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"Pirates of the Caribbean 4": Jack Sparrow macht 'ne Pauschalreise

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Untote Seeleute, mystische Meereswesen und Penélope Cruz als schmucke Halsabschneiderin: Hilft alles nichts. Im vierten Teil von "Fluch der Karibik" muss Johnny Depp als Captain Sparrow den Alleinunterhalter geben - und aus der aufregenden Abenteuerfahrt wird ein traniger Touri-Trip.

Als er mal wieder mitten in der Bredouille steckt und so gut wie jeder seinen Kopf fordert, hat der Pirat Jack Sparrow einen ausgesprochen lichten Moment. Der Weg sei das Ziel, eröffnet er sinngemäß den ungeduldigen Feinden, die nach Gold, Ruhm und Macht trachten.

Bloß nicht ankommen, das könnte auch Motto der "Pirates of the Caribbean"-Filme sein. Angesichts von bislang 2,7 Milliarden Dollar Umsatz gibt es für Produzent Jerry Bruckheimer und den Disney-Konzern keinerlei Anlass, die lukrative Reihe zu beenden. Also soll ihr Star Johnny Depp als Captain Sparrow weiter segeln, selbst wenn das Seemannsgarn gegen Ende der ursprünglichen Trilogie zwar immer länger, aber leider nicht origineller wurde.

Da die Liebesgeschichte vom feschen Schmiedgesellen Will Turner und der mutigen Gouverneurstochter Elizabeth Swann zuletzt ihren Abschluss fand, sind deren Darsteller Orlando Bloom und Keira Knightley im nunmehr vierten Teil nicht mehr dabei. Ansonsten überwiegt jedoch das Vertraute, zumal Sparrow zu Beginn wie so oft auf dem Trockenen sitzt. Diesmal in London gestrandet, trifft er nach diversen Kapriolen in Gerichtssälen, Kaschemmen und gar am Königshof auf seine einstige Affäre Angelica (Penélope Cruz).

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"Fluch der Karibik 4": Allein auf öder See
Die ebenso impulsive wie undurchsichtige Freibeuterin shangheit Sparrow kurzerhand. So landet er unfreiwillig an Bord der Queen Anne's Revenge, dem Schiff des gefürchteten Piraten Blackbeard (Ian McShane). Der sucht die sagenumwobene Quelle der ewigen Jugend und befindet sich damit im Wettlauf mit der spanischen sowie der britischen Marine. Bei letzterer hat zudem Sparrows alter Bekannter und Widersacher Hector Barbossa (Geoffrey Rush) angeheuert, der mit Blackbeard eine persönliche Rechnung begleichen will. Gewohnheitsgemäß findet sich Jack Sparrow also zwischen allen Fronten wieder und muss auf See wie an Land etliche Gefahren überstehen.

Als Nachfolger von Regisseur Gore Verbinski fährt Rob Marshall ("Chicago") untote Seeleute, mystische Meereswesen und allerhand weitere Schauwerte auf, um die große Fahrt möglichst spektakulär zu gestalten. Aber eine gewohnt verschwenderische Ausstattung, illustre Schauplätze und ausladende Actionsequenzen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ereignisdramaturgie über weite Strecken die Routine einer Pauschalreise hat.

Das war 2003 selbstverständlich noch anders: Mit Witz und Tempo reanimierte "Pirates of the Caribbean" überraschend das seit Jahrzehnten totgesagte Subgenre des Seeräuberfilms. Vergessen waren auf einmal gescheiterte Wiederbelebungsversuche wie Roman Polanskis berüchtigter Flop "Piraten" (1986) oder die defizitäre Extravaganz "Cutthroat Island" (1995, "Die Piratenbraut") von Renny Harlin. Nun waren Piraten plötzlich so hip wie vielleicht zuletzt 1952, als Burt Lancaster in "Der rote Korsar" mit bloßem Oberkörper und gebleckten Zähnen den Säbel schwang.

