Oscars 2018 Die wichtigsten Filme und ihre Chancen

Ein warmherziges Monster, zeitgeistige Rache, zweimal Zweiter Weltkrieg: Alles, was Sie über die elf wichtigsten Oscarfilme wissen müssen.

DPA/ Universal Pictures

Von und


Sally Hawkins in "Shape of Water"
Twentieth Century Fox

Sally Hawkins in "Shape of Water"

"Shape of Water"

Ein Monster-Freak wird gesellschaftsfähig: Regisseur Guillermo del Toro schuf mit "Shape Of Water" ein herzerwärmendes Kalter-Krieg-Märchen, eine in tollen Farben und Bildern mitreißend inszenierte Kreuzung aus "Amèlie" und "Der Schrecken vom Amazonas", auf die sich in dieser Oscar-Saison wohl alle einigen können. Nicht nur, weil del Toro auf seinen üblichen Horror-Gore zugunsten einer romantischen Feier des Fifties-Kinos verzichtet, sondern auch, weil seine Botschaft so zeitgeistig humanistisch ist: Die Schwächsten der US-Gesellschaft verbünden sich zusammen mit einer fremdartigen, aber sanftmütig-edlen Kreatur gegen ein politisches System der Angst und Repression. Golden Globes, Baftas, Directors- und Producers-Guild-Awards hat del Toro bereits in der Tasche; Regisseur und Film gehen als Top-Favoriten in den Abend.

Unsere Rezension von "Shape of Water" lesen Sie hier. Nominiert für 13 Oscars: bester Film, beste Regie, beste Hauptdarstellerin, beste Nebendarstellerin, bester Nebendarsteller, bester Original-Score, bestes Original-Drehbuch, beste Kamera, bester Schnitt, bestes Produktions-Design, beste Kostüme, bestes Sound-Editing, bestes Sound-Mixing.

Wird gewinnen: Wenn nicht "Three Billboards" oder "Dunkirk" noch allen Statistiken und Wegweisern trotzen, ist der Oscar als bester Film sicher. Guillermo del Toro wird wohl auch in der Regie-Kategorie gewinnen. Und Gegen Alexandre Desplats schwelgenden Soundtrack hat selbst Hans Zimmers "Dunkirk"-Dräuen keine Chance. Auch beim Produktions-Design ist ein Oscar drin.

Sollte gewinnen: Beste Regie. Guillermo del Toro ist nach Alfonso Cuarón und Alejandro G. Iñárritu der einzige der "Three Amigos" aus Mexiko, der noch keinen Regie-Oscar hat: Es ist sein Jahr. (bor)

"Dunkirk" mit Fionn Whitehead
Warner Bros.

"Dunkirk" mit Fionn Whitehead

"Dunkirk"

Christopher Nolans überwältigendes Kriegsepos über die Evakuierung Hunderttausender britischer Soldaten zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gehört zu den ungewöhnlichsten Filmen, die in diesem Jahr nominiert sind. Weder hat er einen Hauptdarsteller noch ist seine Erzählstruktur linear - drei Zeitebenen verschachteln sich hier vielmehr virtuos ineinander. Doch der Film musste den Oscar-Buzz seit seiner Premiere im Sommer 2017 aufrechterhalten, und ob er auf den DVDs und Streaminglinks, die die Abstimmungsberechtigten zur Sichtung geschickt bekommen, so eindrucksvoll rüberkommt wie im Imax, für das Nolan den Film gedreht hat, ist fraglich. "Dunkirk" könnte deshalb als einer der großen Verlierer aus dem Abend hervorgehen.

Unsere Rezension zu "Dunkirk" lesen Sie hier. Nominiert für acht Oscars: bester Film, beste Regie, beste Kamera, beste Musik, bester Sound-Schnitt, beste Sound-Mischung, bestes Produktions-Design.

Wird gewinnen: Bester Sound-Schnitt, beste Sound-Mischung - weil Nolans Vorsprung durch Technik hier hält.

