Oscars 2011 Stotter-König besteigt Hollywoods Thron

Das royale Rührstück "The King's Speech" hat die Top-Kategorien gewonnen, der Traum-Thriller "Inception" die technischen Disziplinen, und auch für den Facebook-Film fanden sich noch drei Goldjungs: Bei der 83. Oscar-Verleihung hatte jeder Spaß - bis auf die Zuschauer und ein Bruderpaar.

Von , und , Hamburg und Los Angeles


Los Angeles/Hamburg - Immerhin, Kirk Douglas schien seinen Spaß gehabt zu haben - selbst wenn viele Zuschauer von seinem Auftritt seltsam berührt gewesen sein dürften. 94 Jahre ist die Schauspiellegende jetzt alt, und als sie die Bühne des Kodak Theatre in Los Angeles betrat und dort die Oscar-Vergabe an die beste Nebendarstellerin moderierte, werden sich etliche gefragt haben: Hätte man den Mann nicht vor sich selbst schützen müssen? Nicht nur war Douglas sehr schwach auf den Beinen, er blieb über weite Strecken seiner Rede fast unverständlich, so sehr nuschelte der große alte Mann des amerikanischen Kinos.

Das war's dann aber auch mit potentiellen Aufregern bei einer Zeremonie, die vor allem durch ihre Biederkeit auffiel - auch was die Preisvergabe angeht, denn die US-Filmkunst-Akademie verteilte die Oscars mit der Gießkanne. Vier Preise für " Inception", drei für " The Social Network", je zwei für "The Fighter", " Alice im Wunderland" und " Toy Story 3", der Hauptdarstellerinnen-Oscar für " Black Swan" - es wirkte, als sollte jeder Favorit ein bisschen was abbekommen.

Am Ende hebt sich mit " The King's Speech" allerdings doch ein Film von der Konkurrenz ab, obwohl er nach zwölf Nominierungen auch nur in vier Kategorien gewann. Das Historiendrama um den stotternden König George VI. und dessen Verhältnis zu seinem Sprachtherapeuten gewann in der Nacht zu Montag drei der vier wichtigsten Preise, darunter die Königskategorie, den Oscar für den besten Film. Auch Tom Hooper, Regisseur des gefälligen Erbauungsfilms, und der brillante Hauptdarsteller Colin Firth konnten die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen, dazu wurde das Original-Drehbuch von David Seidler ausgezeichnet.

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Die Sieger: And the Oscar goes to...
Firth protestierte recht energisch dagegen, dass die US-Zensurbehörde diese Woche nachträglich noch Flüche aus "The King's Speech" geschnitten habe, um den Film jugendfrei zu machen. "Das unterstütze ich nicht." Er persönlich hasse Schimpfwörter und Kraftausdrücke, vor allem, wenn seine Kinder in der Nähe seien. "Aber im Kontext des Films könnte das nicht erbaulicher, angemessener sein."

Steife Gags, dürftige Show-Einlagen

Der Oscar für die beste Hauptdarstellerin ging an die favorisierte Natalie Portman, die eine langsam wahnsinnig werdende Ballerina in "The Black Swan" verkörperte. "Das ist verrückt", rief die 29-jährige Portman nach ihrer Auszeichnung; eine Ansicht, die niemand recht teilen wollte: Portman erntete selbst von den sonst skeptischen Hollywood-Reportern im Backstage-Bereich des Kodak Theatre Applaus, so sehr gönnten ihr alle die Auszeichnung. Als sie den Journalisten gegenübertrat, wirkte sie scheu, sprach leise und sanft - und hielt ihren Oscar mit beiden Händen vor ihrem schwangeren Bauch umklammert.

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Mode auf dem Oscar-Teppich: The Good, the Bad, the...
Für Natalie Portman ist es der erste Oscar, sie konnte sich unter anderem gegen Nicole Kidman und Annette Bening durchsetzen. Beste Nebendarsteller wurden Melissa Leo und Christian Bale, die in David O. Russells "The Fighter", einem Sportlerdrama mit sozialkritischen Untertönen, einen in die Jahre gekommenen, drogenabhängigen Boxer und dessen Mutter spielen. Auch für den 37-jährigen Bale, den die meisten Kinogänger eher als Bruce Wayne alias Batman kennen dürften, ist es der erste Oscar.

Die Leistung der Moderatoren dagegen dürfte weniger enthusiastisch beurteilt werden: Mit steif vorgetragenen Gags und dürftigen Show-Einlagen hangelten sich Anne Hathaway und James Franco durch die Show. Das Jungschauspieler-Pärchen war engagiert worden, um jüngere Zuschauer anzusprechen, sah dabei aber schlecht aus und wurde mehr als einmal von den Gast-Moderatoren ausgestochen; etwa von Billy Crystal, der selbst bereits mehrfach durch Oscar-Verleihungen geführt hat und mit seinem charmant augenzwinkernden Ton das überforderte Moderatoren-Duo zumindest kurzzeitig vergessen ließ.

Christopher Nolans Science-Fiction-Thriller "Inception" gewann seine insgesamt vier Oscars in den technischen Kategorien (Kamera, Tonschnitt, Ton, Visuelle Effekte). Im Vorfeld als großer Konkurrent für "The King's Speech" gehandelt, gewann der Facebook-Film "The Social Network" drei Preise - für den Schnitt, die Filmmusik (von Nine-Inch-Nails-Mann Trent Reznor und Atticus Ross) und das beste adaptierte Drehbuch (von Aaron Sorkin) - aber verlor in den wichtigsten Kategorien gegen das Monarchendrama "The King's Speech".

