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New-Hollywood-Pionier: "Bonnie und Clyde"-Regisseur Arthur Penn gestorben

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Wie kaum ein anderer Hollywood-Regisseur nahm Arthur Penn Ende der sechziger Jahre den umstürzlerischen Zeitgeist auf. Sein gewaltvolles Gangsterporträt "Bonnie und Clyde" machte ihn zur Schlüsselfigur der New-Hollywood-Bewegung. Im Alter von 88 Jahren ist Penn nun gestorben.

Arthur Penn: Ein Herz für Hippies Fotos
AP

New York/Hamburg - Vielleicht war es seine Arbeit als Regisseur für das Broadway-Theater, vielleicht seine liberale Ausbildung am Black-Mountain-College in North Carolina, vielleicht aber auch seine Erfahrungen, die er als Student in Florenz in Europa machte. Auf jeden Fall war Arthur Penn, am 27. September 1922 in Philadelphia geboren, Mitte der sechziger Jahre einer der wenigen Regisseure in Hollywood, die das richtige Gespür für den wechselnden, von Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkriegs-Protest und Hippie-Bewegung befeuerten Zeitgeist entwickelten. Bereits mit seinem erfolglosen, aber später preisgekrönten Western "The Left Handed Gun" hatte er sein Herz für die Außenseiter der Gesellschaft bewiesen, indem er Paul Newman als jungen Cowboy zeigte, der aus einem Rache- und Ungerechtigkeitsgefühl heraus zum Outlaw Billy the Kid wird.

Ein knappes Jahrzehnt später sollte Penn die Gelegenheit erhalten, erneut für die Verfemten, die nicht mit den Normen konformen Desperados der amerikanischen Gesellschaft in die Bresche zu springen. Nachdem zunächst die Nouvelle-Vague-Meister François Truffaut und Jean-Luc Godard angefragt worden waren, heuerte Co-Produzent und Hollywood-Superstar Warren Beatty den bereits über 40 Jahre alten Penn als Regisseur für "Bonnie und Clyde" an. Basierend auf einem Skript von Robert Benton, David Newman und Robert Towne, entwarf er die Ballade des Gangsterpärchens (gespielt von Beatty und Faye Dunaway) 1967 als Metapher für den Drang der US-Gesellschaft, aus dem Korsett puritanischer Moralvorstellungen auszubrechen. Der mit drastischen Gewaltszenen ausgestatte Film produzierte einen Aufschrei in den konservativen Medien, wurde zum Publikumsrenner und erhielt zehn Oscar-Nominierungen, von denen er zwei in Nebenkategorien einlöste.

Blaupause für New Hollywoods mutige Filmemacher

Der Erfolg machte den großen Hollywood-Studios - "Bonnie und Clyde" war von Warner produziert worden - Mut, es mit riskanteren, düsteren und sozialkritischen Stoffen zu versuchen. Penns vehemente Inszenierung wurde zur Blaupause für viele der folgenden Produktionen der New-Hollywood-Ära und ebnete den Weg für junge, ambitionierte Filmemacher wie Dennis Hopper, John Cassavetes, Paul Schrader oder Martin Scorsese.

Penn selbst blieb seinem Interesse für die Andersartigen, alternativ Lebenden treu und drehte mit dem Sänger Arlo Guthrie das Hippie-Kommunen-Drama "Alice's Restaurant" (1969) sowie den ironischen Western "Little Big Man" mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle - eine bitterböse Allegorie auf die Gräuel des Vietnamkriegs, in dem die Indianer die good guys sind. Nach ein paar Jahren Stille kehrte Penn 1976 noch einmal mit einem großen Film zurück, dem modernen Film Noir "Night Moves", in der Gene Hackman einen an sich und der Welt zweifelnden Detective spielt. Penn verarbeitete darin einigen Biografen zufolge auch das Verhältnis zu seinem einige Jahre zuvor verstorbenen Vater.

Zum Misserfolg bei Publikum und Kritik geriet der mit Spannung erwartete Western "Duell am Missouri" (ebenfalls 1976), der Jack Nicholson als Viehdieb und Marlon Brando als irren Kopfgeldjäger zeigte. Wiederum waren es Außenseiter, für deren Gegenentwurf zur Gesellschaft er Verständnis aufbrachte, auch wenn er an den Gegebenheiten scheitern musste.

In den späten Siebzigern und frühen achtziger Jahren wurde es ruhiger um Arthur Penn. Mitte der Achtziger zog er sich so gut wie ganz aus dem Kino zurück, um zum Fernsehen zurückzugehen, wo er bereits in den fünfziger Jahren als Regisseur und Produzent tätig gewesen war. In den Folgejahren zeichnete er unter anderem für die erfolgreiche Serie "Law & Order" verantwortlich. 2007 erhielt Penn den Ehrenbären bei den 57. Filmfestspielen in Berlin.

In der Nacht zu Mittwoch, einen Tag nach seinem 88. Geburtstag, ist Arthur Penn nun in seinem Apartment in Manhattan gestorben.

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