Erstmals bei Oscars nominiert Kamera. Frau

Unfassbar, aber wahr: Erst in diesem Jahr ist mit Rachel Morrison zum ersten Mal in der Oscar-Geschichte eine Frau in der Kategorie "beste Kamera" nominiert. Sie gehört zu einer Riege von Kolleginnen, die das Kino längst prägen.

Rachel Morrison
Getty Images

Rachel Morrison


Auch nach 90 Jahren schaffen es die Oscars, von Jahr zu Jahr etwas in ihrer Geschichte noch nie Dagewesenes zu bieten. 2018 ist es die erste Nominierung einer Frau für die beste Kamera. Die US-Amerikanerin Rachel Morrison ist so für ihre Arbeit an dem Rassismusdrama "Mudbound" bedacht worden, das bei uns nicht in die Kinos kam, sondern nur auf Netflix läuft.

Morrisons Würdigung ist hoch verdient: Das Bild der Südstaaten, das sie in "Mudbound" schafft, weicht radikal von dem ab, das im Kino von "Vom Winde verweht" bis "Django Unchained" vorgeherrscht hat. Statt wogend weißer Baumwollfelder und einer tief stehenden Sonne, die sich im Eistee der Plantagenbesitzer fängt, entwirft Morrison Mississippi als eine verklumpte, vermatschte, letztlich lebensfeindliche Landschaft. In ihr bleiben eine weiße und eine schwarze Familie - und mit ihnen der Traum von der Überwindung des Rassismus - buchstäblich stecken.

Szenenbild aus "Mudbound"
Netflix

Szenenbild aus "Mudbound"

Zuvor hatte sich die 39-Jährige vor allem als neugierige und überaus agile Beobachterin städtischer Szenerien hervorgetan: Ryan Cooglers "Fruitvale Station" und Rick Famuyiwas "Dope" lebten nicht zuletzt dank ihrer pulsierenden Bilder auf. Ob Morrison am kommenden Sonntag nun den Oscar gewinnt, ist völlig offen. Neben ihr sind mit Roger Deakins ("Blade Runner 2049") und Hoyte van Hoytema ("Dunkirk") zwei bekanntere Kameramänner auf dem Höhepunkt ihres Schaffens nominiert. Trost steht für Morrison in jedem Fall bereit: Ihr neuester Film "Black Panther" - wieder mit Ryan Coogler gedreht - ist der Überraschungserfolg 2018, für ihre Vision des fiktiven Königreiches Wakanda und seiner einzigartigen Mischung aus üppiger Natur und hochentwickelter Technik könnte Morrison im kommenden Jahr gleich noch einmal für den Oscar nominiert werden.

Gleichwohl ist Morrison bei weitem nicht die einzige Kamerafrau, die das internationale Filmschaffen prägt. Durch Jeanne Lapoirie wird der Herzschlag des aktuellen französischen Kinos spürbar, auf Ellen Kuras' Kamera schwören nicht nur Mick Jagger und Spike Lee, und ohne Hélène Louvart hätte Wim Wenders "Pina" nicht zum Tanzen bringen können. Sieben Kamerafrauen im Porträt, die Filme zu Seh-Erlebnissen machen. Hannah Pilarczyk



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