Stadionrock statt Neustart

Bruckheimer und Verbinski landeten einen konsensfähigen Hit, der clever zeitgenössisches Eventkino mit einer nostalgischen Vorstellung vom alten Hollywoodspektakel verband. Dies war ein Blockbuster mit menschlichem Antlitz, was zuvorderst Hauptdarsteller Johnny Depp zu verdanken war. Sein linkischer Captain Jack Sparrow verbeugt sich vor klassischen Swashbucklern, wie sie einst Douglas Fairbanks senior und Errol Flynn verkörperten, und parodiert sie zugleich. Bewaffnet mit Eyeliner und Hüftschwung tänzelt er stilsicher auf dem schmalen Grat zwischen Pathos und Lächerlichkeit; ein Held mit Manierismen und Makeln, der hinter schillernder Maskerade und liederlichem Auftreten ein großes Herz verbirgt.

An Johnny Depps unnachahmlicher Darstellung des Jack Sparrow hängt heute das gesamte Unternehmen, und sein erneutes Engagement lässt sich der Schauspieler entsprechend mit einer Millionengage im höheren zweistelligen Bereich vergüten.

Sicher, Penélope Cruz gibt eine schmucke Halsabschneiderin, Ian McShane spielt seinen Blackbeard als angemessen abgründigen Gegenpart zu den Schönwetterpiraten, der verlässliche Geoffrey Rush kann ohnehin nichts falsch machen und mit dem jungen Missionar Philip Swift (Sam Clafin) und der betörenden Meerjungfrau Syrena (Astrid Bergès-Frisbey) wird auch ein neues, nominelles Liebespaar präsentiert. Doch der Alleinunterhalter auf diesem teuren Unterhaltungsdampfer ist und bleibt Johnny Depp, und in einigen Szenen scheint die Last der Verantwortung schwer auf seinen Schultern zu liegen.

Jack Sparrow hat zwangsläufig sein Überraschungsmoment verloren, und da ähnelt Depps Figur einmal mehr seinem erklärten Rollenvorbild Keith Richards. Denn gleich den Rolling Stones ist Sparrows Sprunghaftigkeit berechenbar geworden, und seine aufregende Improvisation ist nun Stadionrock mit den immergleichen Riffs. Vieles davon ist gefällig, doch die Spannung fehlt vollends.

Man kann den Film indes auch als Rückkehr zu den Wurzeln der Franchise verstehen, denn schließlich stammt der Titel "Pirates of the Carribbean" ursprünglich von einem angestaubten Fahrgeschäft aus Disneyland. Die Filme haben das altmodische Amüsement für die Leinwand gehörig hochgetunt, jetzt auch mit den obligatorischen, aber hier eher verzichtbaren, 3-D-Effekten. Und wie im Karussell fährt man eigentlich gerne noch eine Runde mit Jack Sparrow, denn es hat früher schließlich auch Spaß gemacht.

Jedenfalls bis man merkt, dass man sich nur im Kreis bewegt.

