Oscars für Waltz und "Hurt Locker": "Das ist ein Über-Bingo"

Jetzt ist er ein Goldjunge: Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller erhalten. James Cameron dagegen unterlag seiner Ex-Frau Kathryn Bigelow - ihr Kriegsdrama "The Hurt Locker" gewann die wichtigen Kategorien, das Science-Fiction-Spektakel "Avatar" nur Nebenpreise.

Er hat ihn. Und es dürfte kaum jemanden geben, keinen Zuschauer, keinen Filmkritiker, keinen Schauspielerkollegen, der ihm diese Ehrung nicht gönnt: Christoph Waltz, 53, wurde mit dem Nebenrollen-Oscar für seinen Part als SS-Offizier Hans Landa in Quentin Tarantinos Nazi-Groteske "Inglourious Basterds" ausgezeichnet. Waltz nahm die Auszeichnung von Penélope Cruz entgegen und bedankte sich mit einer emotionalen Rede, deren Höhepunkt ein Kompliment an jene Frau war, die ihm die Trophäe überreicht hatte: "Oscar und Penélope, das ist ein Über-Bingo."

Das war's dann aber auch mit den Auszeichnungen für das deutschsprachige Filmschaffen bei den 82. Academy Awards in Los Angeles. Hoffnungen machen durfte sich im Vorfeld ja schließlich auch Michael Haneke. Doch der Regisseur der düsteren Sozialstudie "Das Weiße Band", wie Waltz ein Österreicher, bekam keinen Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Auch Christian Berger, Hanekes Kameramann, dessen eindrucksvolle Schwarzweißbilder ihn für viele zum Mit-Favoriten in der Beste-Kamera-Kategorie gemacht hatten, ging leer aus.

Dafür räumte das Kriegsdrama "The Hurt Locker" mit insgesamt sechs Oscars ab, darunter vor allem die wichtigen für den besten Film und die beste Regie. Die Entscheidung der Academy für den Film über die Arbeit von Bombenentschärfern im Irak ist auch ein Triumph für die Frauen in der Filmbranche: Kathryn Bigelow ist die erste Regisseurin in der 82-jährigen Geschichte der Oscars, die den begehrten Regie-Preis erhält. Und das für einen - zumindest nach Hollywood-Maßstäben - Low-Budget-Film: Nur rund 15 Millionen Dollar hat er gekostet, fast schon läppische 20 Millionen Dollar spielte er ein.

Als bester Schauspieler wurde Jeff Bridges für seine Rolle als versoffener Country-Sänger in "Crazy Heart" geehrt; der Höhepunkt einer langen und erfolgreichen Karriere, der bisher der ganz große Triumph versagt geblieben war. Viermal wurde er zuvor schon nominiert, dieses Mal klappte es endlich.

Regen, Blitz und Donner

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Das Oscar-Schaulaufen: Geht's noch schöner?
Beste Schauspielerin wurde Sandra Bullock für ihre Rolle in dem Sportler-Drama "The Blind Side", der Oscar für die beste Nebendarstellerin ging an Mo'nique für ihre Rolle in dem Sozialdrama "Precious". Als bester Animationsfilm wurde "Up" ("Oben") ausgezeichnet. Die Ehrung, die viele Beobachter schon fest für Michael Haneke eingeplant hatten, ging an den argentinischen Film "El Secreto de Sus Ojos".

Die Oscar-Vergabe an Waltz eröffnete den großen Preisreigen, der von den beiden Moderatoren Steve Martin und Alec Baldwin gestaltet wurde. Die zwei Routiniers eröffneten mit einer souveränen, aber dann doch wenig überraschenden Stand-up-Comedy-Kaskade die Show - und machten mit solidem Gag-Handwerk weiter. Richtig überspringen wollte der Funke aber nicht.

So blieb es an Ben Stiller hängen, ein erstes komödiantisches Highlight zu setzen: Der Schauspieler hatte sich als Na'Vi verkleidet, so heißen die Bewohner des Planeten Pandora in James Camerons Science-Fiction-Spektakel "Avatar". Blau angemalt und mit spitzen Kunstohren versehen, übergab Stiller den Oscar für die beste Maske. Für "Avatar" erfüllten sich die hohen Erwartungen übrigens nicht. Der Film, der bisher weltweit gigantische 2,5 Milliarden Dollar eingespielt hat, bekam zwar die Oscars für das beste Szenenbild, die beste Kamera und die besten Effekte, konnte aber in keiner Hauptkategorie punkten.

Höhepunkt des Showprogramms war sicherlich das charmante und leicht knallchargige Duo Tina Fey und Robert Downey Jr., das mit treffsicheren Pointen überzeugte. Für die Show insgesamt gilt das nicht so recht, zumal sie gegen Schluss, als die wichtigsten Preise verliehen wurden, immer atemloser wirkte; die Zuschauer wurden von einer Ehrung zur nächsten gehetzt. Offenbar hatte der US-Sender ABC strikt auf der Einhaltung der Zeitvorgaben gepocht, die in der Vergangenheit regelmäßig ignoriert worden waren.

