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Neuseeland: Leckerlis für Filmemacher

Seit der "Herr der Ringe"-Trilogie haben Filmproduzenten Neuseeland als Bilderbuch-Drehort entdeckt. Die Regierung in Wellington lockt die kostspieligen Hollywood-Großprojekte mit Zuschüssen und Steuererleichterungen ins Land.

Atemberaubende Landschaft: Die Gefährten aus dem ersten "Herr der Ringe"-Teil wandern über Neuseelands grüne Wiesen
Warner Bros.

Atemberaubende Landschaft: Die Gefährten aus dem ersten "Herr der Ringe"-Teil wandern über Neuseelands grüne Wiesen

London/Wellington - Atemberaubend, wie Zauberer Gandalf mit wehendem Gewand und schlohweißem Haar über saftig grüne Wiesen galoppiert. Durch Peter Jacksons opulente "Herr der Ringe"-Trilogie wurden viele Filmproduzenten erst aufmerksam auf die scheinbar unendlichen Möglichkeiten, die die unterschiedlichen Landschaften des Inselstaates bereithalten.

Jetzt will die Regierung in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington ausländische Produzenten mit staatlichen Zuschüssen anlocken, berichtet die BBC. Finanzspritzen gibt es für Film- oder Fernsehprojekte mit einem Budget von mehr als 29,6 Millionen Euro. Um bis zu 12,5 Prozent könnten die Produktionskosten dadurch gesenkt werden, teilte Jim Anderton, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, mit. Im neuseeländischen Film-Subventionstopf liegen rund 23 Millionen Euro bereit.

Über die Neuerungen dürfte sich besonders die Film-Crew von Tom Cruise ärgern. Nach den Dreharbeiten zu dem Martial-Arts-Drama "Der letzte Samurai" war das Team Anfang des Jahres wegen horrender Steuerforderungen seitens der neuseeländischen Regierung aus allen Wolken gefallen.

Peter Jackson bringt "King Kong" nach Neuseeland

Der Inselstaat ist offenbar gerade noch rechtzeitig auf den Zug der Vergünstigungen aufgesprungen. Schon kurze Zeit nach der Ankündigung staatlicher Zuschüsse meldete eine Produktionsfirma Interesse an, einen Film über C.S. Lewis' sieben Romane über das mystische Phantasieland Narnia zu drehen. Wird das Projekt tatsächlich realisiert, könnte das für Neuseeland die Produktion von fünf aufwändigen Fantasy-Streifen in den kommenden zehn Jahren bedeuten.

Regisseur und Neuseeländer: Peter Jackson wird "King Kong" in seiner Heimat verfilmen
AP

Regisseur und Neuseeländer: Peter Jackson wird "King Kong" in seiner Heimat verfilmen

Auch "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson will in seiner Heimat bleiben - mit einer Neuverfilmung des Grusel-Klassikers "King Kong". Der Dreh-Auftrag von Universal Studios kam für Jackson angeblich ziemlich überraschend. "1996 haben wir etwa acht Monate an 'King Kong' gearbeitet, dann hat das Studio das Projekt eingefroren", hatte er Anfang März gegenüber einem Reporter geäußert. "Ich habe das Gefühl, da sitzt ein guter Film, der darauf wartet, gedreht zu werden." Jacksons erstes Film-Projekt nach "Herr der Ringe" soll 2005 in die Kinos kommen.

Kanada saugt den USA Großprojekte ab

In Sachen Produktionsvergünstigungen ist Neuseeland aber keineswegs Vorreiter. Seit längerem erlässt zum Beispiel der Nachbar Australien bis zu 12,5 Prozent an Steuern, die auf Film-Profite gezahlt werden müssen. Zusätzlich werden den Produzenten günstige Darlehen angeboten. Die Regie-Brüder Larry und Andy Wachowski waren 1999 einige der ersten, die die finanziellen Vorteile Australiens gegenüber den USA nutzten. Sie drehten ihre "Matrix"-Trilogie "down under".

Kanada beschloss schon 1998 Steuererleichterungen für Großproduktionen, wodurch den USA seitdem zahlreiche Projekte durch die Lappen gegangen sind. Vor rund einem halben Jahr veröffentlichte der US-Abgeordnete Anthony D. Weiner deshalb einen Artikel, in dem er die Medienpolitik der USA scharf kritisierte.

"Millionen von Film-Dollars und tausende von Arbeitsplätzen" verliere New York pro Jahr an Kanada, beklagte Weiner. Nachdem der Nachbar seine Steuererleichterungen eingeführt hatte, sei der Anteil New Yorks an der nordamerikanischen Filmindustrie von 18 auf vier Prozent gesunken, während Kanada sich von 10 auf 25 Prozent steigern konnte.

Um kommende Millionenprojekte im Land zu halten, wird deshalb seit mehr als zwei Jahren ein Gesetz diskutiert, das Filmemachern bis zu 25 Prozent Steuern erlässt, wenn sie in den Vereinigten Staaten drehen. Im Dezember dieses Jahres soll im Kongress erneut über den so genannten "United States Independent Film and Television Production Incentive Act" verhandelt werden.

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