Philosophie in "Star Wars" Erleuchtete Wesen wir sind

Was hat Luke Skywalker mit Heidegger zu tun? Der Sammelband "Viel zu lernen du noch hast" versammelt philosophische Blicke auf das "Star Wars"-Universum. Ziemlich erhellend - nur Slavoj Zizek haut daneben.

Yoda
DPA

Yoda

Von


Im Dezember entschied die britische Regierung, den Jediismus, die Theorie und Praxis der Jedi-Ritter aus den "Star Wars"-Filmen, nicht als Religion anzuerkennen. An einer zu geringen Anhängerschaft wird es nicht gelegen haben. 177.000 Menschen in Großbritannien gaben bei der letzten Volkszählung 2011 "Jedi" als Religion an. Das eklektizistische Glaubenskonstrukt vermengt fernöstliche und westliche philosophische Traditionen und scheint in seinem Insistieren auf einem gelassenen Umgang mit dem eigenen Schicksal einen Nerv zu treffen.

Sein Ursprung ist das Kino: George Lucas hat mit der "Star Wars"-Saga einen modernen Mythos geschaffen, der für sehr viele Menschen sehr große Bedeutung hat. Es ist dementsprechend schade, dass die Philosophie zumindest im deutschsprachigen Raum vom Blockbuster-Kino nicht sonderlich viel wissen will. Zu bedenken nämlich gibt es hier genug.

Der Band "Viel zu lernen du noch hast" versucht sich zum ersten Mal an einer interdisziplinären Ausdeutung der ersten sieben "Star Wars"-Filme. Gemeinsam ist allen Autoren, dass sie Lucas' Saga als modernen Mythos ohne Ironie ernst nehmen: ein Erzähluniversum, von dem aus man überall hinkommt, zur Theologie, zur Ideologiekritik, zur Kultur- und auch zur Philosophiegeschichte (Wolfram Eilenberger zum Beispiel vergleicht den Lebenslauf Anakin Skywalker mit Martin Heideggers Wechsel zur dunklen Seite der Macht Anfang der Dreißigerjahre und findet einige Parallelen).

Die Option des Heroismus bleibt offen

Das funktioniert zumeist ausgesprochen gut. Den Jediismus mit seinem Ideal der inneren Ausgeglichenheit beispielsweise auf Bezüge zur stoischen Philosophie und zum Buddhismus abzuklopfen, ist so naheliegend wie erhellend. Und eine mögliche Erklärung für seine Beliebtheit als Pop-Religion in einer Zeit, die als krisenhaft erfahren wird. "Angesichts einer Welt, in der das Böse herrscht und die von Krieg und Gewalt zerrissen wird", schreibt die Herausgeberin, die Philosophin Catherine Newmark, "ziehen sich die Weisen zurück in ein Leben, das ganz nach Innen gewandt ist." Freilich nicht, ohne sich nicht doch die Option des Heroismus offenzuhalten.

ANZEIGE
Catherine Newmark (Hrsg.):
Viel zu lernen du noch hast

Star Wars und die Philosophie

Rowohlt Taschenbuch, 256 Seiten, 12,99 Euro

Bei den wenigen nicht gelungenen Beiträgen greift ein verbreitetes Problem akademischer Filmphilosophie. Man pappt das, was man weiß (die Theorie), auf das, was einen interessiert (in diesem Fall eben: "Star Wars"). Dann ist Darth Vader, gelesen mit dem Psychoanalytiker Jacques Lacan, halt der große Andere. Das geht schon irgendwie, sonderlich erhellend ist es nicht.

Überraschend ist dann eher, dass ausgerechnet der bekannteste Autor des Bandes so danebenhaut. Slavoj Zizek schlägt eine Interpretation der Verwandlung Anakin Skywalkers in Darth Vader vor, um dann wiederum dem Film - "Star Wars: Episode III" - anzukreiden, dass er hinter dieser von ihm, Zizek, vorgeschlagenen Interpretation zurückbleibe: "Statt zwischen Gut und Böse zu oszillieren, hätte er (gemeint ist Anakin Skywalker - d. Red) aufgrund der falschen Art und Weise, am Guten zu hängen, böse werden müssen."

Der Film scheitere "am eigenen Anspruch", den Zizek wiederum aus einem Interview mit George Lucas ableitet, in dem der Regisseur das Imperium nicht als Gegenteil der Republik, sondern als ihr Resultat definiert. Der Film werde dieser Idee nicht gerecht, und da gibt es dann keine Nachsicht: Vor allem wegen seiner "ideologischen Konfusion", schreibt Zizek, sei "Episode III" von einer "inferioren narrativen Qualität"; zumindest der letzte Punkt ist nicht ganz von der Hand zu weisen, eine filmische Glanzleistung ist das dritte "Star Wars"-Prequel nicht. Nichtsdestotrotz eine seltsame interpretative Idee, eine semantische Vorgabe zu formulieren und einem Film dann vorzuwerfen, dass er sie nicht einlösen kann.

