Zum Tode Mickey Rooneys Amerikas ewiger Kinderstar

Als Amerika in der Depression versank, war er ein Symbol der Hoffnung. Mickey Rooney wurde in der Stummfilmära zum Superstar mit der längsten Karriere Hollywoods. Zuletzt spielte der 93-Jährige in "Nachts im Museum 3" mit.

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"Wenn ich die Tür meines Kühlschranks aufmache und das Licht geht an, will ich sofort anfangen etwas aufzuführen." Diesen Witz erzählte Mickey Rooney immer wieder. Die schiere Dimension seiner 88 Jahre umspannenden Hollywood-Laufbahn ist nur schwer zu erfassen: 1939, als die Academy für ihn (und seine Altersgenossin Deanna Durbin) extra einen Kinder-Preis erfand, um ihn für seine "Verkörperung von Jugendlichkeit" auszuzeichnen, war Rooney 19 Jahre alt und hatte bereits eine Karriere als Kinderstar hinter sich.

Geboren wurde Joseph Yule Jr. 1920 in ärmlichen Verhältnissen in Brooklyn, New York. Den Ostküsten-Akzent hatte sich Rooney bis ins hohe Alter bewahrt. "Lookit", sagte er 2010 in einem Video-Interview für den "Hollywood Reporter" im breitesten Brooklyn-Slang, bevor er von seiner Kindheit erzählte: "Sehen Sie, das war so"; ein chinesischer Arzt habe den kleinen Joe bei einer Hausgeburt mit einem Klaps auf den Allerwertesten zur Welt gebracht. Die Eltern waren Schausteller im Vaudeville-Theater. Das Leben war hart, aber ein Gag immer zur Hand.

Derart geprägt, fiel es dem jungen Yule nicht schwer, als Kinderstar zu überzeugen, als seine Mutter sich 1925 von ihrem Ehemann trennte und mit dem kleinen Joe nach Los Angeles zog. Als ein schwarzhaariger Junge für die Rolle eines Lausbuben namens Mickey McGuire gesucht wurde, färbte Nell Yule, irischer Abstammung, ihrem sechsjährigen rotblonden Sohn mit Korkkohle die Haare und schickte ihn zum Casting. Er bekam die Rolle und spielte McGuire in 78 Kurzfilmen.

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Mickey Rooney gestorben: Ein Leben, acht Ehen, 200 Filme
Wie sehr Hollywood schon damals Traumfabrik war, zeigt sich daran, dass aus Joe Yule nicht nur auf der Leinwand Mickey McGuire wurde, sondern auch im echten Leben: Um einen Copyright-Prozess gegen den Erfinder der Comic-Reihe zu gewinnen, änderte Nell den Namen ihres Sohnes in Mickey McGuire. Das Studio verlor jedoch, so dass letztlich Mickey Rooney aus der Taufe gehoben wurde. "Das war damals so üblich. Leute änderten ihre Namen andauernd", scherzte Rooney 2010 im Interview mit dem "Hollywood Reporter" und nannte Hollywood eine "Fabrik". Das Attribut "Traum" ließ er weg.

Hoffnungssymbol der Depressions-Ära

Rooneys Vorteil, als die Stummfilmära sich dem Ende zuneigte: Er konnte singen, tanzen und war nicht auf den Mund gefallen. 1937 nahm ihn das aufstrebende Studio MGM für die Rolle des wilden Teenager-Sohnes eines Richters in "A Family Affair" unter Vertrag. Es war Rooneys Durchbruch in die Tonfilmära, allerdings nicht ins Erwachsenenalter. Die Serie von 12 Filmen, die er als Andy Hardy zwischen 1937 und 1946 spielte, zementierte den Ruf des nur 1,60 Meter großen Schauspielers mit dem pausbäckigen Lächeln als ewiger Lausbube.

Der vor Energie, Kraft und kindlichem Optimismus nur so strotzende Rooney war ein Hoffnungssymbol der Depressions-Ära, als Amerika moralisch und wirtschaftlich am Boden lag. Vor allem die "Family Affair"-Filme transportierten das Wohlfühl-Image einer chaotischen, aber heilen Welt, denn Andy Hardy war zwar ein Racker, aber im Kern ein braver Bursche.

