Netflix-Quartalszahlen Millionenverluste durch Spacey-Skandal

Als Vorwürfe laut wurden, Kevin Spacey habe zahlreiche junge Männer belästigt, kappte Netflix alle Verbindungen zu dem "House of Cards"-Star. Was dieser Schritt gekostet hat, legt nun der Quartalsbericht nahe.

Kevin Spacey
AP

Kevin Spacey


Die Zahlen, die der Streamingdienst Netflix am Dienstag verkünden konnte, sind beeindruckend. Der Gewinn ist im vierten Quartal auf 185,5 Millionen Dollar geklettert. Insgesamt verdiente Netflix im abgelaufenen Geschäftsjahr 559 Millionen Dollar - fast dreimal soviel wie im Vorjahr. Eine der interessantesten Zahlen taucht in dem Quartalsreport eher beiläufig auf: Verluste von 39 Millionen Dollar werden angeführt, "wegen unveröffentlichter Inhalte, die wir nicht weiter vorantreiben werden".

Eine offizielle Erklärung, um welche Inhalte es sich dabei handelt, gibt es von Netflix nicht. Ein Statement von Chief Financial Officer David Wells, legt es aber nahe: Es sind wohl vor allem die Projekte, an denen Kevin Spacey beteiligt gewesen ist, insbesondere die sechste Staffel der Serie " House of Cards" sowie das Gore-Vidal-Filmporträt "Gore". Abschreibungen, so Wells, kämen regelmäßig vor, "wir hatten bislang nur keine von so einem Ausmaß und in Verbindung mit dem gesellschaftlichen Umschwung in Sachen sexueller Belästigung".

"Gore" verschwindet im Giftschrank

Dem zweifachen Oscar-Preisträger Spacey waren im November von mehr als einem Dutzend Männern sexuelle Übergriffe vorgeworfen worden. Netflix stoppte nach Bekanntwerden der Vorwürfe zunächst die Vorbereitungen zur sechsten Staffel "House of Cards", später feuerte es seinen Hauptdarsteller und ließ ihn aus der die Serie abschließenden Staffel herausstreichen. Der Film "Gore", in dem Spacey die Titelrolle spielt und der bereits fertig gestellt worden ist, soll gar nicht mehr bei Netflix gezeigt werden.

Netflix war nicht das einzige Unternehmen, das in Folge des Skandals um Spacey Konsequenzen zog. Kaum zwei Monate vor Kinostart entschloss sich Regisseur Ridley Scott, Spacey aus seinem kommenden Film "Alles Geld der Welt" herauszuschneiden und seine Rolle des Multimilliardärs J. Paul Getty mit Christopher Plummer neu zu besetzen.

Der Thriller, der auch wegen der extrem auseinander weichenden Gagen der Co-Stars Michelle Williams und Mark Wahlberg für den Neudreh für Empörung sorgte, läuft am 15. Februar in Deutschland an.

hpi/Reuters



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