"Planet der Affen - Survival" Die ganze Affenbande brüllt

Der dritte Teil von "Planet der Affen" kommt ins Kino. Regisseur Matt Reeves exerziert die großen Themen Verrat, Schuld und Vergebung durch - nur mit Tieren statt Menschen. Darf man nicht unterschätzen!

20th Century Fox

"Monkey Killer" prangt auf dem Helm des Soldaten. Er schleicht gemeinsam mit einer paramilitärischen Truppe durch eine grüne Hölle, einem Überraschungsangriff auf die Affen entgegen. Seite an Seite mit den Menschen kämpfen ebenfalls Affen: Einer der Kollaborateure, ein robuster Gorilla, trägt den Soldaten die Munition.

Doch die Affen leisten stärkeren Widerstand als die Einheit erwartet: Angeführt von Caesar, dem von Andy Serkis in Maske und "Motion Capturing"-System gespielten, genmanipulierten und der menschlichen Sprache mächtigen Schimpansen, schlagen sie die Angreifer in die Flucht und nehmen ein paar Soldaten als Geiseln. Caesar wird die Menschen später freilassen, um seinen Willen zum Frieden zu untermauern. Aber er hat nicht mit seinem Gegenspieler gerechnet. Der kahlgeschorene, blutdürstige Anführer der paramilitärischen Einheit, der nur "Colonel" genannt wird (Woody Harrelson), will die Primaten ein für allemal ausrotten. Und er beginnt mit Caesars Familie.

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Fotostrecke: "Planet der Affen - Survival" von Matt Reeves

Der dritte Teil der Neuverfilmungen von Pierre Boulles Buch "Planet der Affen", das bereits in den frühen Siebzigern eine teilweise sehr gelungene Filmreihe gleichen Namens inspirierte, ist mehr als eine Apokalypse. Er ist eine "Ape-Pocalypse", wie ein Graffiti an der Mauer einer verlassenen Stadt kriegerisch tönt. Regisseur Matt Reeves zitiert in seinem Sequel Kriegsfilme wie Coppolas "Apocalypse Now", in dem ein psychisch kranker "Colonel Kurtz" aus der Welt geschafft werden soll, Oliver Stones "Platoon" oder Kubricks "Full Metal Jacket", in dem die Soldaten "Born to kill" auf ihren Helm pinseln und sich als Zeichen ihres Einsatzes die Köpfe rasieren.

Für Reeves, der auch schon den Vorgänger "Planet der Affen: Revolution" inszeniert hat, entspricht die Sprachlosigkeit des Krieges, in dem der Gefechtslärm und die Absurdität der Handlungen eine sinnvolle Kommunikation unmöglich machen, der Sprachlosigkeit der Affen: Seine fantastisch und überzeugend animierten Tiere unterhalten sich größtenteils in einer - affischen - Gebärdensprache. Dem kriegerischen Science-Fiction-Werk wohnt darum tatsächlich eine stille Poesie inne. Wenn man den für das Genre notwendigen Schritt des Glauben-Wollens, des Akzeptierens absurder Prämissen erst einmal getan hat, bezaubert "Planet der Affen - Survival" durch Bilder einer kaputten Beziehung des Menschen zum Affen und damit des Menschen zur Natur.

Was ist Krieg, was ist Schuld, was ist Verrat, was ist Vergebung? Reeves, der das Drehbuch gemeinsam mit dem Action-Sequel-Experten Mark Bomback geschrieben hat, exerziert die großen Themen mit Tieren anstatt mit Menschen durch. Das macht sie ebenso deutlich und eventuell ertragbarer. Sogar vor einem symbolischen Arbeitslager inmitten einer verschneiten Landschaft schreckt er nicht zurück - die Szenen der gefangenen Affen, die sich unter schwersten Bedingungen und Prügelstrafen abrackern, schrammen allerdings knapp die Grenze zwischen gutem und schlechtem Geschmack. Doch die Ernsthaftigkeit, mit welcher der Film seine Fabel von der Sinnlosigkeit des Kriegs bebildert, lassen ihn wachsen. Wenn hier die ganze Affenbande brüllt, dann hat sie auch einen echten Grund dazu.


