Minutenprotokoll Academy Awards Oscargewinnerin Frances McDormand begeistert mit Dankesrede

"Sprecht nicht über uns auf euren Partys, sondern gebt uns gute Rollen": Frances McDormand hat den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewonnen, sie erntete Ovationen für eine kämpferische Rede. Die Oscarnacht im Minutenprotokoll.

Frances McDormand
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Frances McDormand

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Diese Rede gehört zu den Highlights der Oscarverleihung. Frances McDormand ganz stark. Sie bittet alle weiblichen Nominierten des Abends aufzustehen und fordert alle Männer dazu auf, sie genau anzusehen: "Schaut euch um... wir alle haben Geschichten, die erzählt, und Projekte, die finanziert werden wollen!"
Wie haben Ihnen die Oscars 2018 gefallen?
Vielen Dank fürs Lesen und Dabeibleiben! Good Night .... and good luck!
An dieser Stelle möchten wir uns von Ihnen verabschieden - hoffentlich hat Ihnen diese Oscarnacht Spaß gemacht! Erholen Sie sich gut vom Späteinsatz, wir werten jetzt noch aus, was uns die Academy mit dieser Show sagen wollte. Guten Morgen und/oder gute Nacht!
Me after googling INCLUSION RIDER t.co/IRXn8gNYh5
Falls Sie auch nicht ganz verstanden haben, welche zwei Worte Frances McDormand am Ende ihrer Rede gesagt hat: Es waren INCLUSION RIDER. Damit sind Klauseln gemeint, mit denen man sich vertraglich zusichern lässt, dass das Filmteam möglichst vielfältig zusammengesetzt ist - also z.B. 50 Prozent Frauen bei den Gewerken beschäftigt sind.
Außerdem repräsentiert "The Shape of Water" an sich schon eine Minderheit bei den Oscars, die gerne missachtet wird: Fantasy und Science-Fiction - oder überhaupt Genrekino - hat kaum Chancen, den Oscar für den "besten Film" zu gewinnen. Zuletzt gelang es Peter Jackson mit "Der Herr der Ringe" - allerdings auch erst mit dem dritten Teil.
Nette Szene am Rande: Guillermo del Toro sieht nach, ob Warren Beatty diesmal auch den richtigen Gewinner vorgelesen hat - eine kleine Reminiszenz an die letzte Oscarverleihung:
 
Ein erster und gleich auch letzter Moment von Anarchie: Kostümdesigner Mark Bridges und Helen Mirren auf einem Jet-Ski beschließen die Oscars 2018.
Ein Film über die Solidarität der Schwachen und Ausgegrenzten, erzählt als Monsterfilm, als Musical und als Märchen - von einem Einwanderer aus Mexiko - das ist in diesem Jahr natürlich der ideale Gewinner. Insofern: Well done.
"The Shape of Water" gewinnt auch nach Zahlen. Der letzte Überblick: Wie viele Oscars hat welcher Film gewonnen?
"Blade Runner 2049" 2
"Call Me By Your Name" 1
"Coco" 2
"Darkest Hour" 2
"Dunkirk" 3
"Get Out" 1
"I, Tonya" 1
"Phantom Thread" 1
"The Shape of Water" 4
"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" 2
Und es ging alles glatt bei der Verkündung... also bis jetzt.
"The Shape of Water" ist bester Film! 
Es ging schon ums Aufstehen heute Abend, oder? Und darum, wer älter als die Oscars ist.
Waterhouse under the Bridge. Harharhar
Die letzte Kategorie des Abends kommt - und ganz vielleicht die mit der einzigen Überraschung des Abends. Überholt "Get Out" "The Shape of Water" noch? Oder profitiert "Three Billboards"? Der beste Film des Jahres ist...
Hach.
Frances McDormand. Mic Drop.
Frances McDormand holt sich Oscar Nummer 2. Genauso legendär wie ihr Talent: ihre acceptance speeches.
Meryl Streep hat ja längst die Rolle des Oscar-Maskottchens von Jack Nicholson übernommen. Auch hier Gleichberechtigung.
 Und hier haben wir einen Nominierten für den Tweet des Abends
Bevor der Umschlag geöffnet wird, gehen wir doch noch einmal schnell durch Meryl Streeps 21 (!) Nominierungen...
 

Die beste Hauptdarstellerin ist jetzt dran! Hier gilt Frances McDormand als furiose Rächerin in "Three Billboards" als Favoritin. Sie gewann den Oscar bereits 2007 für "Fargo". Würdige Gewinnerin wäre aber auch Sally Hawkins, die in "Shape of Water" als stumme Putzfrau begeistert, die sich in ein Flussmonster verliebt. "Lady Bird" Saoirse Ronan ist toll in Greta Gerwigs Regiedebüt, aber ihr Oscargewinn wäre ebenso überraschend wie Margot Robbies für ihre tollkühne Performance als Tonya Harding. Mit Meryl Streep (21 Nominierungen, drei Oscars) muss man natürlich immer rechnen. Auf ihre "Verlegerin" konnten sich im Zweifel alle einigen.

