National Board of Review "Mystic River" gewinnt ersten US-Filmpreis der Saison

Die amerikanische Awards-Saison ist eröffnet. Bis zur Oscar-Verleihung im Februar vergeben nun Kritiker, Regisseure, Schauspieler und Drehbuchautoren ihre Preise für die besten Filme des Jahres. Die akademische Organisation National Board of Review ernannte Clint Eastwoods "Mystic River" zu ihrem Favoriten.


New York - Natürlich geht es bei allen kleinen und großen Preisen, die ab jetzt bis Februar verliehen werden, nur um eine Frage: Was bedeutet es für die Oscars? Die gemeinnützige Organisation National Board of Review (NBR), ein Zusammenschluss aus Studenten, Lehrer, Historikern und Filmschaffenden, der im Januar sein 95-jähriges Bestehen feiert, hat am Mittwoch die amerikanische Awards-Saison eröffnet.

Zum besten Film des Jahres wählte das NBR Clint Eastwoods Freundschaftsdrama "Mystic River", Hauptdarsteller Sean Penn wurde zum besten Schauspieler gekürt. Diane Keaton wurde zur besten Darstellerin für ihre Rolle in der Komödie "Something's Gotta Give" ernannt.

Die zehn besten Filme, die von der NBR genannt wurden, sind neben "Mystic River":

- das Action-Spektakel "The Last Samurai" von Edward Zwick mit Tom Cruise
- die Komödie "The Station Agent" von Thomas McCarthy
- das Drama "21 Grams" von Alejandro González Iñárritu, mit Sean Penn und Naomi Watts
- die Romanverfilmung "House Of Sand And Fog" von Vadim Perelman, mit Jennifer Connelly und Ben Kingsley
- Sofia Coppolas "Lost In Translation" mit Bill Murray und Scarlett Johansson
- die Charles-Frazier-Adaption "Cold Mountain" von Anthony Minghella, mit Nicole Kidman und Jude Law
- Jim Sheridans Einwanderer-Drama "In America"
- die Rennpferdeoper "Seabiscuit" von Gary Ross, mit Jeff Bridges und Tobey Maguire
- und Peter Weirs Seespektakel "Master and Commander" mit Russell Crowe und Paul Bettany


Neunziger-Jahre-Star Alec Baldwin wurde für seine Rolle in der romantischen Komödie "The Cooler" zum besten Nebendarsteller ernannt, Patricia Clarkson gilt dem NBR als beste Nebendarstellerin für ihre Rollen in "Pieces Of April" und "The Station Agent". Als bester Regisseur wurde Edward Zwick für "The Last Samurai" genannt. Zum besten ausländischen Film wurde "Die Invasion der Barbaren" des französisch-kanadischen Regisseurs Denys Arcand gewählt.

Ob diese erste Preisträger-Liste nun tatsächlich Aussagekraft für die Oscar-Verleihung hat, steht in den Sternen. "Jedes Jahr sind wir die ersten, die ihre Preise vergeben. Wir stimmen immer nur für diejenigen, die wir mögen", erklärte NBR-Sprecherin Megan Henry Pilla gegenüber Reuters. "Wir hören sehr oft von Schauspielern, die den Oscar gewinnen und uns sagen, sie hätten gewonnen, weil wir sie frühzeitig erwähnt hätten".

Mal klappt es, meistens jedoch nicht. Das National Board of Review ist dennoch stolz auf sein Gespür und seine Unabhängigkeit. 1941 wählte das NBR Orson Welles' "Citizen Kane" zum besten Film, den Oscar gewann das Meisterwerk jedoch nur für das beste Drehbuch. Im vergangenen Jahr stimmte die NBR-Liste nur in einer Kategorie mit den Oscar-Preisträgern überein: Chris Cooper gewann als bester Nebendarsteller in "Adaptation". Auch im Jahr davor nahm das NBR den besten Nebendarsteller bei den Oscars vorweg: Jim Broadbent in "Iris". Wenn aller guten Dinge wirklich drei sind, dann darf sich im Februar also Alec Baldwin für einen Oscar-Gewinn rüsten. Wer weiß, wer weiß?



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