Legendärer Kameramann Michael Ballhaus ist tot

Der Kameramann Michael Ballhaus, der schon mit Fassbinder und Scorsese drehte, ist verstorben. Er galt als visionärer Bilderneuerer, der mit seiner Kamera Filmgeschichte schrieb.


Er war einer der berühmtesten deutschen Kameramänner und arbeitete unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder, Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio. Wie seine Familie mitteilte, starb Michael Ballhaus in der Nacht vom 11. auf den 12. April.

Zu seinen größten Filmen zählen: "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972), "Die Ehe der Maria Braun" (1979), "Die fabelhaften Baker Boys" (1989), "Good Fellas" (1990), "Zeit der Unschuld" (1993) und "Gangs of New York" (2002).

Ballhaus wurde am 5. August 1935 in Berlin als Sohn des Schauspielerehepaars Oskar Ballhaus und Lena Hutter geboren. Er schloss eine Fotografenlehre ab und kam zum ersten Mal zum Film, als er als 18-Jähriger am Set von Max Ophüls' "Lola Montez" arbeitete. Seine Karriere als Kameramann begann er beim Südwestfunk und arbeitete seit den 1960er Jahren mit Rainer Werner Fassbinder, mit dem er insgesamt 15 Filme drehte. Auch mit anderen deutschen Filmregisseuren wie Rudolf Noelte, Peter Lilienthal und Volker Schlöndorff arbeite er zusammen. Später war Ballhaus auch in den USA erfolgreich und drehte dort zahlreiche Filme.

Musikvideos für Madonna und Prince

In den USA wurde der Regisseur John Sayles auf ihn aufmerksam und verpflichtete Ballhaus 1983 für seinen Film "Baby, It's You". Neben 30 Filmen in den USA drehte er auch Musikvideos für Madonna, Prince und Bruce Springsteen. 1984 traf er dann auf Martin Scorsese, für den er bei "After Hours" die Kamera führte. Ballhaus wurde danach zum Stammkameramann für Scorsese. Als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnete er die Zusammenarbeit mit Scorsese bei dessen 100-Millionen-Dollar-Produktion "Gangs of New York" mit Leonardo DiCaprio.

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15  Bilder
Michael Ballhaus: Mit der Kamera Filmgeschichte geschrieben

Ballhaus, der sich immer eher als "Director of Photography" verstand, ist auch für seine Technik der 360-Grad-Kamerafahrt bekannt, den "Ballhaus-Kreisel". Diese Technik wurde 1966 von Claude Lelouch erfunden, doch erst Ballhaus machte sie ab 1974 populär, als er sie erstmals in dem Film "Martha" anwendete.

Ballhaus war dreimal für den Oscar nominiert ("Broadcast News", "The Fabulous Baker Boys" und "Gangs of New York") und wurde zweimal in Folge von der Filmpresse Hollywoods zum "Kameramann des Jahres" gewählt. Neben zahlreichen weiteren Ehrungen erhielt er 2016 auch den Goldenen Ehrenbären der Berlinale für sein Lebenswerk.

Als Dozent arbeitete er an den Filmhochschulen in Hamburg, München, Ludwigsburg und Berlin. Im Jahr 2014 zog sich Ballhaus nach rund 130 Filmen für Kino und Fernsehen zurück und machte seinen grünen Star öffentlich. Für "3096 Tage", seinen letzten Film, stand er für seine zweite Frau Sherry Horman hinter der Kamera. In seiner Autobiographie "Bilder im Kopf. Die Geschichte meines Lebens" (2014), die er zusammen mit Claudius Seidl schrieb, blickte er auf sein Leben zurück.

Michael Ballhaus starb im Alter von 81 Jahren.



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