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"Men in Black II": Coolness, Kohle und ein kleiner Kläffer

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Die Fortsetzung des Kassenhits "Men in Black" will nicht mehr sein als perfektes Popcorn-Kino: Noch mehr Gags, noch mehr Aliens, noch mehr Product Placement - "MIIB" ist der vielleicht ehrlichste Film des Jahres.

Darsteller Smith und Jones als "Men In Black": Buddys in schwarzen Anzügen
DDP

Darsteller Smith und Jones als "Men In Black": Buddys in schwarzen Anzügen

So ein Quatsch: Coole Agenten in schwarzen Anzügen, die eine von der Öffentlichkeit unbemerkte Alien-Population auf der Erde mit schweren Waffen und scharfen Sprüchen unter Kontrolle hält? Unsinn, ja, aber enorm erfolgreich: "Men in Black", erdacht und inszeniert von dem ehemaligen Spielberg-Kameramann Barry Sonnenfeld auf Basis des gleichnamigen Comics, wurde zum Überraschungshit der Kinosaison 1997 - und verwies unter anderem Schwergewichte wie "Jurassic Park 2" und "Batman und Robin" auf die Plätze.

Das Rezept: Comedy-Rapper Will Smith und Action-Bärbeißer Tommy Lee Jones witzelten sich als Buddys in Schwarz durch einen Plot, der kaum der Rede wert war und lieferten sich amüsante Gag-Duelle mit haarsträubenden Alien-Kreaturen aus der Animatronik-Schmiede Rick Bakers. Den Rest des Films füllte Sonnenfeld mit rasanten Actionszenen und Gimmicks wie chromglänzenden Waffen und coolen Augengläsern - fertig war der Kassenerfolg, der neben einem Run auf Produkte eines gewissen Sonnenbrillenherstellers auch noch einen veritablen Hit in den Charts verbuchen konnte. 587 Millionen Dollar spielte "Men in Black" weltweit ein, das schrie geradezu nach einer Fortsetzung.

Agent Jay (W. Smith) und das so genannte "Blitzdings": Chromglänzende Waffen und coole Augengläser
Columbia TriStar Film GmbH

Agent Jay (W. Smith) und das so genannte "Blitzdings": Chromglänzende Waffen und coole Augengläser

Fünf Jahre später: "Men in Black 2", modisch kurz "MIIB" genannt, stellte den US-Einspielrekord seines Vorgängers am Startwochenende locker ein und schickt sich an, neben "Star Wars - Episode II" und "Spider-Man" einer der großen Blockbuster des Jahres zu werden. Das hätte man doch auch schon früher haben können? Stimmt, aber es dauerte eben fünf Jahre, bis sich alle Beteiligten über die horrenden Gagen- und Beteiligungsforderungen der Hauptdarsteller Smith und Jones beruhigt hatten. Abgesehen von den wahrscheinlich praller als je zuvor gefüllten Brieftaschen der beiden Schauspieler blieb jedoch fast alles beim Alten.

Das (nicht so neue) Rezept: Der mittlerweile Oscar-nominierte Smith ("Ali") witzelt sich zunächst alleine durch einen Plot, der wiederum nicht weiter wichtig ist, liefert sich dafür aber noch mehr amüsante Sprüche-Duelle mit noch mehr skurrilen Aliens. Warum ist Smith alias Agent Jay allein? Weil sich Partner Agent Kay (Jones) am Ende des ersten Teils mittels eines "Neuralyzers" das Gedächtnis löschen ließ, den schwarzen Anzug in Khaki-Shorts und kurzärmelige Hemden eintauschte und jetzt statt als cooler Alien-Aufpasser als muffeliger Postbeamter in einem kleinen Kaff werkelt.

Tolle Töle: Mops Frank stiehlt den Men In Black (fast) die Schau
Columbia TriStar Film GmbH

Tolle Töle: Mops Frank stiehlt den Men In Black (fast) die Schau

Also doch ein paar Worte zum Plot: Damit Jay und Kay nach einer knappen Stunde Film endlich wieder gemeinsam auf Alien-Jagd gehen können, bemühen sich die beiden Drehbuchautoren Robert Gordon ("Galaxy Quest") und Barry Fanaro ("The Crew") redlich, eine einigermaßen plausible Story auf die Beine zu stellen. Das niederträchtige Alien Serleena, eine unappetitliches Gewirr aus Tentakeln und Schleim, landet in New York auf der Suche nach dem "Licht von Zartha", einem irgendwo in der Stadt versteckten, metaphysischen Quell der Glückseligkeit, den es zu vernichten gilt, wenn man sich die Erdenbürger untertan machen will.

