Oscar-Verleihung Rekordbeteiligung für Auslands-Oscar

Insgesamt 61 Länder wollen dieses Mal beim Rennen um die Oscars dabei sein - eine Rekordbeteiligung. Doch gibt es einen Regisseur, der sich dem Rummel verweigert: Der Finne Aki Kaurismäki will nicht, dass sein Film "Lichter der Dämmerung" überhaupt nominiert wird.


Los Angeles - Alle wollen dabei sein, wenn am 25. Februar 2007 in Hollywood die begehrtesten Filmtrophäen der Welt vergeben werden. Sogar Kasachstan hat erstmals einen Film eingesandt. Insgesamt gehen dieses Mal nicht weniger als 61 Länder ins Rennen um den Oscar in der Kategorie "nicht englischsprachiger Film". Das sei eine Rekordbeteiligung, teilte die Film-Akademie in Los Angeles mit. Für Deutschland wird das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" von Debütfilmer Florian Henckel von Donnersmarck in den Wettbewerb um eine Nominierung als bester Auslandsfilm gehen.

Der deutsche Beitrag muss sich gegen starke Konkurrenten behaupten: Aus Spanien schickte Erfolgsregisseur Pedro Almodóvar die Komödie "Volver", Frankreich versucht mit "Ein perfekter Platz" zu punkten.

Nur einer widersetzt sich standhaft dem Oscar-Rummel: Finnland hatte den Film "Lichter in der Dämmerung" ("Laitakaupungin valot") eingeschickt, doch dessen Regisseur Aki Kaurismäki verweigerte seine Unterschrift unter eine entsprechende Bewerbung bei der US- Filmakademie. Er ging sogar noch weiter und verlangte und vom nationalen Filminstitut die Einstellung aller Aktivitäten in Richtung Oscar-Nominierung. Offenbar bemühen sich Mitarbeiter der Academy derzeit, den exzentrischen Filmemacher in Gesprächen umzustimmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kaurismäki sein problematisches Verhältnis zu den Oscars im Besonderen und zu den USA und ihrer Außenpolitik im Allgemeinen öffentlich macht. Bereits 2003 hatte er seine Teilnahme an der Preis-Verleihung in Los Angeles abgesagt. Er war mit seinem Film "Der Mann ohne Vergangenheit" für den Oscar nominiert gewesen. In seinem Brief an die Akademie schrieb er damals: "Sie sind sich sicher dessen bewusst, dass wir nicht im glorreichsten Moment der Menschheitsgeschichte leben. Deshalb können weder ich noch sonst jemand von der Sputnik GmbH an diesem Oscar-Event in einem Moment teilnehmen, in dem die Vereinigten Staaten ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit aus schamlosen wirtschaftlichen Interessen vorbereiten. Dies ist eine Wahl der Moral, die nicht schwerer wiegt als ein Sandkorn in dieser verrückten Welt."

Für Deutschland war im vergangenen Jahr das Drama "Sophie Scholl - Die letzten Tage" über die NS-Widerstandskämpferin ins Rennen gegangen und von der Academy auch in die Endrunde gewählt worden. Bei der Preisvergabe ging "Sophie Scholl" jedoch leer aus. Den bisher letzten Oscar für Deutschland holte die Münchner Regisseurin Caroline Link 2003 für "Nirgendwo in Afrika".

Im Januar 2007 wählt die Academy of Motion Picture Art and Sciences aus den weltweiten Vorschlägen die fünf Finalisten aus.

hoc/dpa



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