Neue Staffel von "True Blood": Nazi-Werwölfe! Schwuler Vampir-Sex!

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Keine Fernsehserie traut sich, körperliche Bedürfnisse so plastisch zu thematisieren wie "True Blood". Auch die dritte Staffel der preisgekrönten US-Serie, jetzt auf DVD erhältlich, quillt über vor Sex und Blut, aber auch Camp und Selbstironie. Nur der Erzählfluss hakt diesmal leider.

Dritte Staffel "True Blood": Gib mir deinen Saft! Fotos
Warner Bros.

In der ersten Folge der dritten Staffel von "True Blood" sieht man Alexander Skarsgårds nackten Po. Bei jeder anderen Serie wäre ein solcher Hinweis total daneben. Er würde die erzählerischen Qualitäten der Produktion in Abrede stellen, die Schauspieler zu Sexobjekten degradieren und die Zuschauer auf lechzende Voyeure reduzieren. "True Blood" ist aber wie keine andere Serie sonst. Die Macher wissen genau, was die Zuschauer sehen wollen und inszenieren die Schauwerte der Serie so übertrieben, dass man als Fan vor Freude quieken und gleichzeitig über sich selbst lachen muss.

"True Blood" spielt in der fiktiven Kleinstadt Bon Temps im sumpfigen Louisiana. Dort sind die Nächte nicht nur schwül und vom Gezirpe der Grillen erfüllt, sondern auch von Vampiren. Nach Jahrtausenden des Versteckspiels haben sie sich zum kollektiven Coming-Out entschieden und fordern nun, als vollwertige, amerikanische Bürger akzeptiert zu werden. Da es mittlerweile synthetisch hergestelltes Blut gibt, das flaschenweise in Bars und Supermärkten verkauft wird, sind die Vampire nicht mehr darauf angewiesen, Menschen auszusaugen.

Bald schon kommt es zu Annäherungen zwischen Menschen und Vampiren - exemplarisch erzählt an der 25-jährigen Kellnerin Sookie (Anna Paquin) und dem 200 Jahre alten Vampir Bill (Stephen Moyer), die um die gesellschaftliche Anerkennung für ihre Liebe, aber auch um das Vertrauen des jeweils anderen kämpfen müssen.

Mehr nackt als bekleidet

Doch würde es bei "True Blood" allein um Gefühle gehen, wäre die Serie kaum so außergewöhnlich, wie sie es auch im Vergleich mit anderen hochwertigen US-Produktionen ist. Im Mittelpunkt stehen hier nämlich körperliche Bedürfnisse und was man tut, um sie entweder zu kontrollieren - oder zu befriedigen. Viele Vampire wollen nicht auf den köstlichen Geschmack von Menschenblut verzichten und verführen Menschen reihenweise dazu, ihnen ihren Hals und meistens noch viel mehr darzubieten. Aber auch Menschen können der anderen Spezies nur schwer widerstehen: Vampire sind ausgezeichnete Liebhaber - und nur wenige Tropfen ihres Blutes reichen aus, dass man von unkontrollierbaren Sex-Phantasien heimgesucht wird.

Wer begehrt wen, ist denn auch die bestimmende Frage sowohl vor als auch auf dem Bildschirm. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist die dritte Staffel, die jetzt in Deutschland auf DVD erschienen ist, ein voller Erfolg. Es gibt sehr viel vom hochattraktiven Alexander Skarsgård zu sehen, mal nackt, mal in einem engen blauen Wollpullover. Es gibt gewalttätigen Hetero- sowie tödlichen schwulen Sex zwischen Vampiren. Publikumsliebling Lafayette (Nelsan Ellis) wird erstmalig echtes Liebesglück in Aussicht gestellt. Nach Sookies Bruder Jason (Ryan Kwanten) schafft es diesmal Werwolf Alcide (Joe Manganiello), mehr screen time nackt als bekleidet zu verbringen.

Werwolf? Ja, genau. Als neue magische Gestalten kommen in dieser Staffel die Wolfswesen hinzu. Dass diese zusätzlich in einige der düstersten Kapitel der menschlichen Geschichte verwickelt sind, lässt Sookie stellvertretend für den Zuschauer rufen: "Es gibt NAZI-Werwölfe!?" An solchen selbstironischen Momenten ist die dritte Staffel reich. Umwerfend vor allem die Szene, in der Sookie, deren Beziehung zu Bill zunehmend auf die Probe gestellt wird, plötzlich ihren Liebhaber nachäfft.

