Zweiter Teil von "Phantastische Tierwesen" Dumbledore rettet den Film

Ewige Pubertät? "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" leidet unter zu vielen Nebengeschichten - und unter Problemen, mit denen Erwachsene wenig anfangen können. Jude Law macht als Dumbledore aber einiges wett.

Warner Bros.

Von


Nach dem Start des ersten Teils der "Phantastische Tierwesen"-Filmreihe gab es vielfach Kritik an der Hauptfigur: Newt Scamander sei zu blass, zu nett, zu wischi-waschi. Drehbuchautorin und Produzentin J.K. Rowling scheint sich diese Kritik zu Herzen genommen zu haben. Statt dem magischen Tierexperten mehr persönliche Geschichte und vor allem einen interessanten inneren Konflikt zu verpassen, hat sie ihn an den Rand ihres auf fünf Teile angelegten Franchise gedrängt.

Das tut sie allerdings auch mit den anderen Bestandteilen des Filmtitels. Weder von den phantastischen Tierwesen noch von Grindelwalds Verbrechen ist viel zu sehen. Newt-Fans, von denen es auch einige gibt - Videoessayist Jonathan McIntosh hat zum Beispiel ein wunderbares Plädoyer verfasst, warum er ein Held neuen Zuschnitts ist - müssen Rowlings Richtungswechsel deshalb nicht persönlich nehmen. In "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" geht es einfach um alles und nichts beziehungsweise um alle und niemanden.

Jonathan McIntoshs Videoessay zu Newt Scamander

Der zweite Teil setzt drei Monate nach dem ersten ein. Newt (Eddie Redmayne) ist zurück in seiner Heimatstadt London, und bald folgen ihm seine in den USA gewonnenen Freunde Jacob (Dan Fogler), Queenie (Alison Sudol) und Tina (Katherine Waterston) nach Old Europe. Dort müssen sie sich wieder einem alten Kampf widmen, denn der mächtige und mächtig wütende Jung-Zauberer Credence Barebone (Ezra Miller) ist entgegen des Endkampfs im ersten Teil doch nicht tot.

Wer sind meine Eltern?

Mehr noch: Er ist von Grindelwald (Johnny Depp), dem Anführer der Muggel-feindlichen Zauberer, zum wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen Albus Dumbledore erkoren worden. Nun muss Grindelwald das Waisenkind Barebone nur noch für seine Sache gewinnen. Denn Barebone treibt weniger die Unterwerfung aller nicht-magischen Menschen an als die Frage, wer seine leiblichen Eltern sind.

Warum einen diese Frage auch als Zuschauerin beschäftigen sollte, können Rowling und Regisseur David Yates (wie schon beim ersten "Tierwesen"-Teil sowie bei vier "Harry Potter"-Filmen hinter der Kamera) aber nicht vermitteln. Stattdessen reißen sie diverse andere Familien- und Liebesgeschichten an, von denen nur zwei halbwegs interessieren: die von Leta Lestrange (Zoë Kravitz) und von Dumbledore (als Mittvierziger von Jude Law verkörpert).


"Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen"
Originaltitel: "Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald"

UK/USA 2018
Regie:
David Yates
Drehbuch: J.K. Rowling
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Johnny Depp, Jude Law, Zoë Kravitz
Produktion: Warner Bros., Heyday Films
Verleih: Warner Bros.
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 15. November 2018


Beide Geschichten führen ins Zaubererinternat Hogwarts zurück: Einmal in die Vergangenheit, in der Leta zusammen mit Newt dort Schülerin war; einmal in die Filmgegenwart, in der sich Dumbledore gegenüber dem Zaubereiministerium rechtfertigen muss, was genau seine Rolle im Kampf gegen Grindelwald ist.

Die Szenen in Hogwarts gehören sicherlich zu den besten von "Tierwesen 2". Das liegt daran, dass sich die Konflikte der Figuren - wer sind meine wahren Eltern und wer meine wahren Freunde? - dezidiert pubertär und damit am besten in einer Schule aufgehoben anfühlen. Eine Idee, was Erwachsene in ihrem Leben umtreiben könnte, scheint Rowling nicht zu haben.

Schon wieder Gut gegen Böse

Politik spielt zwar wieder eine gewisse Rolle. An einer Stelle führt Grindelwald seine ideologische Grundierung aus, und die erinnert deutlich an den sogenannten Ethnopluralismus der Identitären: Nicht-Magier seien nicht minderwertig, sie hätten nur einen anderen Wert als Magiebegabte. Deshalb gelte es, die Welt aufzuteilen und allen Gruppen den ihr zustehenden Teil zuzuweisen.

Was an diesem Denken verwerflich ist, wird im Film aber nicht mit Worten, sondern mit Zauberstäben ausgetragen, blaues Feuer gegen rotes Feuer, Gut gegen Böse. So wohlfeil kann man sich auch aus der Affäre ziehen.

Fotostrecke

11  Bilder
"Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen": Es war schon mal mehr Magie

Ganz ohne Reiz ist "Tierwesen 2" trotz allem nicht. Immer wieder gelingen dem Film entzückende Bildideen, etwa wenn in Paris eine Frauenstatue verschwörerisch ihre wallenden Röcke lüften muss, damit Zauberer in die magischen Quartiere der Stadt gelingen können. Vor allem ist es aber Jude Laws Dumbledore, der dem Film entscheidende Akzente verpasst und Hogwarts zum interessantesten Spielort werden lässt.

Im Video: Der Trailer zu ""Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen"

Warner Bros.

Law, charismatisch wie schon lang nicht mehr, entwirft Dumbledore nicht nur als Mann mit bereits ansehnlicher Geschichte, sondern auch als Mann mit Begehren. Das verkompliziert seine Gefühle und Motivationen und macht ihn zur einzigen echten Erwachsenenfigur im Ensemble. Wollte man Hoffnungen für den dritten Teil der Reihe aufbringen, würden sie an ihm hängen.

Von Newt werden wir uns, wie von Rowling bereits hier getan, dann wohl verabschieden müssen.

Mehr zum Thema
Newsletter
Neu im Kino: Tops und Flops


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.