Serleena tarnt sich als Unterwäschemodel nach Vorlage eines "Victoria's Secret"-Katalogs, nimmt die Gestalt der sarkastisch-lasziven Lara Flynn Boyle ("Twin Peaks") an und folgt einer ersten Spur in einen Pizza-Laden. Dort muss der unschuldige Besitzer, selbstverständlich ein als Mensch getarnter Alien, dran glauben, was nicht nur die Men in Black in Gestalt von Agent Jay auf den Plan ruft, sondern auch die schöne Pizzaladenangestellte Laura (Rosario Dawson), die das Massaker mit ansehen muss.

Niederträchtiges Alien: Serleena schlüpt in die Gestalt eines Unterwäschemodels (Lara Flynn Boyle)
Columbia TriStar Film GmbH

Niederträchtiges Alien: Serleena schlüpt in die Gestalt eines Unterwäschemodels (Lara Flynn Boyle)

Während sich Jay unerlaubterweise in Laura verliebt, stellt sich schnell heraus, dass nur Agent Kay weiß, wo das "Licht von Zartha" versteckt sein könnte. Also muss er seinem zweifelhaften Idyll im Post-Office entrissen werden, damit die Men in Black das Artefakt vor Serleena bewahren können.

Möpse und Mercedesse: Da sich das dann doch alles ziemlich hanebüchen anhört, bedurfte es einer gehörigen Portion mehr Aliens und Gimmicks, um jeden etwaigen Argwohn des Zuschauers zu zerstreuen. Regisseur Sonnenfeld und Monster-Macher Baker fuhren folglich alles auf, was das Puppen- und Make-up-Department zu bieten hatte und erschufen eine Armada ulkiger Aliens, die Serleena zu willfährigen Handlangern geraten. Dazu gibt es Gastauftritte von Johnny Knoxville, dem Erfinder der Trash-Show "MTV Jackass", als doppelköpfige Alien-Dumpfbacke Scrad - und von Pop-Alien Michael Jackson, der den MIB-Agenten M mimen darf.

Um die Jones-lose Zeit zu überbrücken, bekommt Will Smith zudem den schon aus dem ersten Teil bekannten sprechenden Mops Frank zur Seite gestellt, der sich Sprüche klopfend, "I Will Survive"-singend und Zigarre rauchend zum dritten Hauptdarsteller mausert und mit seiner Omnipräsenz fast ein bisschen nervt. Offenbar fanden Sonnenfeld & Co. ihren - teils animierten, teils echten - Hund so lustig, dass sie ihm gleich überproportional viel Platz einräumten. Nicht so viel jedoch wie dem heimlichen Star von "MIIB", dem nagelneuen, schwarz glänzenden Mercedes E-500, der den alten Ford LTD des ersten Teils als Men-in-Black-Mobil abgelöst hat. Die Luxuskarosse aus Stuttgart ist beinahe öfter im Bild als Tommy Lee Jones und soll offenbar die Sonnenbrille als - ungleich teurerer - Merchandising-Artikel ablösen. Passend dazu gibt es zum Filmstart die Aktion "Sei so cool wie ein MIB-Agent", bei der man die Limousine schon mal Probe fahren darf, um so richtig auf den Geschmack zu kommen.

Aber machen wir uns nichts vor: Daran ist nichts verwerflich, denn "MIIB" macht überhaupt keinen Hehl daraus, ein Vehikel zu sein - für schnelle Gags, coole Tricks, lustige Kreaturen und teure Konsumgüter. Wer nichts als angenehm kurze 88 Minuten Popcorn-Kino will, bekommt hier einiges geboten und kann sich demnächst beide Teile als "Double Feature" am heimischen DVD-Player zu Gemüte führen, ohne dass es dabei zu ästhetischen Irritationen kommen dürfte. Denn "MIB" und "MIIB" ähneln einander, als wären die letzten fünf Jahre nie ins Land gezogen; Innovationen unerwünscht. Und da Will Smith sein neues Album verblüffend zeitgleich zum Filmstart veröffentlicht hat, gibt es sogar wieder einen passenden Soundtrack. So muss Hollywood sein, dann klappt's auch mit dem Umsatz.

"Men in Black II" ("MIIB"). USA 2002. Regie: Barry Sonnenfeld; Buch: Robert Gordon, Barry Fanaro; Darsteller: Will Smith, Tommy Lee Jones, Lara Flynn Boyle, Johnny Knoxville, Rip Torn, Rosario Dawson, Tony Shalhoub; Produktion: Amblin Entertainment, Columbia Pictures; Verleih: Columbia Tristar; Länge: 88 Min.; Start: 18. Juli 2002

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