Als Preis für sein Lebenswerk ergibt der Oscar für Oldman auch am meisten Sinn...
Unglaublich, aber wahr: Es war erst seine zweite Nominierung in all den Jahren brillant gespielter Rollen.
Und Gary Oldman it is! 
Vorher wird aber der beste Hauptdarsteller gekürt! Das Feld teilt sich zwischen absoluten Veteranen und aufregenden Newcomern auf: Der 22-jährige Timothée Chalamet ist für "Call Me By Your Name" nominiert, der 29-jährige Brite Daniel Kaluuya für "Get Out". Im anderen Lager befinden sich zwei Männer, die bereits mehrere Oscars gewonnen haben: Denzel Washington (für "Roman J. Israel, Esq.") und Daniel Day-Lewis in seiner mutmaßlich letzten Rolle ("Der seidene Faden"). Doch der Favorit ist Gary Oldman als Winston Churchill in "Darkest Hour". Oder widerstehen die Oscars ihrem Hang, Schauspieler in historischen Rollen und mit Gesichtsprothesen auszuzeichnen?
Mit dem Preis für Del Toro ist "The Shape of Water" mit "Dunkirk" gleichgezogen: Beide haben nun jeweils drei Oscars gewonnen. Wer hat in der Hauptkategorie die Nase vorn?
Und Jordan Peele? Gesellt sich zu den anderen vier (in 90 Jahren) schwarzen Regisseuren, die für einen Oscar nominiert waren und ihn nicht bekamen: John Singleton (1991), Lee Daniels (2009), Steve McQueen (2013) und Barry Jenkins (2017).
Damit ist er der letzte der "Three Amigos" nach Alfonso Cuarón und Alejandro González Iñárritu, der den Regie-Oscar gewinnt. Viva México!
Guillermo Del Toro siegt für die beste Regie - wie erwartet.
"These four men and Greta Gerwig"... Groß!

Die Beste Regie! Eine schwierige Kategorie für die Academy in diesem Jahr: Gibt man dem Top-Favoriten Guillermo del Toro für die inhaltliche und cineastische Wucht von "The Shape Of Water" den verdienten Preis - oder setzt man ein Zeichen, indem man die einzige nominierte Regisseurin Greta Gerwig auszeichnet? Oder würdigt man Jordan Peele, der mit "Get Out" den wohl politischsten und makabersten Genrefilm des vergangenen Jahres drehte? Er wäre der erste Afroamerikaner, der "bester Regisseur" wird.


 
@Eva, ich mochte "Wonder Woman" auch sehr. Aber ehrlich gesagt fehlt mir der Film nicht besonders an diesem Abend. "WW" hat 820 Millionen Dollar eingespielt, das müsste an Anerkennung doch genügen, oder?
Alberner Gedanke, um die Besinnlichkeit zu brechen: Mark Wahlberg könnte Eddie Vedder spielen, falls es mal ein Pearl-Jam-Biopic gibt.
Eddie Vedder singt "Room At The Top (Of The World)" vom verstorbenen Tom Petty. Schluchz.
México gewinnt - "Remember Me" aus "Coco"!
Hannah, ich hätte Gal Gadot und überhaupt "Wonder Woman" eher einen Oscar gegönnt als manchen anderen, die jetzt einen mit nach Hause nehmen dürfen.
 

Die "Bester Song"-Kategorie wäre eine gute und passende Gelegenheit, die Sängerin Mary J. Blige auszuzeichnen. Ihr "Mighty River" ist eine mächtige R&B-Ballade, deren Pathos gut zu den Oscars passt. Interessant wäre es, den Indie-Songwriter Sufjan Stevens mit seinem Song "Mystery Of Love" aus "Call Me By Your Name" zu würdigen. Aber dann hat wohl eher noch der Latino-Swing "Remember Me" von Miguel aus "Coco" bessere Chancen. Immer an die Diversität denken!

Der Oscar geht an Alexandre Desplat für "The Shape of Water".
Nun wird die beste Filmmusik ausgezeichnet. Das Feld ist außerordentlich prominent besetzt: Jonny Greenwood von Radiohead ist für "Der seidene Faden" nominiert, Hans Zimmer könnte nach "Der König der Löwen" seinen zweiten Oscar für "Dunkirk" gewinnen. Oder setzt sich Alexandre Desplat mit seiner lieblichen Musik zu "The Shape of Water" durch?
Eva, da du Gal Gadot erwähnst: Ich bin ja immer noch beleidigt, dass "Wonder Woman" keine einzige Nominierung bekommen hat. Irgendwie folgerichtig, dass Sie ihren Auftritt bei den Oscars ausgerechnet in einem Popcorn-Kino hat? Hm.
Halten Sie durch! Jetzt zieht es sich noch mal kurz, dann hagelt es Preise: Es folgen beste Musik, bester Song, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin - und dann wirklich und endlich - bester Film.
Broadway-Star Keala Settle und ihre Performer verwandeln den Saal in ein Mitmach-Musical. Bisschen drüber, finde ich.
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insgesamt 2 Beiträge
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laotse8 05.03.2018
1. Die italienische Wahl ist
in Sachen Euro, Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten, sowie Energiewende die bereits erwartete, schallende Ohrfeige für die deutsche Besserwisserei. In der EU sind Multikulturisten, Weltklimaschützer und Euroretter auf Deutschland konzentriert. In Italien werden sie als Zahlmeister von einem Berlusconi und Grillo noch gelitten; doch ansonsten als verarmte Trottel, denen man kenesfalls folgen oder politisch auch nur über den Weg trauen will, abgrundtief verachtet.
mkaemmer 05.03.2018
2. Selbstbeweihräucherung
Oscar, Berlinale....was soll der Quatsch. Schauspielerei ist ein Beruf wie jeder andere auch. Die feiern sich als wenn sie die Größten wären, dabei leistet jeder Kanalarbeiter mehr für die Gesellschaft.
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