Konfusion um den "besten Film" Wie konnte es nur zu dieser Oscar-Panne kommen?

Das ist in 89 Jahren Oscarverleihung noch nicht passiert: In der wichtigsten Kategorie des Abends - "bester Film" - wurde ein falscher Gewinner verkündet. Was war da los?


"Dies ist kein Witz. 'Moonlight', ihr habt den Oscar gewonnen", sagte "La La Land"-Produzent Jordan Horowitz plötzlich ins Mikrofon. Momente zuvor hatte er seinen Kollegen Fred Berger unterbrochen, der gerade seine Dankesrede vortrug. Schließlich war das "La La Land"-Team von Warren Beatty als Gewinner in der Kategorie "bester Film" ausgerufen worden und stand auf der Bühne des Dolby Theater, um den Sieg zu feiern.

Der Moment war so surreal, dass das Publikum zunächst ungläubig still blieb und auch die "Moonlight"-Produzenten auf ihren Plätzen sitzen blieben. Horowitz musste noch einmal nachsetzen: "Dies ist kein Witz. 'Moonlight' hat für den besten Film gewonnen." Daraufhin hielt er die Karte in die Kamera, die Beatty eigentlich hatte verlesen sollen und auf der schwarz auf weiß zu lesen war: "Moonlight - Best Picture".

Um die Konfusion perfekt zu machen, erklärte sich Beatty kurz darauf und sagte ins Mikrofon: "Mir wurde ein Umschlag gereicht, auf dem stand: 'Emma Stone - 'La La Land'. Ich war verwirrt und habe deshalb so lange gezögert, den Gewinner vorzulesen." Tatsächlich hatte Beatty die Karte gelesen, gestutzt, seine Co-Presenterin Faye Dunaway angeschaut, ihr die Karte gezeigt, woraufhin sie sagte: "La La Land".

Eine solche Panne hat es in der 89-jährigen Geschichte des Oscars noch nicht gegeben, geschweige denn in der wichtigsten Kategorie, deren Gewinner ganz am Ende des Abends verkündet wird. Wie konnte es dazu kommen?

Ein ausgeklügeltes System soll genau solch eine Verwechslung eigentlich vermeiden. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers ist seit 83 Jahren für die geheime Zählung und Auswertung der Stimmen der mehr als 6600 Mitglieder der US-Filmakademie zuständig. Wenn dies geschehen ist, werden zweimal 24 Karten gedruckt und in Umschläge verpackt.

Bester Film
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Beste Hauptdarstellerin
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Bester Hauptdarsteller
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Beste Regie
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Ein vollständiger Satz Umschläge kommt in eine spezielle Aktentasche von PwC-Mitarbeiter Brian Cullinan, der andere Satz in die Tasche von PwC-Mitarbeiterin Martha L. Ruiz. Die beiden stehen während der Show rechts und links der Bühne - es gibt zwei Ein- und Ausgänge - und geben den Präsentatoren den aktuellen Umschlag.

Trotzdem bekam Warren Beatty offensichtlich den zweiten Satz der Umschläge in die Hand, die die Karte für die beste Schauspielerin in einer Hauptrolle enthält - eben Emma Stone. Die hatte ihren Preis schon abgeholt und sagte später. "Ich habe meine Gewinnerkarte die ganze Zeit in den Händen gehalten."

Wie genau es zu der Verwechslung kommen konnte, steht noch nicht fest. PricewaterhouseCoopers entschuldigte sich inzwischen in einem Statement und teilte mit: "Wir untersuchen derzeit, wie das passieren konnte, und bedauern zutiefst, was vorgefallen ist."

Meinungskompass

Emma Stone freute sich jedenfalls für die Kollegen von "Moonlight": "Ich glaube, es ist einer der besten Filme aller Zeiten."

Favorit "La La Land" setzt sich trotzdem durch

"La La Land" war trotzdem der große Gewinner des Abends. Der Film war in 14 Kategorien nominiert und gewannt am Ende sechs davon. Darunter unter anderem für die beste Kamera, beste Filmmusik und die beste Regie.

Hauptdarstellerin Emma Stone wurde außerdem zur besten Schauspielerin gekürt und setzte sich gegen Meryl Streep, Natalie Portman, Ruth Negga und Isabelle Huppert durch. In der Kategorie "bester Hauptdarsteller" zeichnete die Akademie Casey Affleck für seine Darbietung in "Manchester by the Sea" aus.

"Kunst kennt keine Grenzen"

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Der deutsche Beitrag "Toni Erdmann" ging bei der Oscarverleihung leer aus. Auch für den deutschen Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen und den Komponisten Hauschka gab es keine Oscars.

Der Preis für den besten fremdsprachigen Film ging stattdessen an "The Salesman" aus Iran. Regisseur Ashgar Farhadi nahm die Trophäe aus Protest gegen die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump jedoch nicht persönlich entgegen.

kae/dpa



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 27.02.2017
1.
Human error. End of story.
Grummelchen321 27.02.2017
2. Hat sich einer mal den Umschlag den
Warren Beatty in den Händen hielt mal genauer angesehen.Was steht denn auf dem Umschlag.Bester Film oder Hauptdarstellerin.
nasenbein 27.02.2017
3. Gehört...
...eine Panne bei der Oscar-Verleihung und ihre Ursache wirklich zu den wichtigen und brennenden Themen unserer Zeit??? Inflationär übrigens auch, was SPIEGEL ONLINE so alles eine Eilmeldung wert ist...
saint-antoine 27.02.2017
4. Fake news !
jetzt sogar in Hollywood, LOL
dieter_spiegel 27.02.2017
5. Peinlicher Fehler. Mehr nicht.
Es ist ein Fehler unterlaufen. Das ist peinlich. Aber Fehler passieren nun mal. Was ist schlimm daran? Gäbe es keine Fehler, wäre das Wort "Fehler" längst aus unserem Wortschatz verschwunden.
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