Das Bild vom Merchandise-Unternehmen unterlaufen

Wesentlich erkenntnisträchtiger sind da die Beiträge, die sich nicht primär von einem theoretischen oder ideologiekritischen Paradigma leiten lassen, sondern nah an den Bildern bleiben. Eine plausiblere, wenn auch weniger spektakuläre Deutung der Verwandlung Anakin Skywalkers bietet der Kultursoziologe Jörn Ahrends: Anakin Skywalker entscheidet sich gegen die Heldenreise und für die Karriere, und "wie jeder Karrierist dient er sich letztendlich dem an, der ihm das beste Angebot macht". Mit den bekannten Resultaten.

Plausibel argumentiert auch Thomas Groh, der die erste "Star Wars"-Trilogie filmhistorisch als späte Ausläufer des New-Hollywood-Kinos beschreibt, eine Art "Bilanz und Endpunkt". Grohs Text weist auf die offene, fragmentierte Erzählweise des Films von 1977 und auf die ins Auge stechende Präsenz von schrottreifer Technik hin - alles Punkte, die die Lesarten unterlaufen, die in "Star Wars" nur ein durchgetaktetes Merchandise-Unternehmen sehen wollen.

Stattdessen hätte der Mythos damals schon auf geschlagene Wunden reagiert, die Niederlage von Vietnam im Besonderen. Und zwar nicht im "Modus der Leugnung, sondern in Form einer Auseinandersetzung mit einer Erzählwelt, deren Anhäufung von beschädigten, beeinträchtigten, rustikal oder gleich ganz obsolet anmutenden Technologien geradezu metaphorischen Charakter annimmt."

Thomas Grohs Text ist die zurzeit beste Einführung in den "Star Wars"-Mythos. Wie auch der gesamte Band Skeptikern die Tiefenschichten eines im angloamerikanischen Raum schon länger diskutierten Erzähluniversum erschließen kann.



insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bueckstueck 25.12.2016
1. Viel Bullshit
Insbsondere was Episode 3 betrifft, die allgemein (naja, bis auf die vernsobbten, egozentrischen Fanboys die glauben Star Wars gehöre ihnen) als die beste der ersten dreien gilt und viel von den handwerklichen Schwächen und Story Unzulänglichkeiten der ersten beiden Episoden wiedergutmacht. Da kann man schon sagen, dass der Herr Z daneben gehauen hat. Der Artikel Verfasser aber ebenfalls.
Dlanod 25.12.2016
2. Star wars i-iii,
also diese Prequels, überhaupt zu Star Wars zu rechnen, ist doch albern. Die originale Trilogie ist es sicherlich wert, philosophisch betrachtet zu werden. Die Prequels liefern langweilige nachgeschobene Erklärungen, die in allen Einzelheiten hanebüchen sind. Insbesondere die Wandlung Anakin-Vader ist komplett unglaubwürdig. Der Vader, den wir kennen, ist intelligent, überlegt und immer Herr der Lage. Der Anakin, der uns vorgesetzt wird, ist ein eitler und blöder Fatzke. Diese sogenannte Verwandlung ist nichts anderes als eine völlig unplausible Erklärung der Ereignisse; unplausibel, weil es George Lucas vor lauter Sucht nach Effekten vermutlich einfach nicht interessiert hat, eine stimmige Geschichte zu erzeugen. Wenn man schon solche Erklärungen geben will, hätte man es besser James Cameron machen lassen.
toranaga747 25.12.2016
3. Ich muss gerade die Helene Fischer Show ertragen.
Ist das ist einfach nur schlimm. Eine furchtbare zur Provinzialität verkommen Weihnachtsverunglimpfung. Himmel ist mir schlecht.
toranaga747 25.12.2016
4. Falls jemand fragt: und was hat das bitteschön mit diesem Artikel zu tun.
Nun. Es handelt sich auch nur um eine Episode im ZDF. Leider eine schlechte. Dagegen ist StarWars immer sehenswert.
sonus_peregrinus 25.12.2016
5. star wars i-iii
Zitat von Dlanodalso diese Prequels, überhaupt zu Star Wars zu rechnen, ist doch albern. Die originale Trilogie ist es sicherlich wert, philosophisch betrachtet zu werden. Die Prequels liefern langweilige nachgeschobene Erklärungen, die in allen Einzelheiten hanebüchen sind. Insbesondere die Wandlung Anakin-Vader ist komplett unglaubwürdig. Der Vader, den wir kennen, ist intelligent, überlegt und immer Herr der Lage. Der Anakin, der uns vorgesetzt wird, ist ein eitler und blöder Fatzke. Diese sogenannte Verwandlung ist nichts anderes als eine völlig unplausible Erklärung der Ereignisse; unplausibel, weil es George Lucas vor lauter Sucht nach Effekten vermutlich einfach nicht interessiert hat, eine stimmige Geschichte zu erzeugen. Wenn man schon solche Erklärungen geben will, hätte man es besser James Cameron machen lassen.
Ich weiß nicht, ob James Cameron in der Lage gewesen wäre, eine Geschichte mit größerem philosophischem Tiefgang cineastisch zu erzählen. Auf jeden Fall bieten die Episoden I-III durchaus interessante philosophische Fragestellungen, auch wenn sie als Filme nicht immer allzu sehr gelungen erscheinen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.