Zum besten animierten Spielfilm wurde ein Sequel gekürt: "Toy Story 3". Die Auszeichnung für den besten nicht-englischsprachigen Film ging an die dänische Produktion "In a Better World". Zum besten Dokumentarfilm wurde "Inside Job" von Charles Ferguson und Audrey Marrs gewählt. Seinen zweiten Oscar bei seiner 20. Nominierung gewann Randy Newman. Die Academy-Mitglieder zogen seinen Filmsong "We Belong Together" aus "Toy Story 3" allen anderen vor.

Die in Nebenkategorien nominierten deutschen Oscar-Kandidaten gingen leer aus. Der in Frankfurt geborene Komponist Hans Zimmer war mit seiner Musik zu "Inception" ins Rennen gegangen. Ihn ereilte dasselbe Schicksal wie die Trickfilmer Jakob Schuh und Max Lang: kein Goldjunge. Die Filmemacher aus Ludwigsburg in Baden-Württemberg waren mit ihrem Werk "Der Grüffelo" in der Kategorie bester animierter Kurzfilm nominiert. Für die besten Spezialeffekte wurden die Computerspezialisten von "Inception" ausgezeichnet - und nicht der Deutsche Stephan Trojanski, der an Clint Eastwoods Drama "Hereafter" beteiligt war.

Ohne Trophäe kehren auch Joel und Ethan Coen von der 83. Oscar-Gala zurück. Ihr Western "True Grit" war in zehn Kategorien nominiert, gewann aber in keiner - der einzige Favorit, den die Academy offenbar überhaupt nicht bedenken wollte. Die Regie-Brüder dürfte es da wenig getröstet haben, dass die Veranstalter die Show mit einer Kinderchor-Version des Kitsch-Klassikers "Somewhere over the Rainbow" beendeten. Aber da die Coens bereits zuvor zu Oscar-Ehren gekommen sind, werden sie die kleine Niederlage vermutlich bald vergessen - so wie viele Zuschauer eine recht maue Zeremonie.

Die Oscar-Gewinner 2011

Bester Film "The King's Speech"
Hauptdarstellerin Natalie Portman, "Black Swan"
Hauptdarsteller Colin Firth, "The King's Speech"
Nebendarstellerin Melissa Leo, "The Fighter"
Nebendarsteller Christian Bale, "The Fighter"
Regie Tom Hooper, "The King's Speech"
Nicht-englischsprachiger Film "In a Better World", Susanne Bier, Dänemark
Adaptiertes Drehbuch Aaron Sorkin, "The Social Network"
Original-Drehbuch David Seidler, "The King's Speech"
Kamera Wally Pfister, "Inception"
Schnitt Angus Wall, Kirk Baxter, "The Social Network"
Ausstattung Robert Stromberg, Karen O'Hara, "Alice in Wonderland"
Kostümdesign Colleen Atwood, "Alice in Wonderland"
Ton "Inception"
Ton-Schnitt "Inception"
Maske Rick Baker, "The Wolfman"
Spezial-Effekte "Inception"
Original-Filmmusik Trent Reznor and Atticus Ross, "The Social Network"
Original-Song Randy Newman, "We Belong Together" aus "Toy Story 3"
Kurzfilm "God of Love"
Animationsfilm "Toy Story 3"
Animations-Kurzfilm "The Lost Thing"
Dokumentarfilm "Inside Job"
Kurz-Dokumentarfilm "Strangers No More"

feb/tdo/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
hajoschneider 28.02.2011
1. .
Zitat von sysopDas*royale Rühr-Stück "The King's Speech"*hat die Top-Kategorien gewonnen, der Traum-Thriller "Inception" die technischen Disziplinen, und auch für*den Facebook-Film*fanden sich noch drei Goldjungs:*Bei der*83. Oscar-Verleihung hatte jeder*Spaß - bis auf*die*Zuschauer und*ein Bruderpaar. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,748021,00.html
Wie schön, dass sich die Bildredaktion endlich mal wieder um die wirklich wichtigen Dinge dieses Lebens kümmert.
FastFertig, 28.02.2011
2. Alles Scheißfilme
Die Oskars gehen wie immer an den uninteressanten Mist. Wen interessiert denn die Geschichte von so einem Inzest-Tommy der nicht richtig sprechen kann? Wen interessiert das selbstauferlegte Leiden einer Teilnehmerin an so einer Randkultur wie Ballet? Oder dieser Traumkäse. Warum werden nicht die richtig guten Filme vom letzten Jahr ausgezeichnet? Zum Beispiel:
Damon Ridenow 28.02.2011
3. .
Die meisten der nominierten Filme kenne ich nicht, daher werd ich nichts dazu sagen. Nur "Alice im Wunderland" und "True Grit" hab ich gesehen. Und dass True Grit keinen Goldjungen bekam, trotz mehrfacher Nominierung, find ich angemessen. Ein Film, der so dröge, fad und inhaltsarm ist, braucht keine Auszeichnung ^^
tvinnefossen 28.02.2011
4. ....
Zitat von FastFertigDie Oskars gehen wie immer an den uninteressanten Mist. Wen interessiert denn die Geschichte von so einem Inzest-Tommy der nicht richtig sprechen kann? Wen interessiert das selbstauferlegte Leiden einer Teilnehmerin an so einer Randkultur wie Ballet? Oder dieser Traumkäse. Warum werden nicht die richtig guten Filme vom letzten Jahr ausgezeichnet? Zum Beispiel:
Kurz und knapp: Mich!
Zapallar 28.02.2011
5.
Guttenbergaffäre und Academy Awards ... nein was freu ich mich, so schlimm kann's um unser Land garnicht stehen wenn solche Themen top news an Montagmorgen sind :)
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