Nach Malaria-Erkrankung Regisseur Michael Glawogger ist tot

Für seine Filme über Arbeit und Ausbeutung in der globalisierten Welt wurde er gefeiert: Michael Glawogger gehörte zu den bekanntesten Dokumentarfilmern im deutschsprachigen Raum. Jetzt ist der Österreicher überraschend während Dreharbeiten in Afrika an Malaria gestorben.

Regisseur Michael Glawogger: Während Dreharbeiten in Afrika verstorben
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Regisseur Michael Glawogger: Während Dreharbeiten in Afrika verstorben


Wien/Berlin - Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger ist bei Dreharbeiten in Afrika an Malaria erkrankt und in der Nacht auf Mittwoch verstorben. Dies bestätigte eine Mitarbeiterin von Razor Film SPIEGEL ONLINE am Mittwoch. Gleichlautende Angaben machte eine Sprecherin von Lotus Film der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Beide Produktionsfirmen waren an Glawoggers letztem, unbetitelten Filmprojekt beteiligt, für das er in Afrika drehte.

Glawogger, 54, gehörte zu den bekanntesten und stimmgewaltigsten Dokumentarfilmern im deutschsprachigen Raum. In seinen opulent fotografierten Filmen, für die er oft Jahre lang recherchierte, verzichtete er darauf, herkömmlichen Moralvorstellungen zu entsprechen. "Ich brauche nicht zu bewerten, um Stellung zu beziehen. Ich muss nur das zeigen, was ich sehe", sagte er aus Anlass von "Whores' Glory", einem Dokumentarfilm über die Arbeitsbedingungen von Prostituierten in Bangladesch, Mexiko und Thailand. "Ich glaube, ein Film, der sich vornimmt, allen Zwischentönen eines Themas zu folgen, hat keine Zeit für die Einteilung in Gut und Böse, weil die ja auch nichts bringt."

Vor allem seine Filmtrilogie über die Globalisierung und ihre negativen Folgen, zu der "Megacities" (1998) und "Workingman's Death" (2005) gehörten, machten ihn über Österreich und Deutschland hinaus berühmt. Für den letzten Teil der Trilogie "Whores' Glory" wurde er bei den Filmfestspielen von Venedig 2011 mit dem Spezialpreis der Jury geehrt.

"Keine Wertung, kein Ziel"

Angefangen hatte Glawogger, der am San Francisco Art Institute und an der Wiener Filmakademie studiert hatte, als Regisseur von fiktionalen Stoffen. Ab 1984 drehte er zwölf Jahre lang Spiel- und Kurzfilme, bevor ihm mit "Megacities" der internationale Durchbruch gelang. Zu seinen bekannteren Spielfilmen zählen das Drama "Das Vaterspiel" (2009) nach dem Roman von Josef Haslinger und die schwarze Komödie "Slumming", die 2006 im Wettbewerb der Berlinale lief.

Für seine neueste dokumentarische Arbeit war Glawogger seit Dezember 2013 mit seinem Filmteam auf Weltreise. Dem Projekt wollte er bewusst keinen Namen und auch keinen Themenschwerpunkt geben: "Dieser Film soll ein Bild der Welt entstehen lassen, wie es nur gemacht werden kann, wenn man keinem Thema nachgeht, keine Wertung sucht und kein Ziel verfolgt. Wenn man sich von nichts treiben lässt außer der eigenen Neugier und Intuition", sagte Glawogger vor Antritt der Reise.

Nach Angaben der Produktionsfirmen war er zuletzt in Liberia unterwegs. Von dort aus soll er auf dem Weg nach Wien gewesen sein, als er verstarb. "Wir trauern um einen guten Freund und weltweit geschätzten Filmemacher, den wir für seinen Einsatz und Engagement gegen die Missstände auf dieser Welt sehr bewundert haben", heißt es in der Pressemitteilung von Razor Film.

hpi/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Herr Stein 23.04.2014
1. optional
Glawogger wer? Entschuldigung, aber den Namen habe ich noch nie gehört.
Quellenfiktion 23.04.2014
2. @ Herr Stein
nun ja, wen sollte es interessieren, dass Sie Glawogger nicht kennen? Schade um den Mann, einer der profiliertesten Dok-Film-Regisseure, knallhart zu sich selbst, knallhart in der Wahl seiner Sujets und in den Bildern. Ein Großer.
raber 23.04.2014
3. Malaria betrifft arm und reich in den Tropen
Wurde Herr Glawogger irgendwie behandelt oder sind die Symptome nicht erkannt worden? Diese Situationen könne leider zunehmen je mehr Tourismus in Malaria-gefährdeten Gebieten stattfindet und dies ist ein nicht unerheblicher Teil der Weltfläche. Manchmal ist es vielleicht sogar besser sich in den Ländern, die damit Erfahrung haben, behandeln zu lassen als sich in einem damit unerfahrenen Industrie-Land zu befassen; oft wird diese Krankheit dort nicht einmal erkannt. Leider investieren die grossen Pharma-Konzerne auch nicht in ein Medikament für diese (und andere) Tropenkrankheit da sie ja hauptsächlich in armen Ländern beheimatet ist und damit vom Preis her nicht genug Profit abwerfen würden. Der Krankheitserreger Moskito unterscheidet aber nicht zwischen arm und reich und deshalb sollten die Touristen sich auf jeden Fall davor schützen; auch diejenigen die während der Fussball-WM einen Abstecher in Tropengebieten geplant haben.
zorngibel 23.04.2014
4. @glawogger wer?
was wollen Sie damit mitteilen - die Überschrift informiert Sie doch über das "wer"?
deepfritz 23.04.2014
5.
Einfach nur jämmerlich dass es noch immer keinen anständigen Impfstoff gegen Malaria gibt. Aber wenigstens entwickeln wir alle 6 Monate ein neues Iphone...
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