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"Muppets Most Wanted": Gala mit Gaga

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Mensch oder Muppet? Egal! Im neuen Kinospaß "Muppets Most Wanted" haben Gaststars wie Tina Fey oder Lady Gaga große Auftritte - aber auch die Filzpuppen: Kermit bekommt es mit einem kriminellen Doppelgänger zu tun.

In einer kleinen, beiläufigen Szene der originalen "Muppet Show" aus den Siebzigern suchte der stets gestresste Kermit einmal vergeblich die aus einer schmucklosen Blechkasse verschwundenen Gagen seiner Mitarbeiter. Auf die Frage seines hyperaktiven Assistenten Scooter, um wieviel Geld es denn eigentlich ginge, nannte Kermit einen absurd krummen Betrag um die zwanzig Dollar. Der mäßige Scherz offenbarte nachgerade rührend das Selbstverständnis des Puppenensembles sowie das Geheimnis ihrer anhaltenden Beliebtheit: Diesen Job macht niemand wegen des Geldes. Sondern aus Liebe.

Das gilt im Wesentlichen auch für "Muppets Most Wanted", mit dem an das erfolgreiche Kino-Comeback der flauschigen Showtruppe aus dem Jahr 2011 angeknüpft werden soll. Neben Regisseur James Bobin, der diesmal zusammen mit Nicholas Stoller das Drehbuch verfasste, ist auch der Oscar-prämierte Songwriter Bret McKenzie für das Sequel zurückgekehrt.

Allein Jason Segel, menschlicher Hauptdarsteller und Co-Autor von "The Muppets", verzichtete auf eine Reprise. Und wenn der Fortsetzung etwas fehlt, dann vielleicht tatsächlich Segels ungehemmter Enthusiasmus, der dem Vorläufer über einige erzählerische Durststrecken hinweghalf. Die gibt es auch hier, wie im Grunde alle Kinoausflüge der Muppets unter dem Zwang litten, einen abendfüllenden Plot beibringen zu müssen. Denn das natürliche Format der Puppen ist und bleibt die halbstündige Nummernrevue.

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"Muppets Most Wanted": Puppenjagd in Paris

Von Lady Gaga bis Christoph Waltz

Da es aber nun mal einer Geschichte bedarf, behelfen sich Bobin und Stoller mit den Konventionen der Kriminalkomödie: Nach der zuletzt zelebrierten Wiedervereinigung und Rettung ihres Varieté-Unternehmens lassen sich Kermit und seine Kollegen mit dem windigen Manager Dominic Badguy (Ricky Gervais) ein. Der überredet die arglosen Muppets zu einer Tournee durch Europas Metropolen, die Badguy und seinem Boss Constantine jedoch lediglich als Tarnung für gewagte Museumsraubzüge dienen soll.

Denn zu allem Überfluss ist der gerade aus einem russischen Gulag entflohene Constantine ein - abgesehen von einem prominenten Muttermal - haargenauer Doppelgänger Kermits. Unbemerkt von Miss Piggy, Fozzie, Gonzo und Co. übernimmt Constantine die Rolle des Cheffroschs, während Kermit statt seiner inhaftiert wird, und damit in der fragwürdigen Obhut der ebenso rigorosen wie theaterbegeisterten Gefängniswärterin Nadya (Tina Fey) landet.

Die turbulente Rundreise samt mild-amüsanter Einbrecherposse und Musikeinlagen bietet natürlich reichlich Gelegenheit für prominente Gastauftritte. Von Lady Gaga über "Sean Diddy" Combs bis zu Christoph Waltz halten etliche Stars ihr Gesicht in die Kamera, jedoch sind sie so schnell im Bild aufgetaucht und wieder verschwunden wie einst die berüchtigten Bumerang-Fische von Muppet-Zirkusartist Lew Zealand. Das ist bedauerlich, denn das einzigartige Zusammenspiel von menschlichen und textilen Showgrößen war schließlich das bezaubernde Kerngeschäft der "Muppet Show". Wer könnte etwa das Trommelduell zwischen Harry Belafonte und dem entfesselten Animal vergessen? Oder die Episode, als Kermit zusammen mit einer entzückend planlosen Debbie Harry "The Rainbow Connection" sang?

