Oscar-Academy Neue Mitglieder sollen für mehr Vielfalt sorgen

Nach der OscarsSoWhite-Debatte versucht die Academy umzusteuern: Sie lud 638 neue Mitglieder ein, so viele wie noch nie. Sie sollen dafür sorgen, dass die Oscars jünger, weiblicher und vielfältiger werden.

Idris Elba
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Idris Elba


John Boyega und Emma Watson, Greta Gerwig und Idris Elba gehören zu den Künstlern, die die Academy of Motion Picture Arts and Sciences eingeladen hat. Auch die deutschen Regisseurinnen Maren Ade und Margarethe von Trotta dürfen der Academy beitreten. Insgesamt sollen 638 neue Mitglieder in die Organisation aufgenommen werden, die die jährliche Oscarverleihung ausrichtet. Das meldet das Branchenblatt "Variety".

An der Preisverleihung entzündete sich 2016 scharfe Kritik, der die Academy nun entgegenkommen will. Unter dem Twitter-Hashtag OscarsSoWhite subsumierte sich der Ärger über eine Organisation, die als Verein alter weißer Männer wahrgenommen wurde.

Schwarze Künstler wie Spike Lee und "Creed"-Regisseur Ryan Coogler boykottierten die Preisverleihung, bei der künstlerisch herausragende Filme der Black community wie "Chi-Raq" nicht einmal nominiert worden waren. Auch der furiose Auftritt des nun eingeladenen Schauspielers Idris Elba in dem Kriegsfilm "Beasts of No Nation" war von den Academy-Mitgliedern ignoriert worden.

Emma Watson
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Emma Watson

Bis 2020 soll nun alles anders werden, gelobte Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaac daraufhin: Zuhören und zustimmen reiche nicht. Jeder in der Entertainment-Industrie müsse Minderheiten und People of Colour empfehlen, einbinden und beschäftigen.

Die Academy will mit gutem Beispiel vorangehen. Ob die neuen Mitglieder allerdings den großen Umschwung bringen, darf bezweifelt werden, auch wenn mehr als doppelt so viele eingeladen wurden wie 2015. Zwar vermeldet die Academy stolz, die neue "Klasse" bestehe aus 46 Prozent Frauen und 41 Prozent People of Colour.

Damit steigt der Anteil der Academy-Mitglieder insgesamt allerdings nur auf 27 Prozent bei den Frauen und 11 Prozent bei den Menschen aus anderen Ethnien. Mit anderen Worten: Die Academy besteht noch immer zu 89 Prozent aus Weißen und zu mehr als zwei Dritteln aus Männern.

Damit ist und bleibt sie vorerst Ausdruck einer Industrie, in der der Wille zu ethnischer und geschlechtlicher Vielfalt wenig mehr ist als ein Lippenbekenntnis. Durch viele Meldungen der letzten Monate wurde im Gegenteil der noch immer vorhandene strukturelle Rassismus in Hollywood deutlich.

Tilda Swinton spielt in der Comicverfilmung "Dr. Strange" eine Figur, die ursprünglich Tibeter war, Scarlett Johanssen wurde für die Manga-Verfilmung "Ghost In A Shell" statt einer japanischen Schauspielerin besetzt, das Ensemble der romantischen Komödie "Aloha" besteht ausschließlich aus Weißen (auf einer Insel, deren Bevölkerung zu 70 Prozent aus Nichtweißen besteht). Whitewashing gehört in Hollywood noch immer nicht der Vergangenheit an.

kae



insgesamt 4 Beiträge
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gekreuzigt 30.06.2016
1. Quantität statt Qualität.
Alles wird gut.
brehn 30.06.2016
2.
Na was gibts auch wichtigeres als angebliche Diskriminierung bei irgendwelchen Filmpreisen...da muss was (öffentlichkeitswirksam) gemacht werden!! Wenn dann die moralisch einwandfreie Blase um den Filmklüngel aufgepustet ist, ist wieder alles schön...
5b- 30.06.2016
3. Schubladendenken
Müssen "farbige" Frauen nun mehr unterstützt werden weil sie ja in gleich zwei Minderheiten sind? Ist nicht gerade das auch engstirnig? Ich denke es ist überzogen nun öffentlichkeitswirksam so zu tun als könne man durch ein paar Entscheidungen alles gerade richten. Ich verstehe nicht warum man sich nun über Filme wie Dr. Strange und Ghost in a Shell aufregt. Da würde ich eher darüber die Stirn runzeln, dass Disney immer noch behauptet den Lion King nicht in Japan von Kimba the White Lion abgekupfert zu haben. Ehrlich? Kimba und Simba: Nichteinmal bei dem Namen steckt wirkliche Kreativität. Dann sollte sich jemand in Japan dafür einsetzen, dass die Anime und Mangafiguren mehr wie Japaner aussehen sollen. Es ist auch völlig egal ob die Japaner das gut finden oder nicht. Es geht ja darum alle Rassen sauber zu trennen, in Schubladen zu stecken und dann hinterher zu sagen, es sind alle gleich. Eigentlich hätte man es sich sparen können und alle Schubladen auf einem großen Haufen Film-und-Fernsehen oder Comics-und-Cartoons ausleeren sollen. Aber nein, nun ist es ganz wichtig was für eine Ethnie ein Charakter und Schauspieler haben und ob sie männlich oder weiblich sind. Ganz normal finden wir es, dass ein weiblicher Charakter auch von einer Frau, und ein Afroamerikanischer von einem Schwarzen gespielt werden muss. Natürlich ist es ein Fortschritt wenn man sich ansieht wir "Weiße" Afrikaner und Inder dargestellt haben. Ich warte noch darauf, dass Lars von Trier in einem seiner Filme Frauen von Männern und Schwarze von Weißen spielen lässt.
uzsjgb 30.06.2016
4.
Zitat von brehnNa was gibts auch wichtigeres als angebliche Diskriminierung bei irgendwelchen Filmpreisen...da muss was (öffentlichkeitswirksam) gemacht werden!! Wenn dann die moralisch einwandfreie Blase um den Filmklüngel aufgepustet ist, ist wieder alles schön...
Warum macht es Ihnen so viel Angst, wenn die Zusammensetzung der Oscar-Academy der gesellschaftlichen Realität näherkommt?
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