Cannes - Die Strafe für seine Sympathiebekundung für Adolf Hitler folgte nur einen Tag nach dem Eklat: Der dänische Regisseur Lars von Trier muss das Filmfestival von Cannes sofort verlassen.
"Die Festivalleitung bedauert zutiefst, dass dieses Forum von Lars von Trier dazu benutzt wurde, um Kommentare abzugeben, die nicht akzeptabel und untolerierbar sind. Sie stehen im Widerspruch zu den Idealen der Menschlichkeit und Großzügigkeit, die dieses Festival auszeichnen", begründete das Festival den Rauswurf von Triers.
Der 55-jährige Filmemacher hatte am Mittwoch auf der Pressekonferenz zu seinem Wettbewerbsbeitrag "Melancholia" mit Hitler-freundlichen Äußerungen für einen Eklat gesorgt. "Natürlich, er hat falsche Dinge getan, aber ich kann ihn auch sehen, wie er da am Ende in seinem Bunker hockt. Ich glaube, ich verstehe den Mann. Er ist nicht unbedingt das, was man einen guten Kerl nennt. Aber ich verstehe vieles an ihm und kann mich sogar ein bisschen in ihn einfühlen."
"Die Festivalleitung verurteilt diese Kommentare auf das Schärfste und erklärt Lars von Trier mit sofortiger Wirkung zur unerwünschten Person auf dem Festival von Cannes", hieß es nun in einer Erklärung, die am Donnerstagmittag verbreitet wurde. "Das Festival bietet Künstlern aus aller Welt die außergewöhnliche Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren und die Freiheit der Meinungsäußerung und der Kunst zu verteidigen." Von Trier habe diese Freiheiten missbraucht.
Von Triers Film "Melancholia" bleibt im Wettbewerb
Aus dem Statement ließ sich zunächst nicht entnehmen, ob mit dem Regisseur auch von Triers Wettbewerbsbeitrag "Melancholia" vom Festival verbannt wird. Eine Sprecherin der Festivalleitung sagte jedoch, der Film würde im Rennen um die Goldene Palme bleiben, die am Sonntag für das beste Werk des Festivals verliehen wird. In einem Pressegespräch erklärte Festivalpräsident Gilles Jacob später, der Ausschluss von Triers gelte nur für das Jahr 2011.
Der Regisseur selbst hat für seine Äußerungen mittlerweile um Verzeihung gebeten. "Das war total schwachsinnig", sagte von Trier am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Cannes. "Natürlich sympathisiere ich nicht mit Hitler. Ich mag ein Schwein sein, aber ein Nazi bin ich nicht."
Die Festivalsprecherin sagte, sie wisse nicht, ob es einen solchen Hinauswurf in der Geschichte des Festivals schon einmal gegeben habe. Auch sei es unsicher, ob von Trier in Zukunft jemals wieder eine Einladung nach Cannes erhalten werde.
"Ich bin weder ein Antisemit noch ein Rassist noch ein Nazi"
Von Trier selbst hatte nach dem Eklat versucht, seine Äußerungen zu relativieren. Sie seien scherzhaft gemeint gewesen und nur die Antwort auf eine "Provokation" - gemeint sind offenbar die bohrenden Nachfragen von Journalisten. "Entertainment Weekly" zitierte den Regisseur mit folgendem Wortlaut: "Falls ich jemanden mit meinen Worten heute morgen auf der Pressekonferenz verletzt haben sollte, entschuldige ich mich aufrichtig dafür. Ich bin weder ein Antisemit noch ein Rassist noch ein Nazi."
Von Triers Verbalausfall hatte begonnen, nachdem er von einem Journalisten zu früheren Äußerungen befragt wurde, in denen der Regisseur ein Interesse an Nazi-Ästhetik bekundet hatte. Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz fügte von Trier dann hinzu: "Ich bin nicht für den Zweiten Weltkrieg, und ich bin nicht gegen Juden. Ich bin sogar sehr für die Juden. Oder nein, so doll nun auch wieder nicht. Schließlich geht einem Israel wirklich auf die Nerven." Am Ende schien er selbst nicht mehr so recht zufrieden zu sein mit dem Gesagten: "Wie komme ich jetzt bloß aus diesem Satz wieder raus?"
Später sagte der Däne dann noch trotzig: "Okay, ich bin ein Nazi." Seiner Hauptdarstellerin neben ihm, Kirsten Dunst, war während seiner Ansprache schon das Lächeln vergangen. Am Ende der Pressekonferenz soll von Trier dann noch von der "Endlösung für Journalisten" gemurmelt haben.
Für den amerikanischen Filmbetrieb dürfte von Trier nun endgültig untragbar sein. Das US-Branchenblatt "Hollywood Reporter" schrieb bereits vor dem Cannes-Hinauswurf, der Däne habe einen "Mel Gibson gemacht", was sich auf die antisemitischen Ausfälle des Schauspielers im Jahr 2006 bezieht.
kuz/AP/Reuters
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