Business-Satire "Outside the Box" Wegboxen statt Waldbaden

Bootcamp für Manager: Philip Kochs Film mit "Babylon Berlin"-Star Volker Bruch zieht geschniegelte High Performer durch den Kakao - und geht mit seinem Ensemble als Leistungsschau des deutschen Films durch.

ZDF/ Davide Perbellini

Im Wald sollen die Deutschen doch eigentlich zu sich selbst finden, durchatmen und den Verästelungen ihrer Seele lauschen. Aber ach - ausgerechnet an diesem mythisch verklärten Ort herrscht das dumpfe Recht des Stärkeren. Hirschkäfer verkanten ihre Geweihe ineinander, Spinnen saugen Fliegen aus, ein Ameisenheer überfällt einen Regenwurm. So zeigt es der Vorspann der deutschen Business-Satire "Outside the Box". Und das ist ganz im Sinne des Outdoor-Firmenevents, von dem sie erzählt: Nicht Waldbaden ist angesagt. Sondern ein Bootcamp für Manager.

Zur Performance-Optimierung ab in den Forst: Dieses Setting nutzt der junge Regisseur Philip Koch, um sich über Rampensäue in Businessanzügen lustig zu machen - und dabei gleich noch das Beratermilieu durch den Kakao zu ziehen, das durch Spielchen in der Natur aus harten Einzelkämpfern empathiefähige Teamplayer machen soll. Schon klar, dass das Bootcamp in "Outside the Box" ziemlich aus dem Ruder laufen wird.

Händchenhalten im Klettergarten war gestern, heute ist die "Bickmann Experience". Im Wald wartet ein Drill-Sergeant auf die vier besten Leute der Consulting-Firma von Bruno Bickmann (Hanns Zischler). Der lässt die geschniegelten High Performer erst einmal in unansehnliche Overalls steigen, nimmt ihnen ihre Handys ab und steckt sie in ein unterirdisches Verlies, aus dem sie wieder herausfinden sollen.

Das ist allerdings erst der Anfang. Den eigentlichen Clou der Teambuilding-Maßnahme haben sich die PR-Frau Kramer (Lavinia Wilson) und der Psychologe Kraußmann (Samuel Finzi) ausgedacht, die die Aktion mit einer Meute Journalisten am Bildschirm verfolgen: Zwei abgehalfterte Schauspieler sollen eine Geiselnahme vortäuschen und das Grüppchen so richtig unter Druck setzen. Dumm nur, dass eine Kleinigkeit schiefgeht. Die beiden Entführer tauschen nämlich ihre Spielzeuggewehre gegen echte Waffen und fordern echtes Lösegeld.

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"Outside the Box": Egomaschinen als Zielscheibe

Was den Managern allerdings lange nicht klar ist. Michel (Stefan Konarske), Yvonne (Vicky Krieps), Marco (Sascha Alexander Gersak) und Frederick (Volker Bruch) wähnen sich in einem semilustigen Rollenspiel und beschweren sich erst einmal lauthals darüber, sie seien "echt scheiße gebrieft" worden. Nach und nach aber sickert der Ernst der Lage durch und bringt das Gefüge der Gruppe zum Schwanken. Lügen kommen zum Vorschein, wie zum Beispiel die, dass der vermeintliche Schwächling im Team, Frederick, in Wahrheit der Sohn vom Chef ist.

Seit geraumer Zeit schon sind Manager, Consulting-Typen und Banker beliebte und leichte Ziele in deutschen Filmen und Serien. Geld- und machtgeile Egomaschinen, die in einer satirisch überspitzten Dramaturgie die diffusen Ängste des Zuschauers vor sozialem Abstieg und kapitalistischen Auswüchsen kanalisieren.

Zuletzt besonders eindrucksvoll im ZDF-Sechsteiler "Bad Banks", mit dessen psychologischer Tiefe sich "Outside The Box" nicht messen kann. Und in Sachen satirischer Boshaftigkeit bleibt bei Kochs Film im Vergleich zum thematisch vergleichbaren "Zeit der Kannibalen" auch Luft nach oben.


"Outside the Box"
D 2015
Regie: Philip Koch
Drehbuch: Philip Koch, Anna Katrin Schneider

Darsteller: Volker Bruch, Stefan Konarske, Vicky Krieps, Sascha Gersak, Lavinia Wilson, Frederick Lau, Samuel Finzi, Hanns Zischler, Kida Khodr Ramadan, Richard Sammel, Giorgia Sinicorni, Stefano Cassetti
Produktion: Walker Worm Film, ZDF/Das kleine Fernsehspiel, Arte
Verleih: Wild Bunch

Länge: 79 Minuten
FSK: ab 12 Jahren


Ein gutes Händchen beweist Philip Koch vor allem mit seiner Besetzung: Das Ensemble darf als so etwas wie eine Leistungsschau des deutschen Films gelten. In kleinen Nebenrollen spielen Frederick Lau ("Victoria") und Kida Khodr Ramadan ("4 Blocks"), der hier einmal nicht den Gangster geben muss, sondern mit Seitenscheitel als herrlich schmieriger Assi von Bickstein zu sehen ist. Zwei Hauptrollen sind mit Schauspielern besetzt, deren Karrieren nach "Outside the Box" durch die Decke gingen: Volker Bruch mit "Babylon Berlin" und Vicky Kriebs mit "Der seidene Faden".

Nicht umsonst also programmiert das ZDF "Outside the Box" als Auftakt zu seiner Reihe "Shooting Stars - Junges deutsches Kino". Vier Filme laufen hier kurz nacheinander, alle produziert von der Redaktion "Das kleine Fernsehspiel", die sich der Förderung junger Filmemacher verschrieben hat und schon Rainer Werner Fassbinder, Tom Tykwer und Fatih Akin unter die Arme griff.

Alle vier Filme, zu denen noch "Die letzte Sau", "Die Hände meiner Mutter" und "Somewhere in Tonga" gehören, feierten ihre Premiere im Kino. Manche allerdings so gut wie unter Ausschluss der Öffentlichkeit. "Outside the Box" sahen 2016 nur 4357 Zuschauer. Im ZDF läuft er zwar erst zu nachtschlafender Zeit, ist aber auch über die Mediathek abrufbar. Vielleicht performt er ja jetzt.


"Outside the Box" von Philip Koch läuft am 17. Juli um 23:15 Uhr im ZDF.

insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
Sibylle1969 17.07.2018
1.
Hört sich interessant an, aber warum nur wird das so spät gesendet? Natürlich kann man das wahrscheinlich auch in der Mediathek später schauen, aber meist vergesse ich das dann, und ich habe auch nicht so viel Zeit, verpasste Sendungen später zu schauen.
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