Sollte gewinnen: Beste Regie (Nolan), beste Kamera (Hoyte van Hoytema), beste Musik (Hans Zimmer) - weil die drei Elemente hier so brillant ineinandergreifen wie in keinem anderen nominierten Film. (hpi)

Frances McDormand in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
20th Century Fox/ DPA

Frances McDormand in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Der Film, der "Shape Of Water" den Oscar als bester Film streitig machen könnte: Um das Mittelwesten-Porträt des irischen Regisseurs Martin McDonagh entstand viel Zeitgeist-Buzz, da es gleich mehrere topaktuelle Themen anreißt: Vergewaltigung, Frauen, die sich gegen eine brutale Männerwelt auflehnen, Alltagsrassismus in den USA, Polizeigewalt. Nicht alles fügt sich schlüssig zusammen in dieser packenden Amerika-Farce, es sind daher vor allem die Darstellerkategorien, in denen "Three Billboards" abräumen könnte, den wichtigen Ensemble-Preis der Screen Actors Guild gewann er bereits, auch bei den Golden Globes und den Baftas lag er vorne.

Unsere Rezension von "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri lesen Sie hier. Nominiert für sieben Oscars: bester Film, beste Hauptdarstellerin, 2x bester Nebendarsteller, bester Original-Score, bestes Original-Drehbuch, bester Schnitt.

Wird gewinnen: Beste Hauptdarstellerin (Frances McDormand) - gegen die Urgewalt einer rächenden Mutter kann dieses Jahr wohl keine Andere bestehen. Ebenfalls gesetzt: bester Nebendarsteller (Sam Rockwell).

Sollte gewinnen: Frances McDormand, es ist ihre intensivste Darstellung seit "Fargo" (1996) - und auch damals gewann sie danach den Oscar. (bor)

"Get Out" mit Daniel Kaluuya
DPA/ Universal Pictures

"Get Out" mit Daniel Kaluuya

"Get Out"

Wäre "Get Out" nicht als bester Film nominiert worden, hätte es wahrscheinlich Ausschreitungen in den USA gegeben - so sehr hat die Rassismus-Horror-Satire den Nerv im Land getroffen. Nominierungen für Autor und Regisseur Peele sowie Hauptdarsteller Daniel Kaluuya - beide schwarz - wurden auch als Zeichen gewertet, dass sich die Academy seit dem #oscarssowhite-Desaster der vergangenen Jahre gewandelt hat. Ganz vielleicht gelingt "Get Out" daher auch die große Überraschung und der Debütfilm wird mit dem Preis als bester Film gekrönt.

Unsere Rezension zu "Get Out" lesen Sie hier Nominiert für vier Oscars: bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, bestes Original-Drehbuch.

Wird gewinnen: Bestes Original-Drehbuch - weil Peele dem Horrorgenre neue Möglichkeiten erschlossen hat.

Sollte gewinnen: Bestes Original-Drehbuch - weil "Get Out" gleichzeitig unterhält und Augen öffnet. (hpi)

Gary Oldman (M.) in "Die dunkelste Stunde"
Universal Pictures

Gary Oldman (M.) in "Die dunkelste Stunde"

"Darkest Hour" ("Die dunkelste Stunde")

Historiendramen haben oft die Sympathie der Academy, zumal, siehe "The King's Speech", wenn sie aus Großbritannien stammen und etwas mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun haben. In dieser epischen Kategorie bewirbt sich neben dem Churchill-Kammerspiel "Darkest Hour" aber auch Christopher Nolans "Dunkirk", der die Weltkriegsnöte Britanniens ungleich effektvoller am anderen Ufer des Kanals illustriert. Als bester Film hat Joe Wrights Erbauungsdrama also eher keine Chance, dafür gilt aber Hauptdarsteller Gary Oldman als Favorit, er gewann bereits den Golden Globe, den Bafta und den Screen Actors Guild Award.

Unsere Rezension zu "Darkest Hour" lesen Sie hier. Nominiert für sechs Oscars: bester Film, bester Hauptdarsteller, beste Kamera, bestes Produktionsdesign, beste Kostüme, bestes Make-up.

Wird gewinnen: Bester Hauptdarsteller! Nichts gegen Oscar-Veteranen wie Daniel Day-Lewis und Denzel Washington, aber 2018 ist das Jahr, in dem der konstant brillante Gary Oldman endlich seine verdiente Würdigung erfahren wird. Ein Oscar fürs Make-up wäre auch drin.

