, ist allgemein bekannt. Und da seit Jahren fast nur Müll im Kino läuft, bleibt den Redakteuren auch nichts anderes übrig, als die Mehrheit der Filme zu verreißen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass SPON nicht immer, leider aber immer öfter mit Kritiken recht behält. Aber was einen guten und was einen schlechter Film ausmacht, ist bekanntlich zu 51% Geschmackssache...
5.
Borni 07.08.2013
„Regisseur Leterrier ("Kampf der Titanen") hat ein Händchen für Tempo und Spektakel und nicht viel Interesse an Herz und Verstand. Kein Problem, wenn die Hauptfiguren eigenschaftslose Schablonen bleiben oder die großen Enthüllungen am Ende bei etwas näherer Betrachtung nicht auch nur einen Funken Sinn ergeben - Hauptsache, es glitzert.“ Die Handlung enthält nicht einen Funken Sinn? Entschuldigung, aber ich muss vermuten das sie Schnur den Trailer angeschaut haben. Klar ist die Handlung in diesem Film weit hergeholt und klar ist viel Spektakel um die eigentliche Handlung, aber das ist doch auch klar, immerhin geht es um Magie und Magie ist Spektakel und Magie ist ebenso manchmal weit hergeholt und bis zur Enthüllung unverständlich, aber genau sowas erwartet man ja auch, wenn man in einen Magierfilm geht! Und nun zur Handlung, klar ergibt die Sinn! Der Vater vom FBI-Agenten, der sich als Strippenzieher herausstellt, wurde zu der Nummer getrieben, um seinen Ruf wiederherzustellen, da er von Thaddeus Bradley (gespielten Morgan Freeman) als Betrüger und schlechter Zauberer entlarvt worden war. Bei dem Versuch seinen Ruf wieder herzustellen ist er aber ertrunken, da die Kiste in der er ins Wasser geworfen worden ist, sich verbog und er deswegen nicht rauskam. Weil die Versicherung, welche Arthur Tressler gehört und die Pariser Bank aber nichts zählen wollte, musste Dylan Rhodes in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen. Um sich an allen zu rächen, brachte er die vier zusammen, welche dann nach und nach allen ihr Geld klauten und Thaddeus Bradley ins Gefängnis brachten, während alle 4 und Rhodes normal weiterleben konnten. Aber liebe SPON Redaktion, ihr habt recht, bei näherem Betrachten macht die Handlung Null Sinn.. Und noch etwas, ich weiß nicht wie es bei anderen war, aber ich nahm die vier Zauberer schon als die guten im Film wahr, auch wenn sie die alle ausgeraubt hatten, dies allerdings überaus sympathisch, weshalb ich und die Leite mit denen ich den Film sah, die Zauberer als Identifikationsfiguren wahrgenommen hatten!
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