Actionfilm "Northmen - A Viking Saga" Nach Walhalla! (Und bitte nicht wiederkommen)

Der deutsch-schweizerische Actionfilm "Northmen - A Viking Saga" mit Ken Duken interessiert sich weder für die echten Wikinger, noch erzäht er eine Sage. Gratulation, so einen Quatsch muss man auch erst einmal hinbekommen!

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Skandinavien war nicht immer vorbildlich. Vor über tausend Jahren terrorisierten Nordmänner zu Schiff halb Europa, fuhren auf Beutezügen den Rhein herauf und die Themse hinab. Sie unterwarfen Ostengland und siedelten auf Grönland. Die Männer, die man Wikinger nannte, hinterließen ihre Spuren in den Chroniken des frühen Mittelalters. Als wüste Räuber und Mordbrenner, aber auch als mutige Entdecker.

Ein schöner Stoff für einen Film. Ein Elfmeter von einem Stoff, zumal da die Quellenlage so dürftig ist, dass für die Phantasie aller Beteiligten, vom Regisseur bis zum Maskenbildner, noch genügend Platz ist. Jedoch, allen ermutigenden Startbedingungen zum Trotz, ist "Northmen - A Viking Saga" ein Vollreinfall geworden. Es geht weder um ein historisch stimmiges Bild der Wikinger, noch handelt es sich um eine Sage. Aber der Reihe nach.

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"Northmen - A Viking Saga": Und wenn es ein Hinterhalt ist?
Die Handlung: Im Jahr 873 erleidet eine Gruppe von Wikingern mit ihrem schlanken Drachenboot vor der Küste Schottlands Schiffbruch. Eigentlich hatte ihr junger, hübsch-naiver Anführer Asbjörn (Tom Hopper, "Black Sails") das Kloster Lindisfarne, das vor der Küste Northumbriens liegt, um seine Schätze erleichtern wollen. Diesen Raubzug muss er verwerfen. Kaum an Land geklettert, treffen die verwitterten nordischen Wildlinge auf einen Trupp Soldaten unbekannter Herkunft, den sie sogleich zu Brei kloppen.

Der Trupp hat zufällig eine feine schottische Dame (Charlie Murphy) in einer Kutsche dabei, welche den Wikingern nun gut zupass kommt: Sie hoffen, sich mit dieser wertvollen Beute den Eintritt ins Danelag erkaufen zu können. Das Danelag (das erst Jahrhunderte nach der historischen Spielzeit des Films so genannt wurde) ist eine Ansammlung von Siedlungen und Forts im von Wikingern eroberten Osten Englands. Bis Asbjörn und seine Männer dort um Aufnahme bitten können, müssen sie sich durch englisches Feindesland schlagen, was äußerst zähe 97 Filmminuten dauert.

Verfilzt und minderbemittelt

Der schöne Asbjörn ist dabei wahrlich nicht zu beneiden. Seine Männer bilden einen verfilzten, schlechtgelaunten, minderbemittelten Haufen, der nur raufen kann, es aber mit den kognitiven Fähigkeiten nicht so hat. Kostprobe? "Warte, Asbjörn, was, wenn es ein Hinterhalt ist?" Ja. Bei derart lahmen Dialogen muss sich auch Claudio Väh, der Regisseur, gelangweilt haben.

Nun gibt es genug Geschichtsfilme, die gekonnt weil bewusst billig Abenteuergeschichten in historischem Gewand verkaufen. Es ist eine Entscheidung, wenn ein Film über Wikinger nichts über Wikinger lehren soll. Wenn schon anspruchslos, dann aber doch wenigstens unterhaltsam. Aber warum dann so schlechte Action, so vorhersehbare Dialoge, Kämpfe, Hinterhalte, Entscheidungen, Trommelwirbeleinsätze?

Sogar die Überraschungen sind in diesem Film vorhersehbar. Denn nach einiger Zeit des Wanderns in den Highlands treffen die Wikinger auf einen Mönch (Ryan Kwanten, "True Blood"). Weite Kutte, kurze Haare, feuriger Blick. Dass dieser Mann ein Geheimnis hat und mehr weiß als er sagt, steht ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Der Mönch kennt sich mit Heilpflanzen aus und nimmt sich eines verwundeten Nordmannes an. Plötzlich springt mal wieder eine Bande feindlicher Soldaten aus dem Gebüsch. Da nimmt der Mönch seinen Wanderstab quer und entpuppt sich als Ninja Gottes - der auch noch weiß, dass die entführte Dame die Tochter des schottischen Königs Dunchaid ist. Freilich sucht der jetzt nach ihr.

Ob die Phrasen dieses Films von Wikingern oder Ägyptern gedroschen, die Schwerter von Kelten oder Römern geschwungen werden, ist egal. Von vereinzelten "Nach Walhalla!"-Rufen abgesehen schert sich der Film wenig um historische Detailgenauigkeit. Die Umgebung, in der er spielt, funktioniert nicht als trojanisches Pferd, das irgendeinen Mehrwert für den Zuschauer hineinschmuggeln würde. Weder mit Wissen noch mit Spannung werden die Zuschauer von "Northmen" belästigt. Das eine wäre so gut und akzeptabel gewesen wie das andere. Doch die Epoche ist zufällig gewählt. Es gibt keine glaubwürdigen Charakterentwicklungen, weshalb von einer Sage, die ja eine Erzählung sein müsste, auch nicht die Rede sein kann. Der Titel des Films sollte deshalb korrekt heißen: Northmen - A Viking Satire. Denn er wirkt wie seine eigene Karikatur.

Northmen - A Viking Saga

CH/D/ZA 2014

Regie: Claudio Fäh

Buch: Matthias Bauer, Bastian Zach

Darsteller: Tom Hopper, Ryan Kwanten, Ken Duken, Charlie Murphy

Produktion: Elite Film AG, Jumping Horse Film, Two Oceans Production

Verleih: Ascot Elite Filmverleih GmbH

Länge: 97 Minuten

Start: 23. Oktober 2014

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insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
crabman66 22.10.2014
1. Wow
So einen völligen Verriss ist man sonst nur von Filmen die vom "Regisseur" Uwe Böll kommen gewohnt. Aber gut geschrieben und eine sehr feine und amüsante Kritik. Muss ich mir angucken.
vox veritas 22.10.2014
2.
Dieser Quatsch fällt in die Kategorie Unterhaltung. Es muß weder intellektuell ansprechsvoll noch historisch korrekt sein.
habo10 22.10.2014
3. Wenn schon Wikinger
dann "Vikings" kucken. http://www.imdb.com/title/tt2306299 Gute Schauspieler, glaubwürdige Plots, gute Action.
eswirdbesser 22.10.2014
4. Es gibt...
...nur einen Spielfilm, DEN Film, über dieses Thema: Walhalla Rising mit dem unübertroffenen Mads Mikkelsen. Alles andere ist gut gemachte Unterhaltung oder Mist...
rumpelstilzchen1980 22.10.2014
5.
Erfahrungsgemäß sind die Verisse von SPON immer sehr unterhaltsam und gute Kritiken für gutes Popcornkino. Bisher hat das immer funktioniert. Wird hier gelobt, wird es gruselig...
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