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Oscar 2009: Triumph für "Slumdog Millionaire"

Ein Abend für Ghetto-Millionäre: Danny Boyles Drama "Slumdog Millionaire" ist der überragende Sieger der 81. Academy Awards. Bei den Darstellern triumphierten Kate Winslet, Sean Penn, Penélope Cruz sowie - postum - Heath Ledger. Und auch das deutsche Kino konnte einen Goldjungen feiern.

Hollywood - Es war ein bisschen wie bei David gegen Goliath: Hier das mächtige Hollywood, dort eine kleine, fast billige Produktion eines britischen Regisseurs, die zudem auch noch in Indien spielt. Doch auch wenn "Der seltsame Fall des Benjamin Button" mit Superstars wie Brad Pitt, Cate Blanchett und Tilda Swinton besetzt war: Gegen "Slumdog Millionaire", das rührende Kinodrama von Danny Boyle über einen armen Inder, der bei einer Quizshow teilnimmt, hatte der Film bei den Oscars keine Chance.

Insgesamt achtmal wurde das Werk des Briten ausgezeichnet, darunter waren auch die Ehrungen für beste Regie und bester Film. "Benjamin Button" hingegen schnitt mit nur drei Oscars in Nebenkategorien relativ schlecht ab.

Als er die begehrte Trophäe entgegennahm, löste Regisseur Danny Boyle ein Versprechen ein, das er einmal seinen Kindern gegeben hatte: Er sprang herum wie ein Flummi. Warum? Wenn er mal einen Oscar gewinnen sollte, so hatte Boyle seinem Nachwuchs versprochen, werde er auf- und abhüpfen wie Tigger, der quirlige Tiger aus "Winnie the Pooh". Das Publikum im Kodak Theatre in Los Angeles nahm's mit einem Lächeln.

Das Muster David gegen Goliath wiederholte sich bei den deutschen Beiträgen. "Der Baader Meinhof Komplex" ging in der Auslandskategorie leer aus. Das Rennen machte dafür "Departures" aus Japan. Und auch bei den Dokumentarfilmen kam Deutschland nicht zum Zug. "Encounters at the End of the World" von Regie-Altmeister Werner Herzog verlor gegen "Man on Wire" aus Frankreich.

Dennoch konnte ein deutscher Filmemacher punkten - und wie. Für den bisher in der Branche fast völlig unbekannten Berliner Jochen Alexander Freydank ging ein Traum in Erfüllung - er wurde für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" geehrt. Mehrere Filmhochschulen hatten Freydank abgelehnt, er schlug sich durch als Cutter, Regieassistent und mit Brotjobs als Drehbuchautor ("Polizeiruf 110", "Dr. Sommerfeld - Neues vom Bülowbogen").

Und nun dieser Triumph! In 14 Minuten Länge erzählt "Spielzeugland" ein Minidrama über Lügen in der Nazi-Zeit. Ganze vier Jahre hat der deutsche Regisseur an seinem Werk gebastelt, unter Bedingungen, die man wohl zu Recht als kümmerlich bezeichnen darf.

"Titanic"-Superstar Kate Winslet, bislang fünfmal nominiert, bekam - endlich, werden viele sagen - den Preis für die beste weibliche Hauptrolle. Die 33-jährige Britin spielt in "Der Vorleser" nach dem Bestsellerroman von Bernhard Schlink eine ehemalige KZ-Aufseherin. Der Film ist zwar durchaus umstritten, aber Winslets Leistung über jeden Kritiker-Zweifel erhaben.

Bei der Golde-Globes-Verleihung hatte Winslet noch einen sehr tränensatten Auftritt hingelegt, der manche Kritiker eher belustigte. Bei den Oscars war die großartige Britin kaum weniger emotional, wirkte aber wesentlich souveräner. Mit einer sehr gefühlvollen (aber nicht kitschigen) Rede bedankte sich die Britin beim Publikum und erzählte, wie sie als kleines Mädchen im Alter von acht Jahren mit einer Shampoo-Flasche diesen Moment geübt hatte.

Als bester Darsteller wurde Sean Penn für seine Rolle als schwuler Politiker und Aktivist im Drama "Milk" (Regie: Gus Van Sant) geehrt - und für seine ebenso couragierte wie überzeugende Leistung mit Standing Ovations gefeiert. Penn nutzte die Gelegenheit, in seiner Dankesrede auch noch ein paar politische Worte zu verlieren: "Wir müssen gleiche Rechte für alle haben", sagte der frisch gekürte Gewinner im Hinblick auf die in den USA sehr umstrittene Homosexuellen-Ehe.