Diese besondere Chemie findet sich gottlob abseits der etwas bemühten Rififi-Kolportage in den Szenen zwischen Kermit und seiner manischen Bewacherin/Bewunderin Nadya wieder. Das scheint nur logisch, schließlich hat Tina Fey in ihrer Erfolgsserie "30 Rock" - in der sie als Chefautorin Liz Lemon die vogelwilden Egos einer Fernsehproduktion bändigen musste - im Prinzip das mediensatirische Meta-Puppentheater Jim Hensons fortgesetzt. So haben die Figuren Liz Lemon und Kermit auch frappierend viel gemein: Beide leben für die Show, finden keine befriedigende Balance zwischen Arbeit und Privatleben, sind romantisch frustriert und bekommen viel zu wenig Anerkennung für ihr aufopferungsvolles Engagement.

Gebt dem Frosch eine Chance!

Ebenfalls nicht von ungefähr kamen in den Siebzigern die "Muppet Show" und das stilbildende Comedy-Programm "Saturday Night Live" in dichter Folge auf die Bildschirme. Beide Formate konnten das Showgeschäft zugleich feiern und parodieren und modernisierten nebenbei die Vaudeville-Tradition für das Fernsehpublikum.

Mensch oder Muppet, diese Frage verliert in der Unterhaltungsindustrie ohnehin mehr als irgendwo sonst an Trennschärfe. Auch deshalb erkennen sich reale Stars vielleicht so gerne in den anarchischen, herzensguten Puppen wieder und schätzen ihre Gesellschaft. Halten sie doch die tröstliche Vorstellung aufrecht, es gäbe wirklich so etwas wie eine Showbiz-Familie, die durch mehr zusammengehalten wird als allein kommerzielles Interesse.

Als immerjunge Entertainer der alten Schule, die für einen Lacher weite Wege gehen, halten die Muppets so ein naives, gleichwohl unwiderstehliches Unterhaltungsideal aufrecht. Darum konnten sie zur globalen Marke aufsteigen, ohne dass dieser Umstand ihnen zum Vorwurf gemacht würde.

Die Muppets sind die seltene Erfolgsgeschichte ohne Neider. Und so lange wir anstandslos akzeptieren, dass ein Filzfrosch und ein frankophiles Schwein das größte - indes immer noch auf Erfüllung wartende - Liebespaar sind, wird sie weitergehen. Den neuen Film sieht man daher am besten als etwas lang geratenes Bewerbungsvideo. Denn was die Muppets wirklich brauchen, ist nicht die große Leinwand, sondern die kleine Fernsehbühne.

Also gebt dem Frosch eine Chance. Und eine neue Show.

Muppets Most Wanted

USA 2014

Regie: James Bobin

Buch: James Bobin, Nicholas Stoller

Darsteller: Rick Gervais, Tina Fey, Ty Burrell

Produktion: Walt Disney Pictures

Verleih: Walt Disney Germany

Länge: 108 Minuten

Start: 1. Mai 2014

FSK: o. A.

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
staubtuch 02.05.2014
Kein Wort in dem Kommentar über die Darstellung des Gulags als Showbühne. Betroffenen, die in einem Gulag waren, dürfte das nicht besonders lustig vorkommen. Insgesamt ist der Kommentar von SPON nichtssagend.
2. optional
tel33 04.05.2014
Der Film an sich ist einigermaßen amüsant - Le muppets eben.. Aber wer auch immer das Drehbuch verzapft hat, muss entweder ein politisch völlig unbedarfter Einfaltspinsel sein, oder ganz tief in einer Zeitschleife gefangen sein... Das ganze Thema 'böser russischer Gulag' und so diverse andere Einspieler (etwa der Ausflug an einen schmuddeligen Kanal in 'Ostberlin' samt 50er Jahre Statisten) hinterlässt schon einen etwas schalen Beigeschmack und hätte garnicht sein müssen.
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