Ösi-Krimi "Der Knochenmann": Hähnchen süß-sauer

Von Daniel Sander

Wolfgang Murnberger schaut in seinem dritten Film um den abgehalfterten Privatdetektiv Brenner wieder mit eiskaltem Spott hinter falsches Idyll in Österreich.

In Wien waren es die mörderischen Konkurrenzkämpfe zweier rivalisierender Rettungsunternehmen. In Salzburg hat er die skandalösen Vorgänge in einem Knabenkonvikt aufgedeckt. Wenn der abgehalfterte Privatdetektiv Brenner (Josef Hader) ermittelt, dann findet er den Schmutz dort, wo es sonst keiner erwartet. Und diesmal ist eine ganz besondere Ikone österreichischer Tradition und Idylle an der Reihe: die Backhendlstation.

Denn irgendwas stimmt nicht in diesem idyllisch gelegenen Gasthaus Löchenkohl, das sich zwar der köstlichsten Backhähnchen des Landes rühmt, in dessen monströser Knochenmahlmaschine neben Geflügelgebein aber offenbar auch mal ein Menschenknochen zermalmt wird.

Eigentlich wollte Brenner, missgelaunt wie immer, dort nur den Künstler Horvath finden, um eine Leasingrate für dessen Mietwagen einzutreiben. Aber der ist verschwunden. Und keiner mag verraten, wo er ist. Also bleibt Brenner ein bisschen da und schnüffelt mit seiner nicht gerade übermäßig enthusiastischen Art in der Gegend herum. Hat ja sonst nichts zu tun, und die reizende Serviererin Birgit (die kürzlich verdientermaßen mit dem Silbernen Bären ausgezeichnete Birgit Minichmayr) ist zwar verheiratet, gibt sich aber interessiert. Und weil da, wo Brenner sich aufhält, der Sumpf des Verbrechens immer besonders tief ist, bleibt es auch nicht bei einem Vermisstenfall. Denn zu verbergen hat hier jeder etwas: ob der alte Löchenkohl persönlich (Josef Bierbichler), sein unfähiger Sprössling (Helmut Vinaccia), oder die schweigsame Kellnerin (Pia Hierzegger).

Nach "Komm, süßer Tod" und "Silentium" ist Wolfgang Murnbergers "Der Knochenmann" die dritte Verfilmung aus Wolf Haas' Krimiromanreihe um den österreichischen Privatdetektiv. Wie immer hat er die Handlung der Vorlage zusammen mit dem Autor selbst und dem Hauptdarsteller Hader deutlich verändert, um auch Kenner der Vorlage bei Laune zu halten, ohne sie zu vergrätzen. Ganze Charaktere und Handlungsstränge fallen weg, die alte Frau Löschenkohl und das Rätsel ihres Verschwindens gibt es hier nicht - doch Schauplatz und vor allem der Geist des Originals bleiben bestehen. Denn wie bei den Vorgängern serviert Murnberger diese süß-saure Geschichte mit unaufgeregtem Witz und ruhiger, aber gnadenloser Boshaftigkeit. Idyllisch ist hinter den Postkartenmotiven nichts in diesem Österreich. Aber spannend.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. ...
architekt? 19.02.2009
Die erste Verfilmung, Komm süßer Tod, ist vielleicht einer der besten deutschsprachigen Filme der letzten zehn Jahre. http://www.amazon.de/gp/product/B00065VR2O?ie=UTF8&tag=978-0744010480-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B00065VR2O
2. Sehr schön
plattenputzer 19.02.2009
Es wird doch net scho wieder was passiert sein? Ich freu mich auf jeden Fall auf den neuen Fall vom Brenner.
3. Silentium
christoph_hauschild 19.02.2009
auch sehenswert ist der direkte Vorgänger: http://shop.spiegel.de/shop/action/productDetails/6828519/wolf_haas_josef_hader_wolfgang_murnberger_arthaus_collection_16_silentium.html?aUrl=90009999
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