"La La Land" statt "Moonlight" Panne bei den Oscars - falscher Film als Gewinner ausgerufen

Was war das denn? Die 89. Oscarverleihung endete in völliger Verwirrung: Die Filmstars Warren Beatty und Faye Dunaway, die verkünden sollten, welcher der beste Film des Jahres war, sagten: "La La Land", alle feierten - doch die Ansage war falsch.


Die Show war nur mäßig spannend, doch ganz am Ende gab's einen echten Wachmacher bei der Oscarverleihung: In der wichtigsten Kategorie des Abends, "bester Film", wurde der falsche Gewinner verkündet - "La La Land" statt "Moonlight".

Filmstar Warren Beatty, der gemeinsam mit Faye Dunaway den Sieger verlesen sollte, öffnete den Umschlag mit dem Gewinnertitel, zögerte lange, dann hieß es "The Oscar goes to... 'La La Land'." Die Filmcrew des Musicals kam auf die Bühne, der Produzent setzte zur Dankesrede an... und wurde unterbrochen. Denn offenbar war eine Panne passiert: Nicht "La La Land" hatte gewonnen, sondern das Drama "Moonlight".

Gastgeber Jimmy Kimmel entschuldigte sich, nachdem er den Fehler aufgedeckt hatte: "Ich wusste, ich würde diese Show vermasseln." Beatty lachte nervös. Auf der Karte habe "Emma Stone, 'La La Land'" gestanden, sagte er. Deshalb habe er auch so lange gezögert.

Eine mögliche Erklärung: Es könnten Umschläge vertauscht worden sein. Offenbar existiert von jedem Brief, in dem die Karte mit den Gewinnernamen steckt, eine Kopie, zur Sicherheit. In diesem Fall könnte Beatty und Dunaway statt dem Brief mit dem Gewinnerfilm eine zweite Umschlag-Ausgabe der Kategorie "Beste Schauspielerin" ausgehändigt worden sein - und auf der Karte stand eben "Emma Stone in "'La La Land'". Die Ermittlungen zu der Panne laufen in Los Angeles gerade auf Hochtouren.

Emma Stone freute sich jedenfalls für die Kollegen von "Moonlight": "Ich glaube, es ist einer der besten Filme aller Zeiten."

Favorit "La La Land" setzt sich durch

"La La Land" war trotzdem der große Gewinner des Abends. Der Film war in 14 Kategorien nominiert und gewannt am Ende sechs davon. Darunter unter anderem für die beste Kamera, beste Filmmusik und die beste Regie.

Hauptdarstellerin Emma Stone wurde außerdem zur besten Schauspielerin gekürt und setzte sich gegen Meryl Streep, Natalie Portman, Ruth Negga und Isabelle Huppert durch. In der Kategorie "bester Hauptdarsteller" zeichnete die Akademie Casey Affleck für seine Darbietung in "Manchester by the Sea" aus.

Der deutsche Beitrag "Toni Erdmann" ging bei der Oscarverleihung leer aus. Auch für den deutschen Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen und den Komponisten Hauschka gab es keine Oscars.

Bester Film
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Beste Hauptdarstellerin
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Bester Hauptdarsteller
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Beste Nebendarstellerin
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Bester Nebendarsteller
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Beste Regie
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Der Preis für den besten fremdsprachigen Film ging stattdessen an "The Salesman" aus Iran. Regisseur Ashgar Farhadi nahm die Trophäe aus Protest gegen die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump jedoch nicht persönlich entgegen.

"Meine Abwesenheit geschieht aus Respekt vor den Einwohnern meines Landes und den sechs anderen Ländern, denen durch den unmenschlichen Einreisestopp der USA Verachtung entgegengebracht wird", ließ Farhadi vorlesen. "Wer die Welt in Kategorien von 'Wir' und 'unsere Feinde' einteilt, schafft Angst", zitierte Anousheh Ansari weiter aus dem Statement. "Filmemacher kreierten Empathie zwischen uns und anderen, eine Empathie, die wir heute mehr denn je bräuchten."

