"Man of Steel"-Regisseur Snyder "Superman ist unser Gewissen"

Warum einen Kino-Helden umbringen, wenn man ihn richtig schön quälen kann? Der umstrittene "Man of Steel"-Regisseur Zack Snyder spricht über Sadismus, Größenwahn - und erklärt, weshalb sein Skandalwerk "300" der schwulste Film aller Zeiten ist.

Warner Bros.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Snyder, in Ihren Filmen wird zerstört, unterdrückt und vergewaltigt. Was fasziniert Sie an so viel Gewalt?

Snyder: Helden umzubringen ist doch langweilig, viel bedrohlicher wirkt es doch, sie zu unterwerfen, zu vergewaltigen, oder? Das ist das Schlimmste, das jemandem passieren kann. Die Spartaner in "300" wollen auch lieber sterben, als versklavt zu werden. Und so ist es auch bei "Man of Steel". Die Kryptonier sind ja Sklaven ihrer Gesellschaft. Superman dagegen handelt eigenständig, in Freiheit.

SPIEGEL ONLINE: Superman entstand vor 75 Jahren in einer ganz anderen Ära - welche Relevanz hat der Mann mit dem Cape heute noch?

Snyder: Für mich ist er bedeutend, weil er das Richtige tut. Er ist ein Feuerwehrmann, ein Polizist, ein Elitesoldat. Dieser Typ leistet anonyme, selbstlose Freiwilligenarbeit auf globaler Ebene, und es wird ihm in keiner Weise gedankt. Ihn motiviert nichts als seine Hilfsbereitschaft.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Superman von seiner Jesus-Moses-Mythologie entkoppelt ist, dann ist er nicht mehr so attraktiv, bemerkte die "New York Times" kürzlich. "Man of Steel" scheut sich nicht, diese Motive zu verwenden.

Snyder: Superman ist unser Gewissen! Für mich steht die Figur stellvertretend für den Gedanken, den eigenen Weg in der Welt zu finden. Jeder kennt doch die Erfahrung, missverstanden zu werden. Die Frage nach dem eigenen Platz im Universum. Der Versuch, diesen Weg durchs Leben zu beschreiten, ist universell. Superman repräsentiert eine destillierte Version davon: Seine Entscheidungen werden die Welt verändern. Die Fragen "Wer bin ich?" wird hier im Rahmen einer größeren Geschichte thematisiert.

SPIEGEL ONLINE: Der Co-produzent des Films, Christopher Nolan, hat einen intellektuellen Zugang zum Superhelden. Ihrer ist von ästhetischen Erwägungen geprägt. Wie hat das funktioniert?

Snyder: Chris versteht, dass Superman ein schwieriger Fall ist: Er ist weitaus optimistischer als Batman, und er ist ein Superheld, der auf visuellen Effekten basiert. Insofern waren wir uns über den philosophischen Zugang zu "Superman" einig.

SPIEGEL ONLINE: Wie gewichten Sie Ästhetik und Erzählung?

Snyder: Für mich geht es voll und ganz um Ästhetik. Wir formen Bilder in unseren Köpfen, wenn wir Geschichten hören. Wenn man liest, wie jemand einen Ballsaal mit Spiegeln an den Wänden und ausladenden Lüstern betritt, sind das ja nicht bloß Worte. Man macht sich ein Bild davon, und wer das nicht tut, ist verrückt.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Verbildlichungen sind ganz schön teuer - "Man of Steel" soll 225 Millionen Dollar gekostet haben, und Steven Soderbergh beklagte neulich, dass solche Megaroduktionen in Hollywood die Filmkunst vernichten.

Snyder: Wir arbeiten in unserem Film mit erstaunlich komplexen visuellen Welten, aber es sind persönliche Welten. Nur wenige Menschen haben die Gelegenheit, diese unglaubliche Palette zu benutzen, weil sie nahezu unerschwinglich ist. Ich finde es wunderbar, wie viel Autonomie mir die Arbeit mit Chris Nolan erlaubt. Ich darf tatsächlich einen ganz persönlichen Superman-Film machen!