Sollte gewinnen: Gary Oldman, ganz klar. Sein beherztes und gewichtiges Spiel als Churchill trägt einen ansonsten arg behäbigen Film. (bor)

Saoirse Ronan und Laurie Metcalf in "Lady Bird"
Universal Pictures

Saoirse Ronan und Laurie Metcalf in "Lady Bird"

"Lady Bird"

In Deutschland startet das Regiedebüt von Schauspielerin und Drehbuchautorin Greta Gerwig erst am 19. April, in den USA sorgt der verschmitzte Coming-of-Age-Film seit der Premiere beim Telluride-Festival für Furore - so sehr, dass Gerwig als erst fünfte Frau in der Geschichte der Oscars für die beste Regie nominiert wurde. Der Sympathiebonus für sie und ihre Titelheldin, eine künstlerisch ambitionierte Schülerin, die es nicht erwarten kann, nach dem Highschool-Abschluss nach New York zu gehen, ist groß bei der Academy. Dabei wird die Mutter-Tochter-Beziehung, die im Mittelpunkt des Films steht, gar nicht mal neu, sondern vor allem genau erzählt. Nach zwei Golden Globes (beste Komödie, beste Hauptdarstellerin) könnte "Lady Bird" bei den Oscars leer ausgehen.

Nominiert für fünf Oscars: bester Film, beste Regie, bestes Originaldrehbuch, beste Hauptdarstellerin, beste Nebendarstellerin.

Wird gewinnen: womöglich nichts.

Sollte gewinnen: Beste Hauptdarstellerin (Saoirse Ronan), beste Nebendarstellerin (Laurie Metcalf) - weil sie zusammen ein Mutter-Tochter-Gespann abgeben, das Hollywood selten so klischeefrei hinkriegt. (hpi)

Tom Hanks und Meryl Streep in "Die Verlegerin"
Universal Pictures

Tom Hanks und Meryl Streep in "Die Verlegerin"

The Post ("Die Verlegerin")

In nur neun Monaten drehte Steven Spielberg seinen packenden Ermutigungsfilm für alle seriösen und investigativen US-Journalisten, die sich gegen staatliche Desinformation und Verschleierungen auf höchster Regierungsebene behaupten müssen. "The Post" hat die übliche edle Spielberg-Epik, mit Tom Hanks und Meryl Streep zwei routiniert aufspielende Branchen-Schwergewichte - und mit "Washington Post"-Verlegerin Kay Graham, die sich ihrer Zeitung und der vierten Gewalt ermächtigt, eine zeitgeistig feministische Figur. Bei den Golden Globes kam "The Post" mit sechs Nominierungen gut an, ging aber leer aus. Scheint, als spiele der Hollywoodadel dieses Jahr nur eine Außenseiterrolle. (bor)

Unsere Rezension zu "The Post" lesen Sie hier. Nominiert für zwei Oscars: bester Film, beste Hauptdarstellerin.

Wird gewinnen: Eher nichts.

Sollte gewinnen: Nur wenn man Statistik-Fetischist ist, wünscht man der Rekordhalterin Meryl Streep (21 Nominierungen, drei Oscars) ihren vierten Academy Award.

 Vicky Krieps und Daniel Day-Lewis in "Der seidene Faden"
Universal Pictures

Vicky Krieps und Daniel Day-Lewis in "Der seidene Faden"

"Phantom Thread" ("Der seidene Faden")

So gediegen, wie er in "Der seidene Faden" erzählt, so unauffällig hat Paul Thomas Anderson seinen achten Spielfilm an den Start gebracht. Dass der vertrackte Beziehungsfilm über einen Couturier und seine Muse trotzdem bei den Oscars so eingeschlagen hat, dürfte deshalb nicht wenige überrascht haben. Da es laut Daniel Day-Lewis sein letzter Film ist, war die Nominierung für ihn als Hauptdarsteller noch die erwartbarste. Und vielleicht lässt es sich die Academy nicht nehmen, Day-Lewis zum Abschied seinen vierten Oscar zu bescheren.

Unsere Rezension zu "Der seidene Faden" lesen Sie hier. Nominiert für sechs Oscars: bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Nebendarstellerin, beste Musik, beste Kostüme.

Wird gewinnen: Beste Kostüme - weil auch die Kleider von Ausstatter Mark Bridges einfach gediegen sind.

Sollte gewinnen: Beste Regie - weil niemand außer P.T. Anderson so die Balance zwischen Beziehungskomödie und Psychothriller treffen könnte. (hpi)

Allison Janney in "I, Tonya"
DCM

Allison Janney in "I, Tonya"

I, Tonya

Das hässliche Entlein dieser Oscar-Saison: "I, Tonya" von Regisseur Craig Gillespie erzählt die Geschichte der Skandal-Eiskunstläuferin Tonya Harding als krude, aber immer wieder anrührende Mischung aus Satire und Drama. Margot Robbie ist toll als Hauptdarstellerin mit Mut zu Achtzigerjahre-Frisur und White-Trash-Habitus, ihre despotische und missbräuchliche Mutter wird mit brillanter Scheusalhaftigkeit von Allison Janney verkörpert, die für diese furchtlose Schurkinnen-Darstellung bereits den Golden Globe bekam. Überraschenderweise gab es keine Nominierung für Make-up und Haare, dafür aber für den Schnitt der halsbrecherisch mit Steadycam auf Eis gefilmten Rittberger- und Axel-Stunts. "I, Tonya" läuft erst am 22. März in Deutschland an.