Einen berührenden Moment erlebte das Publikum auch, als genau 13 Monate nach seinem Tod Heath Ledger den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt. Der in Australien geborene Schauspieler war im Januar 2008 im Alter von 28 Jahren gestorben - vergangene Nacht nahmen daher seine Eltern und seine Schwester die Ehrung in Empfang. Ledger wurde für seine Rolle als der Superschurke Joker im Batman-Film "The Dark Knight" ausgezeichnet.

Beste Nebendarstellerin wurde die spanische Schauspielerin Penélope Cruz mit ihrer Rolle in Woody Allens romantischer Komödie "Vicky Cristina Barcelona".

Und Romantik ist auch das Thema des Oscar-prämierten Animationsfilms "Wall-E" aus dem Hause Pixar: Da liebt ein rostiger Roboter ein schickes, iPhone-artiges Roboter-Girl.

Oscars 2009 - Die Gewinner
Bester Film "Slumdog Millionaire"
Bester fremdsprachiger Film "Okuribito" (Japan)
Bester Animationsfilm "Wall-E"
Beste Darstellerin (Hauptrolle) Kate Winslet ("Der Vorleser")
Bester Darsteller (Hauptrolle) Sean Penn ("Milk")
Beste Darstellerin (Nebenrolle) Penélope Cruz ("Vicky Cristina Barcelona")
Bester Darsteller (Nebenrolle) Heath Ledger ("The Dark Knight")
Beste Regie Danny Boyle ("Slumdog Millionaire")
Bestes Original-Drehbuch Dustin Lance Black ("Milk")
Bestes adaptiertes Drehbuch Simon Beaufoy ("Slumdog Millionaire")
Beste Kamera "Slumdog Millionaire"
Bester Schnitt "Slumdog Millionaire"
Bester Ton "The Dark Knight"
Beste Toneffekte "Slumdog Millionaire"
Beste Filmmusik A.R. Rahman ("Slumdog Millionaire")
Bester Filmsong Jai Ho ("Slumdog Millionaire")
Beste Kostüme "Die Herzogin"
Beste Maske "Der seltsame Fall des Benjamin Button"
Beste Ausstattung (Szenenbild) "Der seltsame Fall des Benjamin Button"
Beste Spezial-Effekte "Der seltsame Fall des Benjamin Button"
Bester Dokumentarfilm "Man on Wire"
Bester kurzer Dokumentarfilm "Smile Pinki"
Bester kurzer Trickfilm "La Maison en Petits Cubes"
Bester kurzer Realfilm "Spielzeugland" (Jochen Alexander Freydank, Deutschland)
Ehren-Oscar Jerry Lewis

dan/tdo

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Forum - Die Oscars 2009 - eine gute Wahl?
insgesamt 40 Beiträge
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1.
bennysalomon, 23.02.2009
Ja, eine gute Wahl, bis auf den leer ausgegangenen Mickey Rourke.
2.
DJ Doena 23.02.2009
Die 81sten Academy Awards: «And the Oscars went to ... (http://www.serienjunkies.de/news/die-81sten-20924.html)
3.
M.Gietz, 23.02.2009
Zitat von bennysalomonJa, eine gute Wahl, bis auf den leer ausgegangenen Mickey Rourke.
Ja finde ich auch schade. "The wrestler" ist mal wieder ein Film seit langem, auf den ich mich wirklich freue. Und "Gran Torino" natürlich.
4. Unfassbar
Hercules Rockefeller, 23.02.2009
Unfassbar, das Mickey Rourke den Oscar nicht bekommen hat. Ich habe selten, ja eigentlich noch nie einen Film gesehen, bei dem ein Hauptdarsteller es derart vollbracht hat, seine Figur lebendig werden zu lassen und sich selbst völlig unsichtbar. Bei anderen Stars vergisst man nie "das ist doch der soundso", in diesem Film ist Rourke aber dieser Wrestler und man zweifelt keine Sekunde. Den Sean Penn Film habe ich nicht gesehen, aber anhand der Trailer die gezeigt wurden hat er mich nicht beeindruckt.
5. Oscar 2009
danki 23.02.2009
Wie jedes Jahr hat sich Hollywood selbst gefeiert.Die Millionäre und sog.Schönen waren unter sich,wobei man berechtigte Zweifel nach den Auswahlkriterien haben kann. Hier in Deutschland hätten einige von den Darstellern bestenfalls noch die Abwrackprämie erhalten.
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