Oscars 2019 Ellen DeGeneres bringt Kevin Hart erneut für Moderation ins Spiel

Moderiert Kevin Hart doch die Oscars? Nach seinem Rücktritt wegen Kritik an homophoben Witzen in der Vergangenheit hat Ellen DeGeneres sich für den 39-Jährigen starkgemacht - und bekommt dafür Gegenwind.

Kevin Hart und Ellen DeGeneres (Archiv)
Getty Images

Kevin Hart und Ellen DeGeneres (Archiv)


Im Dezember verkündete Kevin Hart innerhalb weniger Tage zunächst, dass er die Oscars moderieren werde und dann seinen Rücktritt von dem Job. Der Hintergrund waren schwulenfeindliche Tweets und Witze des Komikers aus den Jahren 2009 bis 2011. Nun stellt der US-amerikanische Schauspieler und Komiker eine mögliche Rückkehr auf die Showbühne in Aussicht. Er werde darüber nachdenken, sagte Hart in der "Ellen DeGeneres Show".

Der Comedian hatte eine offizielle Entschuldigung abgelehnt, jedoch bei Twitter geschrieben: "Ich entschuldige mich aufrichtig bei der LGBTQ-Community für meine unsensiblen Worte aus meiner Vergangenheit."

Moderatorin Ellen DeGeneres gab Hart nicht nur Rückendeckung, sondern setzte sich sogar aktiv für dessen Rückkehr als Oscar-Moderator ein: Sie habe bei der Oscar-Academy angerufen, die ihrer Aussage nach "begeistert" wäre, wenn Hart den Job doch übernehmen würde. Hart habe sich mehrfach für frühere schwulenfeindliche Äußerungen entschuldigt, sagte DeGeneres. Die 60-Jährige ist mit der Schauspielerin Portia de Rossi verheiratet.

Über die Reaktionen im Internet auf die Ankündigung seiner Oscarmoderation sagte Hart: "Das war kein Unfall, sondern ein Angriff". Man habe seine Karriere zerstören wollen. DeGeneres empfahl ihm, den Gegenwind der "Trolle" zu ignorieren. "Das ist eine kleine Gruppe Leute, die sehr, sehr laut ist. Wir sind eine riesige Gruppe, die dich liebt und dich bei den Oscars als Moderator sehen will."

Nicht jeder sieht DeGeneres' Engagement für Hart und die mögliche Rückkehr des Comedians auf die Oscar-Bühne positiv. Vor allem aus der LGBTQ-Community kam Kritik.

"Sich zu entschuldigen und weiterzumachen, macht die Welt nicht zu einem besseren Platz für Menschen, die homosexuell sind, oder Menschen, die transgender sind", sagte CNN-Journalist Don Lemon. Er sehe bei Hart kein "bedeutsames Engagement für die LGBT-Gemeinschaft".

Phillip Picardi, der Chefredakteur des "Out Magazine" schrieb bei Twitter "Ellen kann niemanden im Namen der Community vergeben." Die Moderatorin habe es versäumt, mit Hart ein produktives Gespräch über die Bedeutung seiner Worte und Haltung zu führen.

Auch der Fernsehautor Kris Rehl kritisierte in einem Gastbeitrag für den "Hollywood Reporter", dass Hart sich selbst als Opfer dargestellt habe: In dem Interview habe er versucht, die Kritiker als "Trolle" herabzusetzen, "anstatt die wirklichen Folgen seiner eigenen Worte zu beleuchten". Über DeGeneres' Unterstützung sei er schockiert gewesen.

Die Oscars werden in der Nacht zum 25. Februar in Los Angeles verliehen. Einen Ersatz für Hart hat die Academy bisher nicht benannt.

bbr/dpa/AP



insgesamt 14 Beiträge
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dasfred 05.01.2019
1. So geht es nicht Ellen
Er hat sich nun einmal dauerhaft disqualifiziert. Seine gestammelte Entschuldig kam erst, als sein auf Homophobie gegründetes Programm massiv öffentlich kritisiert wurde. Ich weiß nicht was Ellen mit ihm privat verbindet, aber sie kann ihm nicht im Namen der LGBT Community die Absolution erteilen.
m82arcel 05.01.2019
2.
Wenn jemand erst sagt, nicht um Entschuldigung bitten zu wollen, es dann aber lediglich aus Angst um die eigene Karriere doch tut, was ist die Entschuldigung dann wirklich wert? Zudem hatte ihm niemand verboten, die Oscars zu moderieren, sondern er hat sich selbst von der Moderation zurück gezogen. Sich jetzt deshalb als Opfer zu präsentieren, ist auch wieder ziemlich verlogen. Dass Ellen DeGeneres dies nun auch noch unterstützt, ist mir absolut unbegreiflich. Ich habe gerade gestern ihr hervorragendes Special "Relatable" gesehen, in dem sie mehrfach auch auf latente Homophobie anspielt und dazu aufruft, alle Menschen unabhängig von Sexualität und/oder Geschlecht als gleich viel Wert zu betrachten. Wie kann man da jemanden unterstützen, der öffentlich äußert, Angst zu haben, dass sein Sohn homosexuell werden könne? Ganz so "Relatable" ist sie dann wohl doch nicht.
torren 05.01.2019
3. Vorraussetzung?
Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, dass eine Vorraussetzung für den Job als Oscar-Moderator war, dass man sich für die LGBT-"Communiity" (wie auch immer die aussehen soll) einsetzen muss. Kevin Hart ist ein Comedian/Schauspieler, kein Politiker oder Aktivist. Wo steht in dem Artikel eigentlich, dass DeGeneres Harts Entschuldigung im Namen der Community annimmt? Das "wir lieben dich" bezieht sich allgemein auf die große Gruppe von Menschen, die nicht darauf aus sind, Harts Karriere zu zerstören, nicht auf die LGBT-Community als ganzes. Aber wenn man sich aufregen möchte, muss man es mit der Lesekompetenz eben nicht ganz so genau nehmen. @ dasfred: Kevin Harts Programm ist also auf Homophobie gegründet. Haben Sie dafür Belege? Kleiner Tip: Ein bis zwei Witze in dieser Richtung pro Special und ein paar Kommentare auf Twitter in der Richtung unterstützen diese Lesart nicht. Ich erwarte, dass Sie belegen können, dass Homophobie der Grundpfeiler von Harts Programmen ist.
Jott 05.01.2019
4.
Liebe Vorredner, das ist so nicht richtig: Er hat sich bereits mehrfach, schon vor Jahren, für seine dummen Tweets entschuldigt. Das diese Tweets jetzt, direkt nach der Bekanntgabe seines Engagements bei den Oscars, wieder hervorgekramt wurden, ist natürlich ein Angriff auf ihn. Das komplette Gespräch mit Ellen gibt's btw auf ihrer Homepage zu sehen.
dasfred 05.01.2019
5. Zu Nr. 3 torren
Wenn Kevin Hart gepostet hätte, ich könnte es nicht ertragen, wenn mein Sohn schwarz wird, dann hätte das noch einen Anflug von Humor und Selbstironie. Einfach auf den Schwuppen rumhacken, weil das beim primitiv Publikum gut ankommt, ist unterste Humorschiene und kein Zeichen für einen talentierten Comedian. Was mir richtig auf den Senkel geht, ist seine halbherzig nachgeschobene Entschuldigung. Keine echte Reue für gedankenlose blöde Witze aber auch nicht Manns genug, zu seinen früheren Postings zu stehen.
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