Los Angeles - So unberechenbar hat sich die Academy selten gezeigt: Bei den Nominierungen für die diesjährigen Oscars hat sich das Historiendrama "Lincoln" von Regisseur Steven Spielberg mit zwölf Nominierungen zwar als der erwartbare Favorit erwiesen. Unter anderem wurde das Porträt des legendären US-Präsidenten Abraham Lincoln am Donnerstagmorgen Ortszeit als bester Film des Jahres nominiert.
Doch "Liebe", die einfühlsame Studie eines alternden Paares des Österreichers Michael Haneke, ist die große Überraschung dieses Jahrgangs. Die französisch-deutsch-österreichische Co-Produktion könnte in fünf Kategorien einen Oscar holen, darunter als bester Film des Jahres und bester nicht-englischsprachiger Film. Haneke selbst ist für sein Originaldrehbuch und als bester Regisseur im Rennen - eine Ehre, die Quentin Tarantino und Kathryn Bigelow nicht zuteilwurde. In dieser Kategorie können sich neben Haneke und Spielberg noch Ang Lee ("Life of Pi"), David O'Russell ("Silver Linings") sowie Newcomer Benh Zeitlin ("Beasts of the Southern Wild") Hoffnungen machen.
In den Darstellerkategorien konnte vor allem "Silver Linings" überzeugen: Sowohl seine Hauptdarsteller Jennifer Lawrence und Bradley Cooper als auch seine Nebendarsteller Jackie Weaver und Robert De Niro wurden mit Nominierungen bedacht. Bei den Hauptdarstellerinnen ist die Bandbreite besonders groß: Mit der neunjährigen Quvenzhané Wallis ("Beasts of the Southern Wild") ist die jüngste Darstellerin überhaupt nominiert. Sie tritt gegen die 85-jährige Emmanuelle Riva ("Liebe") an, ebenso wie Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"). Naomi Watts ("The Impossible") schaffte es ebenfalls auf die Liste der fünf Nominierten, übergangen wurde Marion Cotillard, der für "Der Geschmack von Rost und Knochen" große Chancen ausgerechnet wurden.
Enttäuscht dürfte auch John Hawkes aus "The Sessions" sein: Er ist nicht als bester Hauptdarsteller dabei, stattdessen stimmte die Academy überraschenderweise für Hugh Jackmans Leistung im Musical "Les Misérables". Als Favorit gilt aber Daniel Day-Lewis für sein Porträt von Abraham Lincoln. Konkurrenz könnte ihm höchstens Joaquin Phoenix für "The Master" machen.
Eine kleine deutsche Oscar-Hoffnung ist bei den Dokumentarfilmen dabei: Die NDR-Koproduktion "The Gatekeeper" von Dror Moreh hat es auf die Liste der möglichen Preisträger geschafft. In dem Film sprechen die sonst so verschwiegenen ehemaligen Leiter des israelischen Geheimdienstes Shin Bet über ihre Arbeit.
Die Trophäen werden am 24. Februar zum 85. Mal verliehen. Die Gala wird vom US-Komiker Seth MacFarlane moderiert, der am Donnerstag auch die Nominierungen präsentierte.
In den Hauptkategorien lauten die Nominierungen wie folgt:
Bester Film: "Liebe", "Argo", "Beasts of the Southern Wild", "Django Unchained", "Les Misérables", "Life of Pi", "Lincoln", "Silver Linings Playbook", "Zero Dark Thirty"
Beste Regie: Michael Haneke, Benh Zeitlin, Ang Lee, Steven Spielberg, David O'Russell
Beste Hauptdarstellerin: Jessica Chastain, Jennifer Lawrence, Emmanuelle Riva, Quvenzhané Wallis, Naomi Watts
Bester Hauptdarsteller: Bradley Cooper, Daniel Day-Lewis, Hugh Jackman, Joaquin Phoenix, Denzel Washington
Beste Nebendarstellerin: Amy Adams, Sally Field, Anne Hathaway, Helen Hunt, Jacki Weaver
Bester Nebendarsteller: Alan Arkin, Robert De Niro, Philip Seymour Hoffman, Tommy Lee Jones, Christoph Waltz
Bestes Originaldrehbuch: "Liebe" (Michael Haneke), "Django Unchained" (Quentin Tarantino), "Flight" (John Gatins), "Moonrise Kingdom" (Wes Anderson & Roman Coppola), "Zero Dark Thirty" (Mark Boal)
Bestes Adaptiertes Drehbuch: "Argo" (Chris Terrio), "Beasts of the Southern Wild" (Lucy Alibar & Benh Zeitlin), "Life of Pi" (David Magee), "Lincoln" (Tony Kushner), "Silver Linings Playbook" (David O. Russell)
Bester Fremdsprachiger Film: "Liebe", "Kon-Tiki", "No", "A Royal Affair", "War Witch"
hpi/dpa
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