Nominiert für drei Oscars: beste Hauptdarstellerin, beste Nebendarstellerin, bester Schnitt.

Wird gewinnen: Beste Nebendarstellerin, auch wenn Laurie Metcalf ("Lady Bird"), Lesley Manville ("Phantom Thread") und Mary J. Blige ("Mudbound") mit ebenfalls mütterlichen Rollen konkurrieren.

Sollte gewinnen: Beste Nebendarstellerin! Allison Janneys Mut zur äußerlich wie innerlich verkommenen Rabenmutter stiehlt allen Mitbewerberinnen die Show. (bor)

Szene aus "Mudbound"
Netflix

Szene aus "Mudbound"

"Mudbound"

Dee Rees' Rassismusdrama war in Deutschland überhaupt nicht im Kino zu sehen, sondern startete ausschließlich auf Netflix. In den USA gönnte der Streamingdienst dem Film einen kleinen Kinostart, damit er sich für die Oscars qualifizieren konnte. Die Rechnung ging auf: Mit der Nominierung von Rachel Morrison als erster Frau für die beste Kamera hat "Mudbound" schon jetzt Oscargeschichte geschrieben. Die drei weiteren Nominierungen sind fast zu viel der Ehre. Im Kern ist der Film nämlich konventionelles Historienkino, das sein Thema - Unversöhnlichkeit zwischen Schwarz und Weiß in den Südstaaten - grobschlächtig aufbereitet.

Nominiert für vier Oscars: beste Nebendarstellerin, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Kamera, bester Song.

Wird gewinnen: Bester Song - weil es für Sängerin Mary J. Blige, die gleichzeitig als beste Nebendarstellerin nominiert ist, in der anderen Kategorie nicht reichen wird, wird sie für den Song "Mighty River" doppelte Sympathien einfahren.

Sollte gewinnen: Beste Kamera - weil Rachel Morrison mit ihren Bildern die Ikonografie der Südstaaten auf dreckig umkrempelt. (hpi)

Timothée Chalamet in "Call Me By Your Name"
Sony Pictures

Timothée Chalamet in "Call Me By Your Name"

"Call Me By Your Name"

Seit mehr als einem Jahr, nämlich seit "CMBYN" auf dem Sundance Festival im Januar 2017 seine umjubelte Premiere feierte, dauert die Oscar-Kampagne für Luca Guadagninos mitreißenden Liebesfilm an. Vor einer Formschwäche auf den letzten Metern konnten ihn auch seine vielen Fans nicht bewahren: Für Nominierungen für Armie Hammer und Michael Stuhlbarg als beste Nebendarsteller sowie Guadagnino für die beste Regie reichte es nicht. Dafür gilt James Ivory als Favorit in der Kategorie "Bestes Adaptiertes Drehbuch". Und sollte die Academy-Mitglieder keine Lust haben, Gary Oldman für seine Churchill-Darstellung in "Darkest Hour" auszuzeichnen (es käme auch mehr einem Preis für sein Lebenswerk gleich), könnte Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller triumphieren.

Unsere Rezension zu "Call Me By Your Name" lesen Sie hier. Nominiert für vier Oscars: bester Film, bester Hauptdarsteller, bestes adaptiertes Drehbuch, bester Song.

Wird gewinnen: Bestes adaptiertes Drehbuch - weil Ivory die Romanvorlage in jeder Hinsicht veredelt hat.

