Minderheiten-Kontroverse Charlotte Rampling findet Oscar-Boykott rassistisch

Kinostar Charlotte Rampling ist in diesem Jahr für einen Oscar nominiert. Zur Rassismus-Kontroverse befragt, sagte sie in einem Interview Befremdliches - und musste sich umgehend erklären.

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Charlotte Rampling ist zum ersten Mal für einen Oscar nominiert und sorgt bereits vor der Preisverleihung für erhebliches Aufsehen: Der angekündigte Boykott einiger ihrer Kollegen sei "rassistisch gegenüber Weißen", sagte sie dem französischen Radiosender Europe 1. Sie bezog sich dabei auf die Entscheidung vieler Kollegen, wegen des Mangels dunkelhäutiger Nominierter der Preisverleihung in diesem Jahr fernzubleiben.

Auf Nachfrage ihres Gesprächspartners ergänzte Rampling, dass "man es nie wirklich wissen kann" - aber: "Vielleicht haben schwarze Schauspieler manchmal einfach keinen Platz in der Endauswahl verdient." Es werde zudem immer das Problem geben, dass jemand zu schwarz oder zu weiß sei. "Es wird immer jemanden geben, über den Leute sagen: 'Du bist zu'", sagte Rampling. "Fangen wir jetzt also an, alles zu klassifizieren und Tausende kleine Minderheiten überall zu berücksichtigen?"

In einem weiteren Interview bemühte sich Rampling, die zuletzt im Beziehungsdrama "45 Years" glänzte, später um Schadensbegrenzung; ihre Äußerung sei missinterpretiert worden. "Ich meinte lediglich, dass in einer perfekten Welt jede Leistung gleiche Chancen bei einer Bewertung hätte", sagte sie CBS News. "Ich fühle mich sehr geehrt, in diesem Jahr zur wunderbaren Gruppe der nominierten Darstellerinnen und Darsteller zu gehören." Sie bedaure das Missverständnis.

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Auch der zweifache Oscar-Gewinner Michael Caine äußerte sich in einem Radio-Interview zu der Debatte. Er forderte dunkelhäutige Schauspieler zur Geduld auf. "Ich habe Jahre gebraucht, um einen Oscar zu gewinnen", sagte der hellhäutige Brite dem Sender BBC Radio 4, und: "Man kann nicht für einen Darsteller stimmen, weil er schwarz ist."

Am Freitag hatte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit der Ankündigung neuer Regeln auf die anhaltende Debatte reagiert. Es seien historische Maßnahmen geplant, um mehr Minderheiten in die rund 7000 Mitglieder starke Organisation aufzunehmen und den Frauenanteil bis 2020 zu verdoppeln. Bei der jährlichen Berufung neuer Mitglieder soll aus einem vielfältigeren Pool geschöpft werden.

Damit reagierte die Oscar-Akademie auf die wachsende Kritik über die jüngste Nicht-Nominierung schwarzer Talente. Zum zweiten Mal in Folge hatten die Wähler der Filmakademie Afroamerikaner in den vier Schauspielkategorien für den wichtigsten Filmpreis der Welt ignoriert. Unter dem Hashtag #oscarssowhite wurde dies schon 2015 heftig in sozialen Netzwerken kritisiert.

Über die Oscar-Nominierungen und später auch Gewinner entscheiden die rund 7000 Filmschaffenden der Oscar-Akademie. 94 Prozent seien weiß, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren, ermittelte die "Los Angeles Times" im Jahr 2012.

mxw/Reuters/AP



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