Hollywood Neun Oscar-Nominierungen für "Grand Budapest Hotel" und "Birdman"

Überraschung bei den Oscars: Mit neun Nominierungen ziehen die Komödien "Grand Budapest Hotel" und "Birdman" an der Konkurrenz vorbei. Wim Wenders ist mit seinem Dokumentarfilm "The Salt of the Earth" nominiert.

DPA/ 20th Century Fox

Die Komödien "Grand Budapest Hotel" und "Birdman" triumphieren bei den Oscar-Nominierungen: In jeweils neun Kategorien sind die Filme im Rennen um den wichtigsten Filmpreis der Welt. Dahinter folgen das Weltkriegsdrama "The Imitation Game" (acht Nominierungen), die Coming-of-Age-Geschichte "Boyhood" und Clint Eastwoods Biopic "American Sniper" mit jeweils sechs Nominierungen sowie die Psycho-Studie "Foxcatcher" und das Stephen-Hawking-Biopic "Die Entdeckung der Unendlichkeit" mit fünf Nominierungen.

Das zuvor hochgelobte Drama "Selma" über Martin Luther King Jr. wurde dagegen überraschend oft übergangen: Weder Regisseur Ava DuVernay noch Hauptdarsteller David Oyelowo wurden mit Nominierungen bedacht. Dafür ist der Film einer von acht Kandidaten in der Hauptkategorie "Bester Film".

Während die Show-Business-Satire "Birdman" schon frühzeitig als Oscar-Kandidat gehandelt wurde, überrascht der Erfolg von "Grand Budapest Hotel". Da der Film vor fast einem Jahr Premiere bei der Berlinale feierte, galt es als wenig wahrscheinlich, dass sich die Academy gut an ihn erinnern würde. Nun kann sich Wes Anderson über Nominierungen freuen, die von den technischen Kategorien (Ausstattung, Maske, Schnitt) bis zu den künstlerischen (Regie, Drehbuch, bester Film) reichen.

Bei den Hauptdarstellerinnen wurden erwartungsgemäß Julianne Moore ("Still Alice"), Reese Witherspoon ("Der große Trip - Wild"), Rosamunde Pike ("Gone Girl") und Felicity Jones ("Die Entdeckung der Unendlichkeit") nominiert. Dass die Französin Marion Cotillard ("Zwei Tage, eine Nacht") es ebenfalls in die Auswahl geschafft hat, war hingegen völlig unerwartet. Ihre Darstellung als Angestellte, die um ihren Job kämpfen muss, wurde zwar sehr gelobt. Da das Sozialdrama der Dardenne-Brüder nicht einmal auf die Shortlist für den Auslands-Oscar kam, galt ihre Nominierung aber als ausgeschlossen.

Bei den Hauptdarstellern schob sich in letzter Sekunde noch Bradley Cooper ("American Sniper") in die Auswahl. Er wird wohl Jake Gyllenhaal verdrängt haben, der als sicherer Kandidat für "Nightcrawler" galt. Um den Oscar als bester Hauptdarsteller konkurrieren außerdem Benedict Cumberbatch ("The Imitation Game", deutsch: "Ein streng geheimes Leben"), Michael Keaton ("Birdman") und Steve Carell ("Foxcatcher"). Als Favorit gilt aber Eddie Redmayne für sein Porträt Stephen Hawkings in "Die Entdeckung der Unendlichkeit".

Der polnische Film "Ida" und der russische Beitrag "Leviathan" wurden erwartungsgemäß als beste fremdsprachige Filme nominiert. Dass der in Schwarz-Weiß und im Akademie-Format gedrehte "Ida" zudem in der Kategorie "Beste Cinematografie" gewürdigt wurde, deutet daraufhin, dass er sich auch durchsetzen wird.

Der Deutsche Wim Wenders schaffte es mit seinem Künstlerporträt "The Salt of the Earth" unter die fünf Kandidaten für den besten Dokumentarfilm. Gegen die Konkurrenz von Laura Poitras' "Citizenfour" über Edward Snowden dürfte er es aber sehr schwer haben.

Die Oscars werden am 22. Februar in Los Angeles verliehen. Moderiert wird die Gala in diesem Jahr von "How I Met Your Mother"-Star Neil Patrick Harris. 2014 war das Sklaverei-Drama "12 Years a Slave" als bester Film ausgezeichnet worden.

