Regisseur von "Einer flog über das Kuckucksnest" Milos Forman ist tot

Er hat Regie bei den preisgekrönten Filmen "Einer flog über das Kuckucksnest" und "Amadeus" geführt. Nun ist Oscar-Preisträger Milos Forman im Alter von 86 Jahren gestorben.

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"Sein Weggang war ruhig, und er war die ganze Zeit von seiner Familie und seinen Nächsten umgeben": Der tschechisch-amerikanische Oscar-Preisträger Milos Forman ist tot. Seine Ehefrau Martina sagte der tschechischen Nachrichtenagentur CTK am Samstag, der Regisseur sei am Freitag im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben.

Forman wurde am 18. Februar 1932 in Mittelböhmen als jüngster Sohn eines jüdischen Lehrers geboren. Der Vater starb im Jahr 1944 im Konzentrationslager Buchenwald, seine Mutter wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Forman und seine zwei Brüder wurden von Verwandten und Freunden der Eltern aufgezogen, bevor er nach Kriegsende in ein Waiseninternat kam.

Mitte der Fünfzigerjahre war Forman in Prag als Filmdramaturg beim tschechoslowakischen Fernsehen beschäftigt. Auch als Schauspieler war er in dieser Zeit zu sehen. Ab 1963 begann Forman eigenständig als Regisseur zu arbeiten.

Im gleichen Jahr gab er mit "Der schwarze Peter" über einen 16-jährigen Lehrling sein Debüt als Spielfilmregisseur. Schnell etablierte er sich mit satirischen Filmkomödien und wurde zum Chronist tschechischen Kleinbürgerlebens.

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Milos Forman: Der Schöpfer subversiver Helden

Ende der Sechzigerjahre machte er international auf sich aufmerksam und erhielt verschiedene Angebote aus den USA. Nachdem sowjetische Panzer 1968 den Prager Frühling niederwälzten, emigrierte Forman in die USA. Sein Psychodrama "Einer flog über das Kuckucksnest" gewann 1976 fünf Oscars, darunter für Regie, Hauptdarsteller Jack Nicholson und als bester Film.

Mit der Mozart-Biografie "Amadeus" (1984) besiegelt Forman seinen Erfolg in Hollywood. Der Film, der das Musik-Genie in einem neuen, nicht nur freundlichen Licht zeigt, erhielt acht Oscars, auch für die beste Regie.

Als Forman vor mehr als 40 Jahren mit seinem ersten Oscar in der Hand seiner Wahlheimat, den USA, für die Auszeichnung dankte, war der tschechische Akzent noch deutlich zu hören. "Amerika ist immer noch ein wunderbares, gastfreundliches und offenes Land", schwärmte der Regisseur vor versammelter Hollywood-Prominenz.

Er zeigte die Kehrseiten der Figuren

Forman ging kontroverse Stoffe mutig an und führte häufig die Kehrseiten seiner Figuren vor. Reine Filmbiografien seien meistens "ziemlich langweilig", sagte er 2006 beim Kinostart von "Goyas Geister" der Nachrichtenagentur dpa. "Da muss immer noch etwas anderes in der Geschichte stecken."

Bei "Amadeus" war das der Konflikt zwischen den Musik-Rivalen Salieri und Mozart. Mit "Kuckucksnest" entfachte er eine Debatte über den Umgang mit psychisch kranken Menschen. "Larry Flint - Die nackte Wahrheit", die Geschichte des erfolgreichen US-Verlegers des Pornoblattes "Hustler", löste eine heftige Diskussion um dessen Rolle als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit aus. Bei der Berlinale 1997 gab es dafür den Goldenen Bären.

Im Jahr 2012 trat Forman sogar noch einmal vor der Kamera auf. An der Seite von Catherine Deneuve und ihrer Tochter Chiara Mastroianni trat er in der französischen Musikromanze "Les Bien-Aimés" ("Die Liebenden - von der Last glücklich zu sein") auf. Der Film spielt in Paris, Prag, London und den USA.

"Größter Filmemacher dieses Landes"

Der tschechische Regierungschef Andrej Babis würdigte Milos Forman als "markanteste wie auch erfolgreichste Persönlichkeit" des Films seines Landes. Die Nachricht vom Tod des 86-Jährigen habe ihn sehr betroffen gemacht, teilte der liberal-populistische Politiker am Samstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Wie wohl jeder", so Babis, schätze er Filme wie "Amadeus" und "Der Feuerwehrball".

Der tschechische Filmregisseur Jan Hrebejk ("Wir müssen zusammenhalten") beschrieb Forman in einer Reaktion als "größten Filmemacher, den dieses Land je hatte, und einen der größten, den die Welt je hatte". Kulturminister Ilja Smid sagte der Nachrichtenagentur CTK, Forman habe die Absurditäten, die Farbigkeit und die Schönheit des menschlichen Zusammenlebens meisterhaft eingefangen.

Forman, der zweimal Vater von Zwillingssöhnen war, lebte zuletzt mit seiner dritten Ehefrau und den jüngeren, 1998 geborenen Söhnen im US-Staat Connecticut. Der letzte Abschied werde im engen Familienkreis stattfinden, sagte die Ehefrau.

kha/dpa/AFP



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