"Mein Führer": Massive Kritik an Levys Hitler-Satire

Seit Wochen wird über Dani Levys Hitler-Komödie "Mein Führer" debattiert, auch am Tag der Uraufführung hagelte es Kritik: Nicht nur der Zentralrat der Juden äußerte Bedenken, auch der Dramatiker Rolf Hochhuth bemängelte die "Verklärung" des Nazi-Diktators.

Essen/Frankfurt/Main - Hitler sei "kein putziger Räuber Hotzenplotz, kein tollpatschiger Clown" gewesen, sondern ein Massenmörder, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann. In dem Film mit Helge Schneider in der Hauptrolle werde bagatellisiert, verharmlost und verniedlicht, sagte Graumann dem Stadtmagazin "Journal Frankfurt". "Ich komme selbst aus einer Holocaust-Familie. Daher habe ich schlimme Bauchschmerzen, wenn man das Thema Hitler und Holocaust zur Komödie macht", sagte Graumann "Hier kann ich einfach nicht mitlachen, denn jedes Lachen würde mir sofort im Hals stecken bleiben."

Auch der Dramatiker Rolf Hochhuth ("Der Stellvertreter") kritisierte den Film, der am Donnerstag bundesweit mit 250 Kopien in die Kinos kommt. Er betreibe die "Verklärung" Hitlers und seiner Zeit. Es sei "unerklärlich, wie ein Mann, der selbst Jude ist, so eine Geschichtsfälschung ins Kino bringen kann", sagte Hochhuth über den Regisseur Dani Levy ("Alles auf Zucker!)", der aus einer jüdischen Familie stammt. Hochhuth selbst hat eine Tragikomödie über Hitler geschrieben, die kommenden Samstag (13.1.) unter dem Titel "Heil Hitler" in der Akademie der Künste in Berlin uraufgeführt wird. "Wenn zu einem Ereignis alles gesagt ist, muss man die komische Seite beleuchten", meinte Hochhuth zu seinem Theaterstück, das er als "groteske, ironische und humoristische Aufarbeitung von Geschichte" beschreibt.

Bereits im Vorfeld war das Konzept Levys heftig kritisiert worden, über Hitler eine Filmkomödie zu drehen. Als Argument wurde häufig die Gefahr, die Verbrechen der Nationalsozialisten womöglich zu verharmlosen, angeführt. So sagte die Initiatorin des Berliner Holocaust Mahnmals, Lea Rosh, Levys Film verniedliche das Grauen. Levy stammt selber aus einer jüdischen Familie.

Zur Uraufführung im Essener Traditionskino "Lichtburg" hatten zahlreiche deutsche Filmstars ihre Teilnahme angekündigt. Auf dem roten Teppich wurden neben Levy und Helge Schneider auch der Schauspieler und Regisseur Klaus Maria Brandauer sowie die Schauspieler Jan Josef Liefers, Ulrike Folkerts, Christiane Paul und Katja Riemann erwartet. Riemann spielt im Film die Rolle der Eva Braun.

Am kommenden Donnerstag werden Helge Schneider und Regisseur Levy mit dem TV-Entertainer Stefan Raab in seiner bei ProSieben ausgestrahlten Comedy-Show "TV total" über die Film-Satire sprechen.

hoc/dpa/ddp

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