"Wie arm ist das denn?"

So viel Futter für die Fans täuscht aber nicht darüber hinweg, dass diese Staffel andere Qualitäten der Serie leider vermissen lässt. Die ersten beiden Staffeln zeichnete ein extrem dichtes Erzähltempo aus. Haupt- und Nebenstränge wurden virtuos miteinander verflochten, die Cliffhanger saßen, nach jeder Folge konnte man genau benennen, wohin sich die Figuren und die Geschichte entwickelt hatten. Der dritten Staffel fehlt dieses Rhythmusgefühl. Viele Ereignisse - und Tode - aus der vorhergehenden Staffel müssen noch verarbeitet werden, was sich wie Ballast bei der Entwicklung neuer Geschichten ausnimmt. Außerdem kommen viele neue Figuren hinzu, die das Personentableau unübersichtlich machen.

Staffelbösewicht Russell Edgington, der machtbesessene Vampirkönig von Mississippi, wird zwar kongenial von Denis O'Hare gespielt. Doch an die geheimnisvolle Maryann aus Staffel 2 reicht er nicht heran. Bei ihr musste man lange Zeit rätseln, was denn so gefährlich an ihr sein sollte. Menschen zu ausgelassenen Orgien zu animieren, gehört sicherlich nicht zu den größten Untaten, die man einem Bösewicht ankreiden kann. Russell hingegen ist ab dem ersten Auftritt samt Werwolfrudel als rundum böse zu erkennen. Auch der zweite große Erzählbogen - was es wirklich mit Sookie und ihrem besonderen Blut auf sich hat -, findet eine seltsam unbefriedigende Aufklärung.

Aus diesem erzählerischen Antiklimax weiß die Serie aber wiederum Kapital zu schlagen: Als Sookie erfährt, was sie wirklich ist, kommentiert sie selbst: "How fucking lame!" (ungefähr: "Wie arm ist das denn?", in der deutschen Fassung leider schlecht mit "Aber das ist doch Unsinn" übersetzt). In solchen Momenten ist man nicht nur mit der gesamten Staffel versöhnt, sondern freut sich schon auf die nächste.


True Blood Staffel 3 - Mit Anna Paquin, Stephen Moyer, Alexander Skarsgård; Warner Home Video, 5 DVDs

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insgesamt 45 Beiträge
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    Seite 1    
1. .
jeby 04.08.2011
Ich habe mir nur die ersten paar Folgen der ersten Staffel angeguckt und fand sie total langweilig. Dabei mag ich normalerweise Serien mit Vampiren. Die Serie ist eine schlechte Soap, nur mit mehr grafischen Sexszenen.
2. Sookie ist ein Teenie-Vampir??
rofeli 04.08.2011
Da hat wohl jemand nicht genau aufgepasst. Sookie ist kein Vampir. Weder Teenie noch sonst irgendeiner! Ich finde True Blood keineswegs langweilig. Es ist eine ganz andere Vampirserie als die bisher bekannten. Kein Schnulz und Teenie-Getue an der Provinz-Highschool wie bei Vampire Diaries zum Beispiel. ich würde sagen, das ist eine schlechte Soap! Aber es muss jedem ja auch nicht alles gefallen :)
3. Fehler
maXity 04.08.2011
"Teenie-Vampir Sookie"?! Sorry, aber geht's noch??
4. ...
Hjorvar 04.08.2011
Zitat von jebyIch habe mir nur die ersten paar Folgen der ersten Staffel angeguckt und fand sie total langweilig. Dabei mag ich normalerweise Serien mit Vampiren. Die Serie ist eine schlechte Soap, nur mit mehr grafischen Sexszenen.
Welche Serie mit Vampiren gibt es denn, die nicht noch soapiger ist? Das wäre ja mal interessant :-)
5. .
takeo_ischi 04.08.2011
Zitat von rofeliDa hat wohl jemand nicht genau aufgepasst. Sookie ist kein Vampir. Weder Teenie noch sonst irgendeiner! Ich finde True Blood keineswegs langweilig. Es ist eine ganz andere Vampirserie als die bisher bekannten. Kein Schnulz und Teenie-Getue an der Provinz-Highschool wie bei Vampire Diaries zum Beispiel. ich würde sagen, das ist eine schlechte Soap! Aber es muss jedem ja auch nicht alles gefallen :)
In einer früheren Version des Artikels stand da Jessica. Und die ist definitiv ein Teenie Vampir. Ob nun Jessica oder Sook das gesagt hat? :o]
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