"Planet der Affen - Survival"
USA 2017

Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Mark Bomback, Matt Reeves
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Judy Greer, Steve Zahn, Karin Konoval, Ty Olsson, Terry Notary
Produktion: Chernin Entertainment in association with TSG Entertainment
Verleih: Fox
Länge: 140 Minuten
FSK: ab 12
Start: 3. August 2017


Und wer denkt, ein sprechender und leidender Affe in 3D-Großaufnahme sei albern, der verkennt die Feinheiten in Andy Serkis' Spiel. Dem bereits seit dem ersten Teil der neuen Reihe den nachdenklichen Schimpansen gebenden britischen CGI-Schauspiel-Experten (der Gollum zur wichtigsten und ambivalentesten "Herr der Ringe"-Figur machte) nimmt man die Verbitterung, den Groll, die Trauer nicht nur ab. Man fühlt sie in jeder Sekunde mit.

Als einzigen Lichtblick des düsteren Films haben Reeves und Bomback ein kleines, durch einen Virus sprachloses Mädchen gesetzt, das die Affen um Caesar bei ihrer Rachereise zum Colonel mitnehmen, es ist (typischerweise) die einzige weibliche Figur im angespannten Kampfgetümmel. Doch es evoziert Mitgefühl bei den alten Recken, auch beim Anführer. Caesar, so scheint es, verliert auch nach den schlimmsten Übeltaten seinen Glauben an das Menschliche im Menschen nicht: Während die Soldaten die tierischen Gefangenen längst entmenschlicht haben, ist der enttäuschte Affe noch immer bereit, die Aggressoren nicht zu pauschalisieren.

Das Tier ist zwar kein "human being", aber im Gegensatz zu manchen Menschen ist es nicht inhuman. Vielleicht als Referenz an den von Peter Ustinov gespielten Eremiten aus "Logan's Run" geben die Autoren Caesar und seinen Gefährten zudem einen älteren, der Sprache mächtigen ehemaligen Zoo-Schimpansen (Steve Zahn) als "comic relief" mit. Die Truppe trifft ihn in einem verlassenen Haus , er nennt sich - nach dem Namen, mit dem die Menschen ihn schimpften - "bad ape". Obwohl er, selbstverständlich, das Gegenteil davon ist.

Vor allem aber der brillante Soundtrack von Michael Giacchino, der - neben Star Trek, Dr. Strange und anderen Blockbustern - bereits den Vorgänger orchestrierte, gibt einem das Gefühl, hier weit mehr als einen effektvollen Tierfilm in 3D zu erleben. Ausgenommen von ein paar scheußlich-kitschig untermalten ruhigeren Szenen, hat Giacchino einen furchtlosen, in seinen besten Momenten an Stravinsky erinnernden, modernen Soundtrack geschrieben, für dessen Hörerlebnis man massig Zeit hat. Denn weil die Affen (bis auf Caesar und Bad Ape) gebärden, wird der fast zweieinhalb Stunden lange Musiktrip gefühlt nur durch 20 Minuten Sprache (darunter einen langen Monolog des Colonels) gestört. Auch wenn in ihm größtenteils Affen durch den Wald rasen: Diesen Film darf man auf keinen Fall unterschätzen.

Filmtrailer ansehen: "Planet der Affen - Survival"

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Apple-Kenner 01.08.2017
1. Ist schon der 4. Teil
Kleiner Zähler-Fehler
z1mz1m 01.08.2017
2. @1 : je nach zählweise
3. , 4. oder 9. Tatsächlich ist 3. aber m.E. nach korrekt. 1-5 war Reihe 1 6 war Einzeln. 7-9 sind jetzt 'neue' Teile 1-3
slideaway 02.08.2017
3.
@1 ich gehe davon aus, dass du dich auf die vollkommen bescheuerte neuverfilmung aus dem jahr 2001 von tim burton beziehst. diese ist nicht teil der aktuellen reihe.
observerlbg 02.08.2017
4. @slideaway
Alle Tim Burton Filme sind schon sehr, äh, speziell. Bei Tim Burton hat man immer den Eindruck, er zeichnet Nachts seine Albträume auf. Die neue Planet der Affen Reihe ersetzt nicht die Urfassung mit Charlton Heston, da sie anders angelegt und psychologisch und technisch erheblich besser umgesetzt wurde. Gut, ist meine Meinung ;-)
ertz1241 02.08.2017
5. Pseudo-Affen
und der ganze Film mit Musik zugekleistert. Na, ich weiss nicht....... Der Rezensent wirkt auch nicht überzeugt mit dem eher kuriosen Resümee "..sollte man nicht unterschätzen".
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