Per Anhalter durch die Galaxis "Wir haben Douglas in den Film eingebaut"

Seit dem Tod des Schriftstellers Douglas Adams wacht Robbie Stamp über das Erbe seines Freundes und Firmenpartners. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über Sinn und Unsinn der aktuellen Verfilmung des Kult-Romans "Per Anhalter durch die Galaxis", große Nasen und Adams' Verhältnis zu Hollywood.


Szene aus "Per Anhalter durch die Galaxis": Man konnte es nicht als kleinen britischen Kultfilm machen"
Disney / Spyglass Entertainment

Szene aus "Per Anhalter durch die Galaxis": Man konnte es nicht als kleinen britischen Kultfilm machen"

SPIEGEL ONLINE:

Mr. Stamp, wer kam denn bloß auf die wahnwitzige Idee, "Per Anhalter durch die Galaxis" zu verfilmen?

Stamp: Douglas Adams selbst. Er liebte Kino; zusammen haben wir uns Abermillionen Filme angeschaut. Die Pläne für die Filmversion sind ja schon über 20 Jahre alt. Als damals "Men in Black" herauskam, fragte Douglas: "Wann bin ich endlich an der Reihe?" Ich glaube auch, dass er sich eher als Drehbuchautor denn als Romancier sah. "Anhalter" war ja zunächst eine Hörspiel-Serie. Erst nach dem großen Erfolg der Romanversion schrieb er weitere Bücher. Aber er war auch ein geselliger Mann, der gerne mit anderen Leuten zusammenarbeitete. Er selbst hat vier Jahre vor seinem Tod angefangen, das Drehbuch zu entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Hatte er keine Bedenken, dass Hollywood seinen schrägen Kosmos auf Massenbedürfnisse zurechtschleifen würde?

Stamp: Für ihn war von Anfang an klar, dass er den Film nur mit einem Hollywood-Studio machen konnte. Denn um seine Ideen auf die Leinwand zu bringen, brauchte man Geld. Man konnte "Anhalter" nicht als kleinen britischen Kultfilm machen. Abgesehen davon ist die Welt der "Anhalter"-Bücher längst Teil der internationalen Popkultur. Deshalb zog Douglas auch Ende der neunziger Jahre nach Kalifornien, um das Projekt voranzutreiben.

Kult-Autor Adams (1952 - 2001): "Hört sich gut an"
AP

Kult-Autor Adams (1952 - 2001): "Hört sich gut an"

SPIEGEL ONLINE: Tragischerweise starb Douglas Adams 2001 an einem Herzinfarkt. Auf die Verfilmung hatte er also zwangsläufig keinen Einfluss mehr.

Stamp: Dafür spielte ich den Bewahrer der Flamme. Das war meine Verantwortung. Ich fragte seine Witwe, ob wir mit den Filmplänen weitermachen sollten. Und sie meinte, das sei sein größter Wunsch gewesen. Seine Brüder und Schwestern empfanden es genauso.

SPIEGEL ONLINE: Was würde er wohl zum Endprodukt sagen?

Stamp: Ich bin überzeugt, er wäre sehr angetan. Während der Dreharbeiten hatte ich folgenden Traum: Ich bekomme eine Nachricht, dass Douglas mich sehen möchte. Und ich dachte, er ist doch tot. Doch alle anderen fanden das ganz normal. Also traf ich mich mit ihm in einer Bar zum Champagnertrinken, wie wir das früher oft taten. Er hatte zwei Sporttaschen bei sich, als käme er von einer langen Reise zurück. Und nach einer dicken Umarmung bat er mich, ihm von dem Film erzählen. Am Ende meiner Ausführungen meinte er: "Hört sich gut an."

Filmszene mit Zaphod Beeblebrox (Sam Rockwell) und Ford Prefect (Mos Def, r.): "'Anhalter' hat sich von einem Medium ins andere weiterentwickelt"
Disney / Spyglass Entertainment

Filmszene mit Zaphod Beeblebrox (Sam Rockwell) und Ford Prefect (Mos Def, r.): "'Anhalter' hat sich von einem Medium ins andere weiterentwickelt"

SPIEGEL ONLINE: Obwohl der Film doch sehr von seinen Büchern abweicht und den Zorn eingefleischter Fans hervorgerufen hat.

