Von Hannah Pilarczyk
"Soll ich SIE sein?", fragt Marilyn Monroe ihren Begleiter. Doch es ist nur eine rhetorische Frage, denn schon lehnt sie an einer Wand, Becken raus, Kopf nach hinten, Blick aufreizend zur Seite. Ihr kleines Publikum jubelt, denn mehr braucht es tatsächlich nicht, damit sie SIE ist - die berühmteste Frau der Welt, der größte Filmstar aller Zeiten.
Eigentlich passiert in "My Week with Marilyn" nicht viel mehr als in dieser kleinen Szene. Natürlich geht es auch um die schwierigen Dreharbeiten zu dem Film "The Prince and the Showgirl" mit Laurence Olivier, um Monroes zerrüttete Ehe mit Arthur Miller und um ihre mutmaßliche Affäre mit dem Produktionsassistenten Colin Clark, dessen autobiografisches Buch "My Week with Marilyn" die Vorlage bildet. Doch was den Film wirklich interessiert, sind die Momente, in denen Monroe eins wird mit ihrem öffentlichen Image, in denen sie ebenso beiläufig wie unentrinnbar verführt. Waren dies Momente des Glücks für sie? Oder Momente der Niederlage? Konnte sich Marilyn Monroe jemals selbst entkommen?
Kann man mit dieser Frau überhaupt professionell zusammenarbeiten?
Bereits zur ersten Leseprobe erscheint diese um Stunden verspätet, und als es an die ersten Zeilen des Drehbuchs geht, flüstert ihr Schauspiellehrerin Paula Strasberg (Zoe Wanamaker) ein, was in der Filmfigur vorgeht. Schnell macht sich Entsetzen bei Olivier breit: Kann man mit dieser Frau überhaupt professionell zusammenarbeiten? Auch 18 Wochen später, nach Ende der Dreharbeiten zu einer seichten Komödie, die, kaum erschienen, auch schon wieder in Vergessenheit geraten wird, wird er darauf keine Antwort wissen. Doch das ist nichts ungewöhnliches, denn wenn Marilyn eines stets erreicht, dann ist es, die Menschen mit ihren Wünschen und Projektionen letztlich immer auf sich selbst zurückzuwerfen.
Was wollen wir von einem Star? Das wunderbare Verdienst von "My Week with Marilyn" ist es, diese Frage nicht nur innerhalb des Films zu verhandeln - sondern auch mit dem Film selbst. Denn wenn man Michelle Williams dabei zusieht, wie sie Marilyn Monroe spielt, kommt man nicht umhin, sich mit dem Schauspielen an sich auseinanderzusetzen. Wann lassen wir uns von einem Star verführen? Wenn wir ihn auf der Höhe seines Könnens sehen? Oder in seinen privaten Momenten, wenn wir glauben, Einblick in seine Persönlichkeit zu haben?
TV-Regisseur und Produzent Simon Curtis, der mit "My Week with Marilyn" sein spätes Kinodebüt gibt, betont diese Metaebene zum Glück nicht zu sehr. Am Anfang fängt die Kamera ein paar Mal direkt die Blitzlichter der Fotografen ein, um die Dopplung des Blickes zu verdeutlichen. Doch die Film-im-Film-Szenen fühlen sich nie wie eine medienkritische Versuchsanordnung an, sondern erscheinen immer als Parcours der menschlichen Bedürfnisse. Jeder bringt hier seine persönlichen Nöte mit, nicht nur Marilyn Monroe, sondern auch Laurence Olivier. "Er ist ein großer Schauspieler und will ein Filmstar sein", erklärt Colin Marilyn ihren Konflikt mit Olivier. "Sie sind ein Filmstar und wollen eine große Schauspielerin sein."
Bei aller Gewitztheit von Buch und Regie obliegt es jedoch Michelle Williams, den Film zu tragen und ihm Wahrhaftigkeit zu verleihen. Das schafft sie glänzend. War sie bislang eher in Rollen wie "Meek's Cutoff" oder "Blue Valentine" als Frau zu sehen, die mit den Umständen zu kämpfen hat, spielt sie als Marilyn Monroe nun eine Frau, die vor allem mit sich selbst, ihren Verlust- und Versagensängsten ringt. Kein Lob und kein Begehren kann ihr die Liebe, die ihr in der Kindheit verwehrt war, ersetzen.
Dass deshalb alle Rettungsversuche, die die Männer um sie herum unternehmen, zum Scheitern verurteilt sind, ist tragisch - aber nur für die Männer. In seinem größten Moment deutet der Film nämlich an, dass Marilyn Monroe nie vor Marilyn Monroe geschützt werden wollte. Sie wollte dieses Leben, auch wenn sie letztlich daran scheiterte.
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