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"Noah"-Regisseur Aronofsky: "Die nächste Sintflut erzeugen wir selbst"

Ein Interview von

US-Regisseur Darren Aronofsky erzählt in "Noah" düster und bildgewaltig die Geschichte der Sintflut - und bekam jede Menge Ärger: Gläubige fürchten Blasphemie, das Studio wollte mehr Happy End. Dabei will der US-Regisseur doch nur vor der Klimakatastrophe warnen.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Aronofsky, in den USA ist "Noah" mit einem Hinweis versehen, der die Kinozuschauer darauf aufmerksam macht, dass sie es mit einem fiktionalen Werk und keiner bibeltreuen Geschichte zu tun haben. Irre, oder?

Aronofsky: Um ehrlich zu sein, ja. Ich weiß nicht genau, warum Paramount sich dafür entschieden hat, sie wirkten zum Schluss eigentlich ganz glücklich mit dem Film. So ein Hinweis erscheint mir außerdem ziemlich sinnlos: Natürlich ist "Noah" eine Interpretation! Die Original-Geschichte ist so mythisch aufgeladen wie alles andere, was in der Bibel steht, dass jede Form religiöser Kunst zwangsläufig eine Interpretation sein muss - von Michelangelos David-Statue, die nicht beschnitten ist, obwohl sie den König der Juden zeigt, bis zum Deckengemälde im Vatikan mit seiner Abbildung von Adam und Gott in Menschengestalt.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem gab es bereits vor dem US-Start eine Kontroverse: Christliche Organisationen und Medien empörten sich, Ihr Film verletze religiöse Gefühle. In manchen muslimischen Ländern wird "Noah" gar nicht erst gezeigt. Können Sie die Aufregung verstehen?

Zur Person
  • Getty Images
    Darren Aronofsky, 1969 in Brooklyn geboren, wurde mit seinem verstörenden Debütfilm "Pi" (1999) zum neuen Wunderkind des Independent-Kinos, ein Ruf, den er ein Jahr später mit der Hubert-Selby-Verfilmung "Requiem for a Dream" ausbaute.

    Für sein Zeitreiseepos "The Fountain" (2006) erntete Aronofsky größtenteils Spott, mit dem Ballett-Horrorfilm "Black Swan" errang er eine 2011 eine Oscar-Nominierung als bester Regisseur. "Noah" ist Aronofskys erste Blockbuster-Produktion.

Aronofsky: Die Kontroverse entstand ja, bevor der Film überhaupt gezeigt worden war. Sobald die Bedenkenträger im Kino waren, wird sich das in Luft auflösen, dann ist offensichtlich, dass "Noah" ein sehr philosophischer und theologisch fundierter Film ist. Dennoch: Er richtet sich an Gläubige ebenso wie an Nichtgläubige. Letztere bekommen den düsteren, grüblerischen Actionfilm zu sehen, den sie von mir erwartet haben, Gläubige finden außerdem etwas zum Nachdenken über ihre christlichen Werte.

SPIEGEL ONLINE: Etwas ambivalenter ist es dann aber doch: Man könnte Ihren Noah auch als durchgeknallten Ultra-Umweltaktivisten sehen, der sich in den Wahn hineinsteigert, er müsse im Auftrag Gottes die Menschheit vernichten. Der Film endet dennoch versöhnlich. Inwieweit hat sich da das Studio eingemischt?

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Darren Aronofskys "Noah": Biblischer Ökothriller
Aronofsky: Paramount hätte sich sogar ein noch harmonischeres Happy End gewünscht. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte sich Noahs Sohn Ham nicht von der Familie losgesagt. Nein, es ist tatsächlich komplett mein Film. Mir war es wichtig, die Idee zu transportieren, dass wir alle eine zweite Chance bekommen haben: Am Ende der biblischen Geschichte entscheidet Gott, dass er die Menschen nicht mit einer zweiten Flut vernichten will. Aber wir können das natürlich immer noch selbst tun - mit unserer eigenen, selbst fabrizierten Sintflut.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst engagieren sich seit Jahren aktiv für den Umwelt- und Klimaschutz. Ist "Noah" also gar kein Bibelfilm, sondern ein Öko-Thriller?

