Wegen zwei Prozent Mehrwertsteuer: Hollywood wartet auf Millionen aus China

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Szene mit Robert Downey jr.: "Iron Man 3" spielte über 120 Millionen Dollar in China ein

Ja, auch in China locken die Superhelden und Actionszenen aus Hollywood die Massen in die Kinos. Doch ihren Anteil von den Ticketverkäufen bekommen die Studios derzeit offenbar nicht, China hält das Geld wegen eines Steuerstreits zurück - und bringt die US-Firmen in ein Dilemma.

Peking/Los Angeles - Wie für viele andere Branchen, so ist auch für die Unterhaltungsindustrie China der große Hoffnungsträger, der riesige Absatzmarkt, dessen Potential noch lange nicht ausgereizt ist. Und weil die großen mythischen Heldenfiguren des Blockbuster-Kinos ja sowieso auf eine möglichst universelle Wirkung abzielen, rechnen sich die großen Hollywood-Studios besonders große Chancen aus, auch in der Volksrepublik zu reüssieren.

Tatsächlich ist China inzwischen der zweitgrößte Kinomarkt der Welt (nach den USA) - und in der ersten Jahreshälfte 2013 waren zahlreiche Filme aus dem fernen Westen auf Platz eins der chinesischen Kinocharts: Von "Skyfall" über "Iron Man 3", "Star Trek - Into Darkness" und "Man Of Steel" bis zu dem zu Hause eher gefloppten Will-Smith-Vehikel "After Earth". Und der Titel eines der größten Filmhits aus heimischer Produktion, "Zhong Guo He Huo Ren", heißt übersetzt: Amerikanische Träume in China.

Doch derzeit sind es eher amerikanische Alpträume in China. Denn wie das Fachblatt "Hollywood Reporter" meldet, bekommen die US-Studios derzeit kein Geld aus China - und zwar schon seit Ende 2012.

Hintergrund ist ein Streit der staatlichen Verleih- und Produktionsfirma China Film Group mit den amerikanischen Firmen über eine Mehrwertsteuer in Höhe von zwei Prozent. Die Chinesen sagen, die Studios müssten die Steuer zahlen, während diese die Zusatzzahlung als einen Verstoß gegen eine Handelsvereinbarung ansehen, die der US-Vizepräsident Joe Biden und Chinas Staatschef Xi Jinping im vergangenen Jahr erreichten.

Millioneneinnahmen stehen noch aus

Die Filmstudios könnten nun versuchen, über ihre Lobbyorganisationen Einfluss auf die Obama-Regierung zu nehmen, damit diese wiederum Druck macht auf die staatlichen Stellen Chinas. Doch allzu großspurig wollen die Firmen nicht auftreten, denn Branchenkenner rechnen damit, dass der chinesische Markt schon in fünf Jahren der weltgrößte sein könnte. Und der Zugang zu diesem Markt ist kompliziert, mühsam und auf zwischenstaatlicher Ebene müssen Kontingente von ausländischen Filmen ausgehandelt werden.

Aber bei aller Konzentration auf zukünftige Profite - auf die Umsätze der Gegenwart will Hollywood natürlich auch nicht verzichten. Zumal es um viel Geld geht. Seit der Handelsvereinbarung von 2012 bekommen die Studios 25 Prozent der Einnahmen - zuvor waren es etwa 13 bis 17 Prozent. Nach "Hollywood Reporter"-Berechnungen warten Warner Bros. demnach auf über 31 Millionen Dollar (für Filme wie "Man Of Steel", "The Hobbit: An Unexpected Journey" und "Jack The Giant Slayer"); Sony bekäme etwa 23 Millionen für "Skyfall" und "After Earth"; Paramount ("Star Trek", "GI Joe", "Jack Reacher") rechnete mit um die 30 Millionen; und allein für "Iron Man 3" stünde die China Film Group bei Disney mit 30 Millionen Dollar in der Kreide.

Ein Insider äußerte sich dem Bericht zufolge optimistisch, dass noch im Sommer eine Lösung des Dilemmas gefunden werden könne. Andere Befragte waren davon allerdings gar nicht überzeugt.

feb

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insgesamt 10 Beiträge
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1. optional
mike1979 30.07.2013
Das mit "Iron Man 3" stimmt nicht ganz, der war nämlich eine Ko-Produktion mit einer chinesischen Firma, die ihn dann natürlich selbst in China ins Kino brachte. Er ist dort als quasi kein Import, sondern eine einheimische Produktion und die Abrechnung verläuft dann zwischen den Produktionsfirmen.
2. Laut Artikel soll doch Hollywood zahlen?
maikelmais 30.07.2013
Ich verstehe den Artikel nicht ganz. In der Überschrift heisst es, das Hollywood Millionen aus China erhalten soll. Im Artikel jedoch wird deutlich, das das chinesische Staatsunternehmen 2 Prozent Steuern für die Hollywood-Film-Einnahmen verlangt, was jedoch Hollywood nicht zahlen möchte. Kann mich jemand freundlicherweise aufklären?
3. @maikelmais:
mike1979 30.07.2013
Das steht auch nicht ordentlich im Artikel: Es gibt eine Auseinandersetzung über diese 2% Steuer, die laut einer Handelsvereinbarung nicht gezahlt werden soll, nun aber plötzlich erhoben wird. Wegen dieser Auseinandersetzung behält die China Film Group derzeit die gesamten Auszahlungen an die Studios zurück.
4.
wiesel 30.07.2013
Zitat von maikelmaisKann mich jemand freundlicherweise aufklären?
Das Geld wurde in China eingenommen. Jetzt will es Hollywood bei sich in den USA haben. Allerdings will von dem eingenommenem Geld China was haben weshalb das Geld in China zurückgehalten wird
5.
Jack_North 30.07.2013
Wenn ich es richtig verstehe, will China die Steuer einbehalten/ von den Zahlungen nach USA abziehen. Indirekt bedeutet das dann das effektiv die USA die Steuer "zahlen".
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