Sollte gewinnen: Bester Film, bester Hauptdarsteller, bestes adaptiertes Drehbuch, bester Song - weil "CMBYN" einer der schönsten Liebesfilme überhaupt ist. (hpi)

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Lotus Driver 03.03.2018
1. Dunkirk
Zu Dunkirk: keine richige Handlung und Darsteller, es gibt in diesem Kriegsfilm keine richtigen Kampfhandlungen und kein einziger gegnerischer Soldat ist zu sehen (!). Sicher sind das gewollte Stilmittel. Aber bei so viel Weglassungen bleibt nur eines übrig: ein richtig dämlicher, überflüssiger, schlechter und langweiliger Film.
Krea_thief 03.03.2018
2. Dunkirk
War für mich leider eine Enttäuschung. Der Film verwirrte mich eher als das ich hätte folgen können. Kann in keinem Fall mit einem Klassiker wie "Der Soldat James Ryan" mithalten.
ichliebeeuchdochalle 03.03.2018
3. Film: Call Me By Your Name
Ein Über-20-Jähriger spielt einen 17-Jährigen (Elio) und ein über 30-Jähriger spielt einen 24-Jährigen (Oliver) ... Das ist so albern anzusehen. Nein, beide sehen nicht jünger aus als sie sind. Die sehen genauso alt aus wie die Schauspieler zum Zeitpunkt der Dreharbeiten alt sind. (Erinnert mich an die Serie Smallville. 25-Jährige spielten da 16-18-Jährige.) Der 30-Jährige in gelben Baumwoll-Shorts und offenem Hemd die haarige Brust zeigend sieht zum Schießen dämlich aus. Von der filmischen Handlung her wird nicht klar, wieso Elio sich überhaupt in Oliver verliebt. Da hoffe ich, daß das Buch das besser schildert als der Film. Elio kann 30 Filmminuten Oliver nicht ab und dann gibt es einen Break und auf einmal wird dem Zuschauer glauben gemacht, daß sich eine Liebe entwickelt hat. In Bildern gezeigt wird diese Entwicklung nicht. Ist das die Kunst des Films? Daß der Zuschauer sich das alles selber ausmalen soll? Ich habe es nicht verstanden. Geradezu konsterniert war ich dann von der Rezension hier vor ein paar Tagen. Vielleicht kommt das, was die Kritikerin da beschreibt, im Buch vor ... ich weiß es nicht ... aber fast alles, was sie schreibt, wird filmisch nicht annähernd so dargestellt. Ich habe mir gewünscht, daß das, was sie schreibt, auch im Film zu sehen gewesen wäre ... aber ich habe es nicht gesehen. Es wird an mir liegen. Ich gebe dem Film drei von 10 Punkten. Der Elio-Schauspieler bringt eine durchschnittliche Leistung, da ist keine Szene oskar-würdig. Die Musik ab dem Zeitpunkt der Liebelei erinnert sehr stark an die Machart in "Reifeprüfung" von 1967 mit den Simon&Garfunkel-Songs.
bhang 04.03.2018
4. Oh wow, dachte, ich sei der einzige, der so ähnlich denkt wie
der "Vorredner". Was die flirrende Sommerszenerie angeht, so fand ich die in Eric Rohmers "Sommer" (1996) besser und was die Liebesgeschichte angeht, ist "Blau ist eine warme Farbe" auch viel gelungener. Ich weiß nicht, ob das nur mir so geht, aber die Zweisamkeit oder der Umgang miteinander (die intimen, zärtlichen Szenen) zwischen Elio und dem Mädchen ist glaubwürdiger, irgendwie natürlicher rüber gekommen (z.B. Körpersprache) als die zwischen Elio und Oliver (vielleicht hätte man auch jemanden wie Michael Fassbender als Oliver besetzen sollen). Ansonsten, klar, die ganze Atmosphäre in dem freigeistig, künstlerisch kreativen Haushalt/Umgebung in Italien ist toll wiedergegeben, aber das war in Bertoluccis "Stealing Beauty", das in der Toskana spielt, (und der Film ist nicht mal einer seiner besten Filme) MINDESTENS genauso stimmig atmosphärisch bzw. sinnlicher sogar. Sorry insgesamt overrated (ein zwei Musikstücke waren "Nagel auf'n Kopp", aber der beste Liebesfilm der jüngeren Vergangenheit?)... Sicherlich schon gut oder besser als der Vorgängerfilm des Regisseurs ("A Bigger Splash"), aber ansonsten?
ichliebeeuchdochalle 04.03.2018
5.
@bhang: Kennen Sie "Die Mitte der Welt" (Film)? Lesen Sie mal die Rezension für "Call Me By Your Name" hier auf SpOn (vor ein paar Tagen) und schauen dann aber stattdessen "Die Mitte der Welt". All das, was "Call Me By Your Name" angeblich haben soll, hat stattdessen "Die Mitte der Welt". Und eine überragende Leistung des Hauptdarstellers, die die Leistung des Elio-Darstellers weit in den Schatten stellt.
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