Aronofsky: Nun ja, auch ein überwiegender Teil der Wissenschaftler ist sich zum Glück inzwischen einig, dass wir gerade dabei sind, unsere eigene Sintflut zu erzeugen, es gibt auch fotografische Beweise, etwa vom Abschmelzen der Eismassen am Nord- und Südpol. Insofern: Ja, wir betreiben das gerade selbst. Nicht nur in Bezug auf den globalen Klimawandel, sondern in allen Bereichen der Umweltverschmutzung und Zerstörung natürlicher Reservate. Fundamental ökologische Botschaften sind aber bereits in der Bibel angelegt.

SPIEGEL ONLINE: Wo zum Beispiel?

Aronofsky: Zunächst einmal reden wir hier immerhin über einen Mann, der die Tiere rettet. Und Gott sagt zu Adam nicht nur, dass er sich um den Erhalt des Gartens Eden zu kümmern hat, er soll sich auch ausschließlich von den Pflanzen ernähren. In der Genesis steht: "Gott sah sich die Erde an: Sie war verdorben, denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben." Und es tat ihm in seinem Herzen weh. Ich weiß nicht, wie man das nicht mit ökologischen Fragen in Verbindung bringen kann. Besonders jetzt, da wir die ersten Auswirkungen bereits zu spüren bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst sind ja eigentlich kein religiöser Typ. Stimmt es, dass Ihr Interesse für Noah von einem Gedicht herrührt, das Sie als Siebtklässler geschrieben haben? Ihrer früheren Lehrerin gaben Sie nun sogar eine Statistenrolle. Was genau war damals ihr Auftrag?

Aronofsky: Sie sagte eigentlich nur: "Schreib etwas über Frieden." Anlass war ein Schreibwettbewerb der Vereinten Nationen. Warum ich mich für Noah entschied, weiß ich gar nicht mehr so genau. Das Gedicht hieß "The Dove" ("Die Taube", d. Red.), also ging es mir vermutlich um das Symbol der Friedenstaube.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie es noch?

Aronofsky: Tatsächlich habe ich es gerade erst vor kurzem wiedergefunden, als ich für meinen siebenjährigen Sohn in alten Kartons nach Baseball-Karten aus meiner Kindheit suchte. Ich zeigte es dann meinem Freund Ari Handel, mit dem ich das Drehbuch zu "Noah" geschrieben habe, und er kriegte sich gar nicht wieder ein: Die Ideen und Themen des Gedichts seien dieselben, die nun auch im Film vorkommen, meinte er. Anscheinend trieb mich das alles schon länger um. "Noah" ist genaugenommen ja auch eine Geschichte über den Wettstreit zwischen Gut und Böse, der seit der Ursünde in uns Menschen tobt. Fluch und Segen zugleich: Wir können uns für eine Seite entscheiden.

SPIEGEL ONLINE: Die Idee, aus der Noah-Story einen Film zu machen, hatten Sie bereits vor über 15 Jahren, nun bekamen Sie, auch befeuert durch den Erfolg Ihres Films "Black Swan", von Paramount einen Vertrauensvorschuss in Form eines Budgets von mehr als 130 Millionen Dollar. Zuletzt gab es heftigen Streit über die endgültige Fassung. Worum ging es dabei genau?

Aronofsky: Da prallten grundsätzlich unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinander. Der normale Studio-Prozess ist: Jede mögliche Perspektive und Stimmung wird ausprobiert, Szenen hin- und hergeschoben, und dann wird in Test-Vorführungen die jeweilige Reaktionen des Publikums geprüft, um das Risiko eines Flops zu minimieren. Ich drehe keine Filme auf diese Weise. Wenn man, wie Ari und ich, ausreichend Zeit mit der Entwicklung des Drehbuchs verbringt, dann ist es irgendwann nicht mehr möglich, wie im Baukasten mit den einzelnen Elementen zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch, so war zu lesen, testete Paramount immer wieder unterschiedliche Schnitt-Versionen...