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
almeo 17.05.2011
Auch wenn ich den Film erst nächste Woche sehen werde, meine ich aus anderen Kritiken doch ein recht eindeutiges Bild herauslesen zu können: Es ist wohl wieder eine typische SPON Kritik: Einmal 'umgedreht und schon hat man eine "wikliche" Kritik! In allen Kritken zu dem Film die ich bisher gelesen habe, kam er sehr gut weg. Abgesehen vielleicht von dem unnötigen 3D Effekt, der das Geld wohl nicht wert ist.
2. Krankheit 3D-Movie
Michael Giertz, 17.05.2011
Zitat von almeoAuch wenn ich den Film erst nächste Woche sehen werde, meine ich aus anderen Kritiken doch ein recht eindeutiges Bild herauslesen zu können: Es ist wohl wieder eine typische SPON Kritik: Einmal 'umgedreht und schon hat man eine "wikliche" Kritik! In allen Kritken zu dem Film die ich bisher gelesen habe, kam er sehr gut weg. Abgesehen vielleicht von dem unnötigen 3D Effekt, der das Geld wohl nicht wert ist.
Die Krankheit, jeden Film erstmal für "Extra Geld" in 3D zu zeigen und erst Wochen später die "normale" Fassung zu bringen empfinde ich, ohnehin schon ein eher seltener Kinogänger, schon als Zumutung. Ich finde den 3D-Effekt ja ganz "nice to have", aber definitiv kein "must have" und schon gar nichts, was ich aufgedrängt haben will - Ergebnis: ich gehe erst später ins Kino, wenn ich einen Film "pur" genießen will, also ohne 3D. Aber abgesehen davon muss ich Teil 4 sehen, schon allein wegen Jonny Depp und Geoffrey Rush (ich hoff' den hab ich richtig geschrieben).
3. ...
Osirius 17.05.2011
Zitat von almeoAuch wenn ich den Film erst nächste Woche sehen werde, meine ich aus anderen Kritiken doch ein recht eindeutiges Bild herauslesen zu können: Es ist wohl wieder eine typische SPON Kritik: Einmal 'umgedreht und schon hat man eine "wikliche" Kritik! In allen Kritken zu dem Film die ich bisher gelesen habe, kam er sehr gut weg. Abgesehen vielleicht von dem unnötigen 3D Effekt, der das Geld wohl nicht wert ist.
Dann haben Sie aber noch nicht viele Kritiken zu dem Film gelesen, denn der Film kommt bei Rotten Tomatoes grad mal auf recht lausige 40%: http://www.rottentomatoes.com/m/pirates_of_the_caribbean_on_stranger_tides/
4. ...
bissig 17.05.2011
Pirates of the Carribean 4 werde ich mir garantiert nicht anschauen. Teil 1 war echt gut, Teil 2 ging noch, bei Teil 3 fehlte schon die Story - das war wohl was für Hardcorefans. Teil 4 wird ohne mich auskommen müssen, selbst wenn er im Fernsehen läuft. Irgendwann kommt Hollywood vielleicht mal auf den Trichter, dass man nur mit guten Filmen auch Leute über 16 interessieren kann. Aber momentan reicht es ja, wenn die Eltern für die Merchandise-Artikel das Geld springen lassen.
5. "Rezension"?
archnase 18.05.2011
Vorweg: Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber habe definitiv noch vor, ihn mir anzugucken. Teil 1 war echt toll, Teil 2 ging (im Nachhinein würde ich ihn mir aber nicht nochmal angucken), und Teil 3 fand ich doch wieder ziemlich cool, wenn man erstmal durch die ganzen Zusammenhänge durchgestiegen ist... Jetzt ist es so, dass ich SPON-Filmrezensionen von Filmen die ich kenne in den meisten Fällen für völlig verfehlt halte. Leider gilt bei dieser Rezension aber nichtmal das, was einer meiner Vorposter schrieb, dass man sie nur umzudrehen brauche: Diese Rezension enthält in keinerlei Hinsicht irgendetwas über den Film. Das aufschlussreichste was man ihr entnehmen kann ist die Tatsache, dass der Redakteur den Film schlecht und überflüssig fand, was aber eine relativ wertlose Wertung ist, da er klar durchblicken lässt dass er es im Vorhinein offenbar sowieso schon überflüssig fand, dass es einen vierten Teil geben würde. Ich möchte hier ganz deutlich Zweifel daran anmelden, dass der Redakteur den Film eigentlich gesehen hat, denn der Kontrast zwischen einerseits dem absolut bemüht routiniertem Schreibstil, der suggeriert dass der Autor ein Pirates/n-Kenner sei, und andererseits einem völligen An-der-Oberfläche-Kratzen, welches man auch durch die Verarbeitung von Promo-Material hinbekommen hätte, ist schon verdächtig krass.
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Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten

Originaltitel: Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides

USA 2011

Regie: Rob Marshall

Drehbuch: Ted Elliott, Terry Russio

Darsteller: Johnny Depp, Penélope Cruz, Geoffrey Rush, Ian McShane

Produktion: Jerry Bruckheimer, Walt Disney Pictures

Länge: 141 Minuten

FSK: 12

Start: 19. Mai 2011

Offizielle Website zum Film



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