Farhadis Statement war zunächst die deutlichste Kritik am umstrittenen US-Präsidenten. Im Vorfeld war viel darüber spekuliert worden, wie politisch die Oscarverleihung in diesem Jahr werden würde. Gastgeber Jimmy Kimmel eröffnete seine Moderation auch gleich mit Anspielungen auf Trump. Doch insgesamt hielten sich die Laudatoren und Preisträger zunächst mit scharfer Kritik zurück.

"Kunst kennt keine Grenzen"

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Kimmel sprach in seiner Moderation auch den Rassismusvorwurf an, den es nach der Oscarverleihung im vergangenen Jahr gegen die Akademie gegeben hatte. Damals waren alle Preise an Weiße vergeben worden. Dass es in diesem Jahr anders würde, wurde gleich zu Beginn deutlich: Mahershala Ali erhielt die erste Trophäe der Nacht für seine Rolle als Nebendarsteller in "Moonlight". Als beste Nebendarstellerin wurde wenig später Viola Davis für ihre Darstellung in "Fences" ausgezeichnet.

brk/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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hefe21 27.02.2017
1. Was war das denn?
Der endgültige Beweis, dass die Diskrepanz aus medialer weltweiter Aufmerksamkeit und tatsächlicher Bedeutung des aufgeblasenen Oscargetrötes allmählich auch der Presse auffallen müsste. Da werden flächendeckend Titelseiten freigeschaufelt für den La la Mist aus Tinseltown, obwohl sich das Ganze schon längst den erschütternden hierzulandigen Preisaufdrängungen angeglichen hat. Aber der Schnappreflex nach den vermeintlichen Konsensthemen ist wohl unausrottbar.
Ontologix II 27.02.2017
2. Einfach ignorieren
Dieses banale Kommerzkino verdient doch schon lange den Hype nicht mehr, den die MSM um solche Galavorstellungen machen. Die relevanten Filme werden woanders prämiert. Rainer Werner Fassbinder und Werner Herzog bekamen nie einen Oscar. Schreiben Sie lieber eine spannende Geschichte über die Zusammenarbeit des Hollywood-Establishments mit dem Pentagon. Einer der besten Antikriegsfilme aller Zeiten, Joseph Hellers Catch 22, bekam auch keinen.
ackermart 27.02.2017
3. Im falschen Film...
zu sein, dieses Gefühl hat das reale La La Land doch ohnehin dieser Tage. Hätte man das also authentischer rüberbringen können als mit solch "subtiler" Inszenierung dessen? Vielleicht realisiert man da aber auch zum erstenmal wirklich, dass das Leben jenseits von Hollywood nicht auch wie im Film ist.
darkmattenergy 27.02.2017
4. Hochpolitisch aktueller als mit einer Fake News zum Gewinner hätte es doch kaum werden können
Aber wetten dass selbst die jüngste Fehlleistung keinen der sich feiernden Meister Hollywoods daran zweifeln lassen wird, zu den berufensten und fähigsten, ja unfehlbaren Kritikern der Politik zu gehören!?
outsider-realist 27.02.2017
5.
Zitat von hefe21Der endgültige Beweis, dass die Diskrepanz aus medialer weltweiter Aufmerksamkeit und tatsächlicher Bedeutung des aufgeblasenen Oscargetrötes allmählich auch der Presse auffallen müsste. Da werden flächendeckend Titelseiten freigeschaufelt für den La la Mist aus Tinseltown, obwohl sich das Ganze schon längst den erschütternden hierzulandigen Preisaufdrängungen angeglichen hat. Aber der Schnappreflex nach den vermeintlichen Konsensthemen ist wohl unausrottbar.
Oh da hat aber jemand einen schlechten Schlaf gehabt. Das ganze ist und war eine unterhaltsame Show. Nicht mehr und nicht weniger. Machen sie sich locker. Lebt sich besser so.
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