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Academy Awards 2010: Die Bilder der Oscar-Gewinner
Regnerisches Wetter mit Blitz und Donner hatte die Ankunft der Gäste zur Oscar-Verleihung im Kodak Theatre von Hollywood begleitet. Der rote Teppich wurde schon am Sonntagnachmittag sicherheitshalber mit Plastikfolie abgedeckt. Ein Unwetter hatte in der Nacht zuvor die Berge in der Nähe von Los Angeles mit Schnee bedeckt. Immer wieder zogen Regenschauer durch die Stadt. Die Organisatoren hatten aber auch hier netterweise vorgebaut: Ein Plastikzelt sorgte dafür, dass die eintreffenden Stars nicht nass wurden.
Die Oscar-Gewinner 2010
Bester Film "The Hurt Locker" (Produktion Kathryn Bigelow, Mark Boal, Nicolas Chartier, Greg Shapiro)
Hauptdarstellerin Sandra Bullock, "The Blind Side"
Hauptdarsteller Jeff Bridges, "Crazy Heart"
Nebendarstellerin Mo'Nique, "Precious"
Nebendarsteller Christoph Waltz, "Inglourious Basterds"
Regie Kathryn Bigelow, "The Hurt Locker"
Nicht-englischsprachiger Film "El Secreto de Sus Ojos", Argentinien
Adaptiertes Drehbuch Geoffrey Fletcher, "Precious" nach dem Roman "Push" von Sapphire
Original-Drehbuch Mark Boal, "The Hurt Locker"
Kamera Mauro Fiore, "Avatar"
Schnitt Bob Murawski und Chris Innis, "The Hurt Locker"
Ausstattung Rick Carter, Robert Stromberg und Kim Sinclair, "Avatar"
Kostümdesign Sandy Powell, "The Young Victoria"
Ton Paul N.J. Ottosson und Ray Beckett, "The Hurt Locker"
Ton-Schnitt Paul N.J. Ottosson, "The Hurt Locker"
Maske Barney Burman, Mindy Hall und Joel Harlow, "Star Trek"
Spezial-Effekte Joe Letteri, Stephen Rosenbaum und Andrew R. Jones, "Avatar"
Original-Filmmusik Michael Giacchino, "Up"
Original-Song Ryan Bingham und T Bone Burnett, "The Weary Kind" aus "Crazy Heart"
Kurzfilm Joachim Back und Tivi Magnusson, "The New Tenants"
Animationsfilm Pete Docter, "Up"
Animations-Kurzfilm Nicolas Schmerkin, "Logorama"
Dokumentarfilm Louis Psihoyos und Fisher Stevens, "The Cove"
Kurz-Dokumentarfilm Roger Ross Williams und Elinor Burkett, "Music by Prudence"

tdo

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
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1. Naja
DerMicha, 08.03.2010
Ist ja nicht das erste mal, dass die Academy falsch liegt.
2. Schade eigentlich!
Dreamdancer, 08.03.2010
Tja - was soll ich sagen? Mein Kopf sagt mir: Was hast du eigentlich erwartet? Das ist immer noch mehr oder weniger dieselbe Jury, die es auch fertiggebracht hat, die ersten beiden Teile der Herr der Ringe-Trilogie gekonnt zu ignorieren... Ärgere dich nicht, bedaure sie lieber dafür, daß sie offenbar keine Antennen für den Zauber eines großartigen Kino-Märchens haben. Was mein gerade ziemlich enttäuschter Bauch sagt? Das schreibe ich hier lieber nicht...!
3.
MadMad 08.03.2010
Christoph Waltz ist ein überragender Schauspieler (nicht erst seit Inglorious bastards, der mir überhaupt nicht gefällt) und erinnert mich irgendwie immer an Klaus Maria Brandauer. Ich gönne es ihm von Herzen und hoffe, dass es für ihn einen weiteren Karriereschritt bedeutet. MadMad von www.diemeinungen.de
4.
Krypt 08.03.2010
Nicht überraschend, aber verdient wie ich meine - also der Oscar für Waltz - Gratulation. Mich freut auch, dass "Der Dude" endlich einen Oscar bekommen hat. Irgendwie kommt es mir so vor, dass seit sich kaum noch wer für den Oscar zu interessieren begann, es bergauf zu gehen scheint. Es werden die Besten Schauspieler & Filme ausgezeichnet, nicht die besten Lobbyisten und Schleimer. Weiter so!
5. recht so.
jayred 08.03.2010
waltz ist ne gute wahl. und avatar in eine nebenrolle zu setzen nur richtig - der film protzt zwar technisch, ist aber ansonsten nicht weiter weltbewegend. das wird vor allem dann deutlich, wenn man ihn nicht in 3D gesehen hat.
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