Die Nominierungen in den wichtigsten Kategorien im Überblick:

Bester Film:

  • "American Sniper" Clint Eastwood, Robert Lorenz, Andrew Lazar, Bradley Cooper und Peter Morgan (Produzenten)
  • "Birdman" Alejandro G. Iñárritu, John Lesher und James W. Skotchdopole
  • "Boyhood" Richard Linklater und Cathleen Sutherland
  • "Grand Budapest Hotel" Wes Anderson, Scott Rudin, Steven Rales und Jeremy Dawson
  • "The Imitation Game" Nora Grossman, Ido Ostrowsky und Teddy Schwarzman
  • "Selma" Christian Colson, Oprah Winfrey, Dede Gardner und Jeremy Kleiner
  • "Die Entdeckung der Unendlichkeit" Tim Bevan, Eric Fellner, Lisa Bruce und Anthony McCarten
  • "Whiplash" Jason Blum, Helen Estabrook und David Lancaster
  • Beste Regie:

  • "Birdman" Alejandro G. Iñárritu
  • "Boyhood" Richard Linklater
  • "Foxcatcher" Bennett Miller
  • "The Grand Budapest Hotel" Wes Anderson
  • "The Imitation Game" Morten Tyldum
  • Beste Hauptdarstellerin:

  • Marion Cotillard in "Zwei Tage, eine Nacht"
  • Felicity Jones in "Die Entdeckung der Unendlichkeit"
  • Julianne Moore in "Still Alice"
  • Rosamund Pike in "Gone Girl"
  • Reese Witherspoon in "Wild"
  • Bester Hauptdarsteller:

  • Steve Carell in "Foxcatcher"
  • Bradley Cooper in "American Sniper"
  • Benedict Cumberbatch in "The Imitation Game"
  • Michael Keaton in "Birdman"
  • Eddie Redmayne in "Die Entdeckung der Unendlichkeit"
  • Beste Nebendarstellerin:

  • Patricia Arquette in "Boyhood"
  • Laura Dern in "Wild"
  • Keira Knightley in "The Imitation Game"
  • Emma Stone in "Birdman"
  • Meryl Streep in "Into the Woods"
  • Bester Nebendarsteller:

  • Robert Duvall in "Der Richter - Recht oder Ehre"
  • Ethan Hawke in "Boyhood"
  • Edward Norton in "Birdman"
  • Mark Ruffalo in "Foxcatcher"
  • J.K. Simmons in "Whiplash"
  • Bestes Originaldrehbuch:

  • "Birdman" (Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr. & Armando Bo)
  • "Boyhood" (Richard Linklater)
  • "Foxcatcher" (E. Max Frye and Dan Futterman)
  • " Grand Budapest Hotel" (Anderson & Hugo Guinness)
  • "Nightcrawler" (Dan Gilroy)
  • Bestes adaptiertes Drehbuch:

  • "American Sniper" (Jason Hall)
  • "The Imitation Game" (Graham Moore)
  • "Inherent Vice" (Paul Thomas Anderson)
  • "Die Entdeckung der Unendlichkeit" (Anthony McCarten)
  • "Whiplash" (Damien Chazelle)
  • Bester Schnitt:

  • "American Sniper" Joel Cox and Gary D. Roach
  • "Boyhood" Sandra Adair
  • "Grand Budapest Hotel" Barney Pilling
  • "The Imitation Game" William Goldenberg
  • "Whiplash" Tom Cross
  • Beste Cinematografie:

  • "Birdman" Emmanuel Lubezki
  • "Grand Budapest Hotel" Robert Yeoman
  • "Ida" Lukasz Zal and Ryszard Lenczewski
  • "Mr. Turner" Dick Pope
  • "Unbroken" Roger Deakins
  • Bester Animationsfilm:

  • "Big Hero 6" Don Hall, Chris Williams und Roy Conli
  • "The Boxtrolls" Anthony Stacchi, Graham Annable und Travis Knight
  • "How to Train Your Dragon 2" Dean DeBlois und Bonnie Arnold
  • "Song of the Sea" Tomm Moore und Paul Young
  • "The Tale of the Princess Kaguya" Isao Takahata und Yoshiaki Nishimura
  • Bester Dokumentarfilm:

  • "CitizenFour" Laura Poitras, Mathilde Bonnefoy und Dirk Wilutzky
  • "Finding Vivian Maier" John Maloof und Charlie Siskel
  • "Last Days in Vietnam" Rory Kennedy und Keven McAlester
  • "The Salt of the Earth" Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado und David Rosier
  • "Virunga" Orlando von Einsiedel und Joanna Natasegara
  • Bester fremdsprachiger Film:

  • "Ida" Polen
  • "Leviathan" Russland
  • "Tangerines" Estland
  • "Timbuktu" Mauretanien
  • "Wild Tales" Argentinien
  • hpi

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