New-York-Thriller "Broken City": Die Pranken der Macht

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In "Broken City" verleibt sich Russell Crowe als feister Bürgermeister die letzten Filetstücke von New York ein. Wer meint, die Story sei zu simpel, muss sich nur die jüngsten Skandale anschauen - das Korruptions-B-Movie ist nah an der Realität gebaut.

Vielleicht ist Macht nur eine Frage von einigen wenigen richtigen Handgriffen, so wie man sie beim New Yorker Bürgermeister Hostetler abschauen kann. Ob er einen suspendierten Cop mit kumpelhaftem Schulterklopfen zur Hausbar mit dem Scotch bugsiert, um ihn für ein Komplott einzuspannen; ob er seine Ehefrau über eine Penthouse-Party schiebt, damit sie mit seinen Spendengebern flirten kann; ob er den Polizeichef mit einigen kurzen Hinweisen dazu bringt, Strafermittlungen gegen Feinde aufzunehmen - Hostetler hat sie drauf, die groben Gesten wie die feinen Finten.

Russell Crowe, der mit Luxuswampe ja meist viel besser ist als mit ausdefiniertem Gladiatorenbizeps, verkörpert den fiktiven New Yorker Bürgermeister mit raumfüllender Präsenz. Viel bewegen muss er sich dafür nicht, da ist er wie die Figur, die er spielt: Ein paar Handgriffe, dann sitzt die Performance. Crowe ist in "Broken City" eine Art good ol' American Wohlstands-Boy: Den Kameras serviert er ein verschmitztes, pausbäckiges Lachen, darüber wackelt unschuldig ein Jungenpony, aber wenn er seinem Gegenüber die Schulter abklopft, spürt es die Pranken der Macht.

Aus diesen können sich auch Crowes Co-Darsteller nur schwer herausspielen: Catherine Zeta-Jones stellt das Trophäenweib, das sich aus dem brutalen Einflussbereich des Bürgermeisters zu befreien versucht, mit dramatischer Schönheit dar - ansehnlich, aber ineffizient. Und Mark Wahlberg, der nominell die tragende Rolle hat, gibt im Intrigenspiel um Immobilienspekulation und Postengeschacher den Ex-Cop Billy Taggart, mit ewig geballten Fäusten und zunehmend lädierter Visage. Hemdsärmlig, aber letztendlich auch er ineffizient. Wahlbergs Bulle kurvt durch die nachtschwarzen Straßen von New York, um einem Immobiliendeal auf die Schliche zu kommen. Ein labyrinthisches Verschwörungskonstrukt, das nur der Bürgermeister überblickt.

Die USA nach der Banken-Apokalypse

Die Wohnsilos einer Sozialbausiedlung auf Manhattan sollen privatisiert werden; der Bürgermeister setzt sich mit all seiner Macht dafür ein - auch um den Spekulanten zufrieden zu stellen, der seinen Wahlkampf finanziert. Würde man die Silos später platt machen, erhielte man Raum für ein letztes Großbauprojekt auf Manhattan. Eines, das die New Yorker Skyline neu definieren würde. Und viel Geld abwerfen.

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"Broken City" mit Russell Crowe: Die Pranken der Macht
Der Plot von "Broken City" (Buch: Brian Tucker) ist simpel. Wenn es sein muss, wird schon mal brisantes Aktenmaterial in handlichen Mülltüten vor die Tür gestellt, so dass sie der Ex-Cop nur einsammeln muss. Und der doppelte Boden, der sich in dem Neo-Noir-Thriller gelegentlich auftut, wird schnell mit einer plakativen Botschaft zubetoniert: Besitz vernichtet. Die Spekulanten haben in New York City die Stadtplanung in der Hand, Partizipation ist eine Illusion. Man kann "Broken City" ein B-Movie mit glamouröser Ausstattung nennen.

Das ist gar nicht mal abwertend gemeint. Einen gewissen Realitätsgehalt kann man dem Film nicht absprechen: Denn was sind die realen Ausverkaufsaktionen und Korruptionsaffären, denen sich New York über die letzten Jahrzehnte ausgesetzt sah, anderes als Gentrifizierungs-B-Movies? Von den Privatisierungsorgien des Bürgermeisters Ed Koch in den Achtzigern bis zu der unglaublich dämlichen jüngsten Korruptionsaffäre kurz vor dem Wahlkampf ums Bürgermeisteramt, bei der zurzeit gleich sechs Lokalpolitiker angeklagt sind - wenn es um Vorteilnahme und Bestechung geht, zeigt man im intellektuellen Zentrum Amerikas wenig Denkleistung.

Regisseur Allen Hughes ist ein angemessen burschikoser Regisseur, um das Korruptionsmekka New York samt seiner klobigen Akteure in Szene zu setzen. Mit seinem Zwillingsbruder Albert hat er Anfang der Neunziger, da waren die beiden kaum über 20, Filme wie "Menace II Society" oder "Dead Presidents" gedreht, die in ihrer rauen Ästhetik und ihrem HipHop-gesättigten Nihilismus den afroamerikanischen Gangsterfilm neu definierten. Zuletzt standen die Hughes Brothers, wie sich die Regie-Wunderkinder immer selbst nannten, gemeinsam für "The Book of Eli" hinter der Kamera, einem überladenen Postapokalypse-Spektakel.

Auch in "Broken City" geht es im gewissen Sinne um ein Postapokalypse-Amerika. Oder besser: ein Post-Lehman-Amerika. Schuldig sind hier alle, jeder kämpft ums eigene Überleben. Die sozialen Verwerfungen und Verwüstungen werden anhand des Immobilienbesitzes durchgespielt, der nach der Bankenpleite drastisch umverteilt wurde.

Regisseur Hughes inszeniert den urbanen Lebensraum mit Gespür für die ökonomischen Dynamiken der Stadt. Von den reichen Strandhäusern Long Islands zu den überteuerten Mietskasernen Brooklyns, von den Penthouse-Wohnungen zu den von Abwicklung bedrohten Projects auf Manhattan: So recherchiert sich der Ex-Cop einmal quer durch New York, mit der Wut über die neuen Eigentumsverhältnisse im Gesicht und den Pranken der Macht im Nacken.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Mutige Filmkritik
abominog 16.04.2013
Es gibt jemanden hier im Land, der schon so richtig mächtig Ärger bekommen hat, als er das Wort "Gentrikifation" zu häufig benutzt hat. Na zum Glück taucht das Wort "Präkarisierung" nicht zeitgleich im Artikel auf...
2. Oops
abominog 17.04.2013
Zitat von abominogEs gibt jemanden hier im Land, der schon so richtig mächtig Ärger bekommen hat, als er das Wort "Gentrikifation" zu häufig benutzt hat. Na zum Glück taucht das Wort "Präkarisierung" nicht zeitgleich im Artikel auf...
Huch, da habe ich doch (selbstverständlich ganz aus Versehen) ein paar Wechselstaben verbuchselt ^^
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Broken City

USA 2013

Regie: Allen Hughes

Buch: Brian Tucker

Mit: Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright, Barry Pepper

Produktion: Regency Enterprises/ Emmaet-Furla Films/ New Regency Pic./ Closest to the Hole Prod./ Leverage Communications

Verleih: Universum

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Start: 18. April 2013