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"Mein Führer": Schneider distanziert sich von Hitler-Film

Dani Levys Hitler-Satire "Mein Führer" ist noch nicht einmal in den Kinos, sorgt aber mit der Frage, ob man über den Nazi-Diktator lachen dürfe, bereits für Schlagzeilen. Jetzt distanzierte sich auch noch der Hauptdarsteller Helge Schneider deutlich von der Komödie.

Essen - Eine Woche vor der Premiere des Films "Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" will Hauptdarsteller Helge Schneider plötzlich nichts mehr von der Satire wissen. "Es geht nur noch darum, wie Hitler gesehen werden soll: Nämlich als Schwächling. Das ist mir zu profan", sagte der Komiker und Musiker der Schweizer Boulevardzeitung "Sonntagsblick". Er sei von dem Film nicht mehr überzeugt: "Jetzt gefällt mir der Film nicht mehr, weil er nichts mehr aufreißt." Er habe das Gefühl, er solle als einziger für den Film Reklame laufen.

Hitler-Darsteller Schneider: "Ich bin davon nicht mehr überzeugt"
DPA

Hitler-Darsteller Schneider: "Ich bin davon nicht mehr überzeugt"

Sein Vorwurf: Die Aussage der Geschichte sei im Nachhinein beim Schnitt verändert worden. Der Fokus, der ursprünglich auf Hitler gelegen habe, sei jetzt "mit aller Gewalt" auf die jüdische Geschichte gelegt worden. Schneider: "Hätte ich das gewusst, dann hätte ich vielleicht gar nicht mitgespielt."

Doch der Komiker holte in dem am 30. Dezember veröffentlichten Interview noch weiter aus: Die Geschichte sei ihm schon auf Grund des Drehbuchs "ein bisschen mau" vorgekommen. Er hätte sich "mehr Adolf Hitler" erwartet und gewünscht, "ihn ausführlicher zu zeigen und nicht so in kleine Szenen zu zerschnippeln, zu reduzieren." Er wolle "von dem Hitler-Quatsch nix mehr hören". Er sei froh, wieder "zu Hause zu sein auf der Bühne".

Die von Schneider kritisierte Neufassung des Films erklärte Regisseur Dani Levy gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit den Reaktionen bei einer Testvorführung der ursprünglichen Version: "Die Leute, es waren fast 400, waren entsetzt. Die hatten das Gefühl, Hitler sei die Stimme des Films."

Bei der Verleihfirma X Verleih ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Die Lage sehe mittlerweile ganz anders aus, sagte eine Pressesprecherin zu SPIEGEL ONLINE, "Helge Schneider wird auf der Premiere mit Freude dabei sein." Der Komiker sei in der Vorweihnachtszeit lediglich bedrückt gewesen, dass er nur nach seiner Hitler-Rolle und nicht nach seiner Tournee befragt wurde.

Produzent Stefan Arndt nahm die Kritik ebenfalls gelassen auf. "Da kommt in erster Linie auch der Schauspieler und Künstler durch, der vor allem sich selbst sehen will", sagte Arndt der dpa. Schneider sei bislang immer sein eigener Regisseur gewesen, da sei es sicher schwer, das Ergebnis der Arbeit einem anderen Regisseur überlassen zu müssen. "Helge hat aber eine so überragende Leistung als Schauspieler abgeliefert, dass wir ihm gar nicht böse sein können."

Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, die den Film mitfinanziert hat, steht weiterhin zu dem Werk. "Ich glaube dass jeder künstlerische Anlauf, die Figur Hitler zu verstehen, zulässig ist", sagte Geschäftsführer Michael Schmidt-Ospach. Die Komödie sorge auch für Beklemmung. "Man geht aus diesem Film sehr nachdenklich hinaus".

Trotz seiner Kritik an dem Film seien Regisseur Dani Levy und er weiterhin Freunde, sagte Schneider im Rundfunk Berlin-Brandenburg. "Man muss ja nicht einen Film, wo man mitgemacht hat, bloß aus irgendwelcher Loyalität dann supergut finden." Schlecht sei sein neuer Film sicher nicht. "Aber ich hab da nicht so einen Thrill erfahren. Tut mir leid, ich find den eben nicht so lustig."

hoc/dpa/AP

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