Erfolg für Maren Ade Deutsche Regisseurin schafft es in den Cannes-Wettbewerb

Überraschung! Erlösung! Mit "Toni Erdmann" von Maren Ade ist endlich wieder ein deutscher Film im prestigereichen Wettbewerb von Cannes vertreten - neben einigen der größten Namen des Kinos.

Maren Ade
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Maren Ade


Maren Ade ("Alle Anderen") hat es in die Riege der Auserwählten geschafft - ihre Tragikomödie "Toni Erdmann" mit Peter Simonischek in der Titelrolle gehört zu den 20 Filmen, die im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes zu sehen sein werden.

Das gab Thierry Frémaux, der künstlerische Leiter, auf einer Pressekonferenz am Mittag in Paris bekannt.

Der Wettbewerb von Cannes ist gewissermaßen die Meisterklasse des internationalen Kinos, und so finden sich neben Ade etliche der größten Filmemacher und Filmemacherinnen ihrer Generation wieder.

Wer hätte das gedacht? Noch im Februar bei der Berlinale veranstaltete der Verein ProQuote Regie eine Podiumsdiskussion zum Thema, ob eine Quote für Regisseurinnen Einfluss auf die Qualität der Filme habe. Den größten Lacher der Veranstaltung, womöglich sogar der ganzen Berlinale, erntete Jutta Brückner, als sie in ihrem Impulsreferat eine Zukunft ausmalte, in der eine deutsche Regisseurin im Wettbewerb von Cannes vertreten ist.

Diese Zukunft ist nun da.

Wer ist außerdem in Cannes dabei?

Ken Loach, dessen vorheriger Film "Jimmy's Hall" eigentlich sein letzter sein sollte, verbessert mit "I, Daniel Blake", seinem 15. Film im Wettbewerb, seinen eigenen Rekord. Die doppelten Goldene-Palme-Gewinner Jean-Pierre und Luc Dardenne sind mit "La fille inconnue" dabei, ebenso die zweifache Silberne-Palme-Gewinnerin Andrea Arnold ("American Honey") wie auch Pedro Almodóvar ("Julieta"), Brillante Mendoza ("Ma'Rosa"), Park Chan-Wook ("Agassi") und Xavier Dolan ("Juste la fin du monde").

Nicolas Winding Refn, der Cannes 2011 mit "Drive" bezauberte, 2013 für "Only God Forgives" aber herzhaft ausgebuht wurde, darf mit dem Horrorfilm "Neon Demon" auf Wiedergutmachung hoffen.

Kristen Stewart, die 2014 mit Olivier Assayas' "Die Wolken von Sils Maria" ihren Kritiker-Durchbruch feierte und für ihre Rolle als erste Amerikanerin den französischen Filmpreis César als beste Nebendarstellerin gewann, wird auch im neuesten Film von Assayas, "Personal Shopper", zu sehen sein - diesmal allerdings in der Hauptrolle. Stewart spielt außerdem in Woody Allens "Café Society" mit, dem diesjährigen Eröffnungsfilm.

Das rumänische Kino, in Cannes traditionell stark vertreten, ist ebenfalls doppelt präsent: Cristian Mungiu kehrt mit "Bacalaureat" zurück. Er hat in Cannes bereits eine goldene und zwei silberne Palmen gewonnen. Sein Landsmann Cristi Puiu, der mit "Der Tod des Herrn Lazarescu" 2005 die Nebensektion "Un Certain Regard" gewann, ist erstmals mit seinem Film "Sieranevada" im Wettbewerb dabei.

Nachdem Jeff Nichols erst im Februar "Midnight Special" im Wettbewerb der Berlinale zeigte, ist er in Cannes bereits mit seinem nächsten Film dabei: "Loving", einem Drama über eine Schwarze (Ruth Negga) und einen Weißen (Joel Edgerton), die in den USA der Fünfzigerjahre zu Haft verurteilt werden, weil sie sich trauen lassen.

Und nicht zuletzt ist Jim Jarmusch gleich zweifach vertreten. Sein Porträt von Iggy Pop wird in der Reihe der "Midnight Sessions" laufen, während "Paterson" im Wettbewerb vertreten ist. Neben Nichols und Jarmusch ist Sean Penn mit "The Last Face" als dritter amerikanischer Regisseur eingeladen. Sonstige US-Produktionen, die traditionell für die große Stardichte auf dem roten Teppich in Cannes sorgen, laufen außerhalb des Wettbewerbs, so zum Beispiel "Nice Guys" von Shane Black mit Ryan Gosling und Russel Crowe oder "Money Monster" von Jodie Foster mit George Clooney.

Die Frauenquote, die man nicht nur auf der Berlinale im Blick hat, erfüllt der Wettbewerb wieder nur mäßig: Neben Ade und Arnold ist als einzige Frau die Französin Nicole Garcia ("Mal de Pierres") dabei. Paul Verhoevens "Elle", Kleber Mendonça Filhos "Aquarius", Bruno Dumonts "Ma Loute" sowie Alain Guiraudies "Rester vertical" vervollständigen den Wettbewerb.

An der Spitze der Jury steht dieses Jahr der "Mad Max"-Regisseur George Miller. Wer ihn bei der Kür der Palmengewinner unterstützt, wird erst kommende Woche bekannt gegeben. Die Filmfestspiele dauern vom 11. bis 22. Mai.

hpi



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