NS-Propagandafilm "Jud Süß" Anzeige wegen illegaler Vorführung

Der NS-Propagandafilm "Jud Süß" ist in Ungarn illegal in rechtsextremen Kreisen gezeigt worden - in Deutschland wurde deshalb jetzt Anzeige erstattet. Ob die Straftat tatsächlich verfolgt wird, ist noch unklar.


Wiesbaden/Budapest - Der Inhalt ist übelste nationalsozialistische Propaganda: Der NS-Hetzfilm "Jud Süß" von 1940 darf nur unter Vorbehalt gezeigt werden. Ungarische Nazi-Sympathisanten haben den Film im Juli in Budapest vorgeführt - ohne Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die für die Rechte zuständig ist. Wegen illegaler Vorführung hat die Stiftung nun Strafanzeige erstattet.

Plakat von "Jud Süß": Hetzfilm der Nazis
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Plakat von "Jud Süß": Hetzfilm der Nazis

Am Montag ist die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden eingegangen, wie Pressesprecher Hartmut Ferse bestätigte. Die Behörde prüfe die Anzeige derzeit. In solchen Fällen werde in der Regel ein "Übernahmeersuchen" an die zuständige Behörde des Landes gestellt. Das heißt, dass gegebenfalls die ungarischen Behörden die Strafverfolgung übernehmen. "Die Straftat ist in Ungarn begangen worden. Wir können sie hier nicht verfolgen", so Ferse.

"Jud Süß" zählt zu den sogenannten Vorbehaltsfilmen. Die für die Rechte zuständige Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung muss der Vorführung zustimmen. Das geschieht nur, wenn der Film im wissenschaftlichen Kontext gezeigt wird, beispielsweise im Rahmen eines Seminars an der Universität. Kommerzielle Vorführungen sind grundsätzlich verboten.

"Jud Süß" war im Juli zweimal in einem Budapester Kellerraum gezeigt worden. Zu diesen Vorführungen konnte man sich über rechtsextreme Online-Portale anmelden. Als Veranstalter wurden die Ehefrau des Rechtsextremisten Lorant Hegedüs jr. und der rechtsextreme Verlag Gede Testverek (Brüder Gede) genannt. Der Verlag führt auch "Mein Kampf" von Adolf Hitler in ungarischer Übersetzung im Angebot.

Es komme immer wieder vor, dass NS-Propagandafilme im Ausland illegal gezeigt werden und daraufhin Anzeige erstattet werde, so Ferse. Vergleichbare Fälle habe es beispielsweise in den USA gegeben.

Thema des Hetzfilms "Jud Süß" unter der Regie von Veit Harlan ist das jüdische Leben - von der Nazi-Ideologie systematisch verzerrt: Die Figur Joseph Süß Oppenheimer ist ein gieriger Finanzberater, der ausbeutet und vergewaltigt. Der Film ist eines der bekanntesten Propagandawerke des NS-Regimes, Auftraggeber war Reichspropagandaminister Joseph Goebbels.

bfr/dpa



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