Plagiate in Serie "Copy & Paste"-Künstler Shia LaBeouf

Ist Shia LaBeouf nun ziemlich dumm oder ziemlich schlau? Dem Hollywood-Star wird vorgeworfen, für einen Kurzfilm hemmungslos aus einem Comic kopiert zu haben. Er entschuldigte sich via Twitter - mit weiteren Plagiaten. Jetzt stellt sich heraus: LaBeouf ist offenbar ein Serientäter.

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Es gibt eigentlich nur drei Möglichkeiten: Entweder ist Shia LaBeouf ein grandios schlechter Plagiator; der Schauspieler versucht gerade auf Teufel komm raus, einer peinlichen Situation einen positiven Ausgang zu verschaffen. Oder er ist genial und wir kapieren nur noch nicht, was er vorhat.

Alles begann, als Hollywood-Star LaBeouf vor einigen Tagen seinen eigenen Kurzfilm "HaroldCantour.com", den er schon in Cannes vorführte, im Netz veröffentlichte. Nur wenige Stunden später häuften sich die kritischen Stimmen, die LaBeouf des Plagiats beschuldigten. Fast jede Szene des Films stamme aus dem Comicbuch "Justin M. Damiano" des erfolgreichen Autors Daniel Clowes. Doch weder im Abspann noch sonst irgendwo habe LaBeouf Autor oder Comic erwähnt.

Ein offensichtlicheres Plagiat scheint kaum möglich. Und deshalb versuchte LaBeouf, der demnächst in Lars von Triers "Nymphomaniac" zu sehen ist, auch gar nicht erst, sich zu verteidigen, sondern entschuldigte sich umfänglich via Twitter.

Einige Tweets klingen noch nach üblichen Entschuldigungsfloskeln. "In meiner Begeisterung und Naivität als Amateurfilmer habe ich mich völlig im kreativen Prozess verloren und das saubere Angeben von Quellen vernachlässigt", hieß es etwa. Oder: "Ich schäme mich, dass ich @danielclowes keinen Credit für seine Graphic Novel 'Justin M. Damiano' gegeben habe, die mir als Inspiration diente."

Die Plagiatsakte ist noch dicker

Doch dann wurde es merkwürdig. Seltsam zusammenhangslos twitterte LaBeouf unter anderem Folgendes: "Ich habe meine Familie im Stich gelassen und ich bereue diese Sünden mit ganzem Herzen." Oder: "Ich lag falsch, schrecklich falsch. Und ich schulde es zukünftigen Generationen, zu erklären, warum." Oder einfach "Es fängt hiermit an: I'm sorry @danielclowes."

Schnell war auch klar, warum diese Entschuldigungen so komisch wirkten: Es waren ebenfalls Plagiate. Das erste "Zitat" stammt von Golfer Tiger Woods, der eine Entschuldigung auf seiner Website veröffentlichte, nachdem 2009 seine Affären öffentlich wurden. Das zweite stammte aus der Autobiografie von Robert MacNamara, der dritte Tweet entstammt der Entschuldigung von Kanye West an Taylor Swift für sein Fehlverhalten bei den VMA Awards 2009. LeBoeuf bediente sich aber auch einfach wahllos aus dem Netz.

Doch das sind nicht die einzigen Fehltritte, die Plagiatsakte von Shia LaBeouf ist sogar noch dicker. In einem Streit mit Schauspielkollege Alec Baldwin klaute er für seine "innige und wohlformulierte" Twitter-Entschuldigung Anfang dieses Jahres aus einem Artikel des "Esquire".

Kann man LaBeouf so etwas zutrauen?

Und auch als Comic-Zeichner nahm er es mit den Copyrights offensichtlich nicht so genau. Laut "Buzzfeed"-Autor Josh Farkas enthält LaBeoufs Comic "Lets Fucking Party" einzelne Zeilen, die auch im Gedicht "Assault" von Charles Bukowski zu finden sind. In seinem Comic "Stale N Mate" verwendet er sogar ganze Passagen aus Benoît Duteurtres Buch "The Little Girl and the Cigarette".

Angesichts der Offensichtlichkeit und Dreistigkeit der Plagiate liegen zunächst mal zwei Deutungen auf der Hand. Entweder ist LaBeouf ein - milde ausgedrückt - unbedarfter Egomane, der hemmungslos Leistungen anderer als seine eigenen ausgibt und sich als Promi für unangreifbar hält. Oder es ist alles Teil einer langfristig geplanten superschlauen Strategie.

Man denke an Schauspieler Joaquín Phoenix, der 2008 überraschend ankündigte, sich aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen und eine HipHop-Karriere zu starten, mehrere wirre Auftritte in Talkshows hinlegte und die ganze Nummer fast zwei Jahre lang durchzog, bis sich herausstellte, dass alles gezielte Täuschungen waren, die in die Mockumentary "I'm Still Here" eingingen. Eine intelligente Dauer-Kunstperformance, von der sich die Mehrheit tatsächlich täuschen ließ. Aber kann man LaBeouf so etwas zutrauen?

Immerhin findet sich eine weitere Parallele zu Phoenix. Auch LaBeouf kündigte 2012 an, dass er Hollywood den Rücken kehren würde, um anspruchsvollere Filme zu machen. LaBeouf ist durch Blockbuster wie "Transformers" und "Indiana Jones" zum Star des Popcorn-Kinos geworden.

Viel näher liegt jedoch Möglichkeit drei: Er hat plagiiert, was das Zeug hält, und nun versucht er die Schmach über so viel dummes Abschreiben in eine vermeintlich besonders kluge Masche umzumünzen. Eine Strategie, die nur schwer aufgehen würde. Denn nun prüfen gleich mehrere Verlage rechtliche Schritte gegen den mutmaßlichen Abschreiber.

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