Stamp: Einige der neuen Figuren wie den außerirdischen Sektenführer Humma Kavula hat er selbst noch erfunden. Er war immer offen für Änderungen. Die Buchversion weicht ja auch von der Radiofassung und der Fernsehserie ab. "Anhalter" hat sich von einem Medium ins andere weiterentwickelt, und diese Konzeption hat ihm sehr behagt. Wir hätten die Bücher nie fürs Kino adaptieren können, wenn wir keine filmische Struktur gewählt hätten. Dafür war es beispielsweise sehr wichtig, dass wir das Geschehen aus der Perspektive von Arthur Dent zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Douglas Adams hätte auch nichts gegen Regisseur Garth Jennings einzuwenden gehabt, der vorher noch nie einen Spielfilm gedreht hatte?

Stamp: Seine Witwe gab mir folgenden Ratschlag: "Als Douglas die "Anhalter"-Bücher schrieb, war er voll jugendlicher Energie und glaubte, alle Regeln brechen zu können. So jemanden musst du finden." Douglas arbeitete bis zu seinem Tod mit "Austin Powers"-Regisseur Jay Roach zusammen, der dann aus dem Projekt aussteigen musste. Wir sprachen dann mit Spike Jonze ("Being John Malkovich"). Der hätte es liebend gern gemacht, hatte aber keine Zeit. Dafür empfahl er uns die Firma Hammer & Tongs, also den Regisseur Garth Jennings und seinen Produzenten Nick Goldsmith, die geniale Videos für Fatboy Slim und Blur gemacht hatten. Er sagte: "Die sind so cool drauf wie ich vor fünf Jahren." Dieses Duo brachte tatsächlich genau diese Energie und Begeisterungsfähigkeit mit. Bei unserem ersten Treffen sah ich auch, dass sie Apple-Fans waren, genau wie Douglas. Sonst hätte ich das Gespräch wahrscheinlich gleich abgebrochen.

Haupdarsteller Martin Freeman als Arthur Dent: "Immer offen für Änderungen"
Disney / Spyglass Entertainment

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SPIEGEL ONLINE: Was hielten denn die Geldgeber bei Disney von diesem ungewöhnlichen Auswahlprozedere?

Stamp: Sie ließen Jennings und Goldsmith sogar mit ihrem bewährten Designer-Team arbeiten. Normalerweise macht man Disney immer den Vorwurf unkreativ zu sein. Aber das war eine mutige Entscheidung: Sie drückten einem Erstlingsregisseur Millionen in die Hand, damit er ein paar tausend Meilen entfernt sein Ding macht. Wenn Douglas gewusst hätte, dass wir letztlich doch in England drehen würden, wäre er vielleicht nie nach Kalifornien gezogen.

SPIEGEL ONLINE: So scheint ja alles glücklich verlaufen zu sein. Gab es denn nicht auch mal düstere Momente bei der Entstehung des Films?

Stamp: Die ganze Erfahrung war bittersüß, weil Douglas nicht dabei war. Jahrelang hatte er auf den Moment gewartet, dass ein Manager sagt "Wir machen diesen Film" oder dass der Regieassistent beim allerersten Take "Action!" ruft. Wir haben aber dafür gesorgt, dass er bei uns ist. Wir haben Bilder von ihm in den Film eingebaut. Und der Tempel von Humma Kavulas Sekte, für die sich alles ums Niesen dreht, ist nach dem Vorbild von Douglas' Nase konstruiert. Mindestens fünfzig solcher Details haben wir versteckt. Die Fans haben also Anlass genug, diesen Film zu analysieren. Vielleicht bekommt das ja auch Douglas mit, wo immer er sich gerade aufhält.

Das Interview führte Rüdiger Sturm



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