Nach Lehrerinnenmord Kinofilm "Tötet Mrs. Tingle!" scharf kritisiert

Nach dem Mord an einer Lehrerin wird dem Filmverleih Kinowelt der Titel einer Schulkomödie zum Verhängnis. In den USA war der Film wegen des Schulmassakers von Littleton umbenannt worden, in Deutschland hielt der Verleih das für unnötig.


Helen Mirren als Geschichtslehrerin Tingle und Katie Holmes als Schülerin Leigh Ann Watson in "Tötet Mrs. Tingle!"
DPA

Helen Mirren als Geschichtslehrerin Tingle und Katie Holmes als Schülerin Leigh Ann Watson in "Tötet Mrs. Tingle!"

In Zeiten von Oliver Stones "Natural Born Killers" wurde die Gewalt der Bilder angeprangert. Inzwischen verurteilen manche Kritiker bereits die Gewalt der Filmtitel und beziehen diese auf Verbrechen im wahren Leben. Nach dem ein Meißener Schüler seine Lehrerin erstach, muss sich der Filmverleih Kinowelt für den am Donnerstag anlaufenden Film "Tötet Mrs.Tingle!" rechtfertigen. In den USA wurde der Titel nach dem Schulmassaker in Littleton von "Killing Mrs. Tingle" in "Teaching Mrs.Tingle" umbenannt. In Deutschland hielt der Verleih dies nicht für nötig. "Wir haben uns nicht groß etwas dabei gedacht, als wir den ursprünglichen Titel einfach übersetzten. Der US-Verleih musste ihn wegen Littleton ändern. Aber das ist ein amerikanisches Problem. Keiner konnte ahnen, dass es zwei Tage vor Filmstart auch bei uns zu so einer Bluttat kommt", sagt Caroline Daube aus der Marketing-Abteilung von Kinowelt zu SPIEGEL ONLINE.

"Tötet Mrs. Tingle!" behandelt eine schwierige Beziehung zwischen Schülern und ihrer Geschichtslehrerin, die ungewollt eskaliert. "In dem Film sieht man keine einzige Bluttat", sagt Caroline Daube. Der Verleih kündigt den Film sogar als liebenswerte Komödie an. Deshalb gebe es auch keinen Grund, den Film aus dem Programm zu nehmen. Der Verleih reagiert dennoch: Die Kinos wurden gebeten die Plakate mit dem Titel des Films abzuhängen und auf alternative Plakate mit der Aufschrift "Rettet Mrs. Tingle" zurückzugreifen.



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