SPIEGEL ONLINE: Ihr Kollege Steven Soderbergh behauptet genau das Gegenteil: Dass Filme dieser Größenordnung nur noch per Geldgeber gemacht werden können.

Snyder: Niemand will einen Film machen, der von Geldgebern entworfen wurde. Aber "Man of Steel" ist nicht so entstanden, und alle Filme, die ich bisher gemacht habe, sind sehr persönlich. Habe ich etwa eine Marktforschung machen lassen, um herauszufinden, wie Supermans Anzug aussehen soll? Nein! Aber gewisse Dinge, die ich gern sehen möchte, sind eben teuer.

SPIEGEL ONLINE: Spezialeffekte zum Beispiel.

Snyder: Ja, Ästhetik kostet Geld. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht, aber das verändert meine Haltung nicht. Sie könnten mir vorhalten, dass dies der schlechteste Film aller Zeiten ist - aber dies ist nun mal der Film, den ich gemacht habe.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Filme sind hoch umstritten.

Snyder: Auf der Berlinale fragte mich jemand auf der Pressekonferenz zu "300", wie es sich anfühlen würde, ein faschistischer Filmemacher zu sein? Ich sagte, das ist toll! Ja, ich mache Propaganda, aber eine Propaganda der Ästhetik, keine politische.

SPIEGEL ONLINE: Sie transportieren immerhin Heldenbilder, die ihre emotionale Aufladung aus ihrer Ästhetik ziehen.

Snyder: Ja, stimmt, und das Schöne daran ist, dass das so stark polarisiert. Bei "300" warfen mir die Leute vor, dass dies ein schwulenfeindlicher Film sei. Schwulenfeindlich? Dies ist der wohl schwulste Film aller Zeiten!

Das Interview führte Nina Rehfeld

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
brain0naut 19.06.2013
1. interview?
Zitat von sysopWarner Bros.Warum einen Kino-Helden umbringen, wenn man ihn richtig schön quälen kann? Der umstrittene "Man of Steel"-Regisseur Zack Snyder spricht über Sadismus, Größenwahn - und erklärt, weshalb sein Skandalwerk "300" der schwulste Film aller Zeiten ist. http://www.spiegel.de/kultur/kino/man-of-steel-interview-mit-regisseur-zack-snyder-a-905761.html
DAS nennt SPON ein interview? entschuldigung, aber eine aneinanderreihung von kurzphrasen ist mitnichten ein interview, ganz abgesehen davon, daß wieder mal das versprechen im titel nicht eingelöst wurde; zack snyder erklärt in KEINSTER WEISE, warum "300" der schwulste film aller zeiten sein soll, er BEHAUPTET dies einfach, vom WESHALB nicht ein verdammtes wort. SPON, wenn ihr so weitermacht (wozu auch das neue layout gehört) mit eurem immer weiter verkürzen aller artikel alá BILD, wird euch zwangsläufig die basis endgültig wegbrechen, ernsthaft, ihr tut euch damit keinen gefallen.
daydreamer00001 19.06.2013
2.
Wo bitteschön erklärt denn der Interviewte in dem Artikel, weshalb "300" der schwulste Film aller Zeiten ist? Der erwähnt das doch nur im letzten Satz....
ozi 19.06.2013
3. Gibt es
eine Liste von Filmen, die die Spiegelkritiker toll finden? Oder ist jeder Film in euren Augen Müll?
jenli 19.06.2013
4. Erklärt ... ?
Wo denn?
contextual_dissent 19.06.2013
5. 300, der schwulste Film...??
Zitat von sysopWarner Bros.Warum einen Kino-Helden umbringen, wenn man ihn richtig schön quälen kann? Der umstrittene "Man of Steel"-Regisseur Zack Snyder spricht über Sadismus, Größenwahn - und erklärt, weshalb sein Skandalwerk "300" der schwulste Film aller Zeiten ist. http://www.spiegel.de/kultur/kino/man-of-steel-interview-mit-regisseur-zack-snyder-a-905761.html
Und warum soll es nun der schwulste Film aller Zeiten sein?? Im Aufmacher reißerisch und groß ankündigen, und dann die Frage nicht beantworten?!?! Was soll das? Einfach nur schwach!! Nur heiße Luft!!!
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