Rooney war eine Art personifiziertes Versprechen, dass die Zukunft in guten Händen lag. Einen ähnlichen Part, den des jugendlichen Delinquenten, der auf den rechten Weg gebracht werden muss, spielte er 1938 an der Seite Spencer Tracys in dem Film "Boys Town", was ihm den Spezial-Oscar sowie eine Titelgeschichte im "Time"-Magazin bescherte. Die Leute auf der Straße begannen, ihre eigenen Gören "Rooney" zu nennen.

Doch das frühe Leben im Rampenlicht forderte von Rooney seinen Tribut, so wie es auch heute ehemalige Kinderstars wie Britney Spears oder Justin Bieber erleben: Während seine Filme eine intakte Welt vorgaukelten, blieb es in Rooneys Privatleben stürmisch. Acht Ehen, darunter mit dem begehrten Hollywoodstar Ava Gardner. Die Ermordung seiner fünften Ehefrau Barbara Ann Thompson stürzte ihn Ende der Sechziger in Depressionen, Alkohol- und Drogensucht. Mehrere Male stand er kurz vor dem Bankrott.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Rooney fast zwei Jahre als Soldat diente und für seine Truppenbespaßung eine Auszeichnung erhielt, versuchte Rooney immer wieder, sich von seinem Image zu befreien; etwa als kurzsichtiger, zwielichtiger Nachbar Mr. Yunioshi in der Truman-Capote-Verfilmung "Frühstück bei Tiffany's" (1961), eine Rolle, die Rooney gehasst hat, wie er später einmal sagte.

Das ernste Fach lag dem gelernten Schausteller nicht, seine Leidenschaft blieb stets die leichte Unterhaltung. Insgesamt spielte Rooney in mehr als 200 Filmen mit. 1983 erhielt er den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Bei der Verleihung reflektierte er sein turbulentes Leben mit berührender Schwermut : "Mit 19 war ich, für zwei Jahre, der Nummer-eins-Star der Welt. Als ich 40 war, wollte mich niemand mehr haben."

Doch aufzugeben kam für Rooney nie in Frage. Und die Unterhaltungsindustrie, zu deren ersten Celebrity-Geschöpfen er gehörte, fing ihn immer wieder auf. Seine Karriere, 1926 begonnen, 2014 beendet, ist die längste in der Geschichte Hollywoods. Kurz vor seinem Tod arbeitete Rooney noch an einer Neuverfilmung der Geschichte um Dr. Jekyll und Mr. Hyde, zudem stand er für die Komödie "Nachts im Museum 3" vor der Kamera.

Mickey Rooney starb am Sonntag im Alter von 93 Jahren im Kreise von Familienangehörigen in seinem Haus in Nord-Hollywood, Los Angeles.

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astelgraaf 07.04.2014
1. Sagen wir doch die Wahrheit...
Mickey hat in fast allen dämlichsten Hollywood Streifenm mitgemacht, bis zum Schluß : denn dämlicher als "Nachts im Museum 3" geht garnicht...
sound67 07.04.2014
2. Unqualifizierter Kommentar von
Warum meinen Sie sich äußern zu müssen, wenn Sie von Kinogeschichte doch ganz offensichtlich nicht die leiseste(!) Ahnung haben: Mickey Rooney war einer der letzten Überlebenden des "Golden Age" in Hollywood und hat in zahlreichen Klassikern der 30er und 40er Jahre gespielt. Das sollte ein Unbedarfter wie Sie kaum in Abrede stellen können.
Sam_Dicamillo 07.04.2014
3.
Er konnte fantastisch steppen, singen, Schlagzeug spielen, und die verschiedensten Rollen spielen, mit anderen worten , er hatte mehr Talent als alle zusammen, die jetzt, trotz offentsichtlicher Talentlosigkeit, von den ahnunglosen Produzenten gepushed werden.
okettmann 07.04.2014
4. Leider vom Ende her gedacht
Mickey Rooney auf "Nachts im Museum 3" zu reduzieren, ist ein wenig dünn. In "Boys Town" verkörpert er im besten Sinne das "Goldene Zeitalter" Hollywoods - sozialkritisch, perfekt unterhaltend und mit Spencer Tracy zusammen ein großartige Schauspielleistung.
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