Aronofsky: Ja, aber ich verwende bei meinen Filmen so viel Zeit darauf, alles im Vorwege zu planen, dass es am Ende nicht funktioniert, wenn ich die eine Szene mit Russell Crowe vom Anfang ans Ende oder in die Mitte verschiebe, weil er zu jedem Zeitpunkt im Film etwas ganz Spezifisches spielt. Ich habe mir den Arsch aufgerissen, um den Film zu drehen, auf den wir uns alle anfangs geeinigt hatten, und ich glaube, ich habe meinen Teil dieser Abmachung erfüllt, so gut ich es konnte. Und am Ende haben sie dann ja auch meine Fassung genommen. Nun werden wir sehen, was das Publikum sagt.

SPIEGEL ONLINE: Setzt Sie das unter Erfolgsdruck, gerade weil so viel Geld im Spiel war?

Aronofsky: Klar, die Einspielergebnisse sind wichtig, aber ganz ehrlich: Sie sind mir auch herzlich egal. So oder so, ich bin zufrieden. Und im besten Fall bringen wir eine Diskussion in Gang.

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1. Es spricht nichts
FairPlay 03.04.2014
dagegen, einen Blick in die Zukunft zu machen. Wissenschaftler warnen vor der Zunnahme von Umweltbelastungen die zur Zunahme von Umweltkatastropen führen. Und wie das aussehen könnte, sollen die Menschen ruhig schon mal wissen. Das hat überhaupt nichts mit Blasphemie zu tun wie irgendwelche Gläubigen meinen.
2. Sintflut??
reinerunfug 03.04.2014
Zitat von sysopParamountUS-Regisseur Darren Aronofsky erzählt in "Noah" düster und bildgewaltig die Geschichte der Sintflut - und bekam jede Menge Ärger: Gläubige fürchten Blasphemie, das Studio wollte mehr Happy End. Dabei will der US-Regisseur doch nur vor der Klimakatastrophe warnen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/noah-mit-russell-crowe-im-kino-regisseur-aranofsky-im-interview-a-961963.html
Ich sehe hier nur Dürre.
3.
mustafa20 03.04.2014
Zitat von sysopParamountUS-Regisseur Darren Aronofsky erzählt in "Noah" düster und bildgewaltig die Geschichte der Sintflut - und bekam jede Menge Ärger: Gläubige fürchten Blasphemie, das Studio wollte mehr Happy End. Dabei will der US-Regisseur doch nur vor der Klimakatastrophe warnen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/noah-mit-russell-crowe-im-kino-regisseur-aranofsky-im-interview-a-961963.html
Aronofsky ist ein toller Regisseur - hoffentlich sagt er diesen Quatsch nur aus PR Gründen ...
4. Requiem for a dream
Hank Hill 03.04.2014
ist meiner Ansicht nach jetzt schon ein moderner Klassiker. Unterschlagen hat der Autor The Wrestler mit Mickey Rourke. Toller Film, ohne falsche Sentimentalitaet, super gespielt von allen und super Regie von Aronofsky. Der Mann hat es einfach drauf. Mit Fountain konnte ich auch nicht soviel anfangen, so what. Das Kino in den USA wird oft totgesagt, belaechelt, Hollywood angefeindet, etc., aber nirgendwo auf der Welt gibt es soviel talentierte Filmschaffende wie in den USA, auf allen Ebenen. Wir muessen in Deutschland aber nicht neidisch sein. Unsere Leitkultur ist seit 1950 die amerikanische Kultur, und das ist auch gut so.
5.
h.hass 03.04.2014
Wenn man mal wieder von einem US-Blockbuster-Regisseur hört, dass er die Welt verbessern will, kann man doch nur den Kopf schütteln. Auch Cameron wollte mit "Avatar" anscheinend den Umweltschutz stärken. Würde sich ja auch blöd anhören, wenn man einfach sagen würde, dass man diese Schinken dreht, um ordentlich Reibach zu machen. Besser, man hat noch eine "Botschaft" zur Hand!
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