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Playboy-Porträt "The Big Eden": Einmal Kartoffelsalat mit Blondine, bitte

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Der Dokumentarfilm "The Big Eden" wirft einen Blick hinter die Maske des bundesweit bekannten Schürzenjägers Rolf Eden. Dabei blitzt die Möglichkeit auf, dass der Berliner Boulevard-Liebling nicht nur ein olles Ekel sein könnte - sondern auch ein rührendes Alterchen.

Frühstück eines Playboys: "Morgen ham wa ja wieder Fernsehen hier." Rolf Eden nimmt noch einen Löffel aus der Plastikdose mit dem Fertig-Kartoffelsalat und blickt über den Tisch zu der jungen blonden Frau, die ihm gegenüber sitzt. Brigitte heißt sie, ausgesprochen "Brischitt", wie sie später einem Fotografen in den Block diktieren wird. Eine von vielen. Brigitte schminkt sich, Eden zieht sein weißes Sakko über. Auf zum nächsten Termin. Wird schon jemand da sein, der Fotos macht.

Peter Dörflers Dokumentarfilm "The Big Eden", der jetzt auf der Berlinale vorgestellt wurde, könnte schrecklich langweilig sein. Was will man schon über Rolf Eden wissen? Man kennt ihn aus der Boulevardpresse, weiß, dass er früher mal Diskotheken in Berlin besaß. Und dass er sich stets mit jungen Frauen umgibt. Ein Mann, der bei jeder Gelegenheit sein Gesicht in die Kamera hält, der nichts zu sagen hat, so einer kommt in der "Bild" vor oder der "B.Z.", das reicht doch wohl.

Männer, die ihr Leben selbst gestalten

Regisseur Dörfler hat sich einen Namen gemacht mit filmischen Annäherungen an Menschen, die kriminell geworden sind: "Der Panzerknacker" (2006) erzählt die Geschichte des Bandenchefs Joachim "Otto" Schäfer, der mit seinen Komplizen in den Neunzigern Geldtransporter in Hessen überfiel und verhaftet wurde, als er gerade am Frankfurter Flughafen zu einer Weltreise aufbrechen wollte. "Achterbahn" (2009) handelt von dem Berliner Schausteller Norbert Witte, der den größten Vergnügungspark des Landes errichten wollte, pleite ging und seinen Sohn in ein Drogengeschäft verstrickte.

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"The Big Eden": Bunnyjäger in Berlin
Bei den Dreharbeiten zu "Achterbahn" lernte Dörfler Eden kennen, der erzählte ihm, dass er sieben Kinder mit sieben Frauen gezeugt habe. Zunächst wollte Dörfler einen Film über diese Kinder machen, aber dann recherchierte er Edens Lebensgeschichte, und es stellte sich heraus, dass diese seine beiden bisherigen Filme zu einer Trilogie vollenden könnte. Dabei ist Eden zwar zweifellos ein Hallodri, doch keineswegs kriminell - und dennoch hat sein Leben wesentliches mit dem Schäfers und Wittes gemein: Alle drei sind Männer, die sich nicht mit den äußeren Umständen ihres Lebens aufhalten, die sich nicht scheren um Erwartungen, die die Gesellschaft an sie heranträgt. Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Schäfer und Witte sind gescheitert. Rolf Eden hat stets gewonnen. Im Film sagt er: "Das war einfach ein Glücksfall, dass ich immer Glück hatte."

"Shimon hat mein Leben gerettet"

Rolf, eigentlich Shimon Eden, wird 1930 als Sohn eines jüdischen Fabrikanten geboren. 1933 wandert die Familie ins damalige Palästina aus. Im israelischen "Gründungskrieg" kämpft Eden als junger Mann in einer Einheit des späteren Ministerpräsidenten Jizchak Rabin, in einem Armeezelt zeugt er sein erstes Kind. In einer der stärksten Szenen des Films sitzt der heute 81-jährige Eden mit alten Kameraden in einem Café in Israel. Die Freunde nennen ihn einen Helden, Eden wiegelt ab. Einer, der Schriftsteller Yoram Kaniuk, erzählt, dass Eden nichts davon hören wollte, als er ihm von seiner Krebserkrankung berichtete. Aber dann habe Eden dem genesenen, aber mittellosen Freund Geld geschickt: "Shimon hat mir das Leben gerettet."

Das ist das zweite Gesicht des Rolf Eden: das eines großzügigen, hilfsbereiten Mannes. Eines Mannes, der seine Freunde nie vergisst. Und seine Verpflichtungen immer einhält. Zwar klingt in den Berichten mancher seiner Frauen deutlich durch, dass sie von Eden als Partner enttäuscht waren und sind - doch vorgemacht hat er ihnen nie etwas. Immer war klar, dass die Beziehung nicht von Dauer sein würde. Sobald ein Kind unterwegs war, war Rolf Eden weg. Katja, die Mutter seines heute 13-jährigen Sohnes Kai, erzählt: "Ab dem fünften Schwangerschaftsmonat habe ich nichts mehr von ihm gehört." Einmal habe er sie aus Versehen angerufen - Eden habe wohl die Nummer verwechselt. Eher aus Verlegenheit habe er sich dann mit ihr verabredet: zu einem Waldspaziergang. Der Playboy konnte sich in der Stadt nicht sehen lassen mit einer schwangeren Frau.

Dörfler beschreibt den geschäftlichen Aufstieg Rolf Edens als eine Kette von klugen Entscheidungen. 1957 kehrt er nach Berlin zurück, mit 6000 DM Heimkehrerbonus gründet er seinen ersten Jazzclub, den "Old Eden Saloon". So etwas gab es noch nicht, der Erfolg ist durchschlagend: Liza Minelli feiert bei Eden, Louis Armstrong, Barbara Valentin und Jack Lemmon. Er veranstaltet die erste Miss-Wahl, engagiert erste DJs, übernimmt erste Filmrollen, einmal sogar neben Klaus Kinski. In seiner Großdisco Big Eden feiern die Rolling Stones.

Irgendwie doch Liebe, irgendwie doch rührend

Der Rolf Eden, den man heute durch die bunten Blätter geistern sieht, ist nur noch ein Schatten, eine Erinnerung an die große Nummer, die er einst war - so wie der Ku'damm, der längst nicht mehr das Zentrum Berlins und damit der freien Welt ist. Das Big Eden wurde zur abgeschmackten Touristenattraktion und ist längst verkauft. Die blonde Brigitte, die Eden heute begleitet, muss sich nicht mehr ernsthaft sorgen, dass er sie verlässt. Eher scheint es umgekehrt. "Dieser Frauenverschleiß: Ist es die Liebe zum weiblichen Geschlecht oder doch dessen Verachtung?", fragt sich eine seiner Verflossenen, und fast wollte man schon sagen: irgendwie doch Liebe, irgendwie doch rührend.

Doch dann berichtet Rolf Eden, dass die Frau, "auf der" er mal stirbt, 250.000 Euro bekommt. "Es muss aber während des Sex sein. Das hat sich herumgesprochen - die Frauen strengen sich noch mehr an." Er scheint das für eine gute Idee zu halten.

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1. Die Mädels,
Pepito_Sbazzagutti 15.02.2011
die sich an diese Mumie hängen, möchte ich nicht mit der Kneifzabge anfassen.
2. supi
zynik 15.02.2011
Endlich mal eine Doku über die deutsche Elite.
3. Nicht kriminell ?
moaeburch 15.02.2011
Rolf Eden ist und war nie kriminell ? Keine Prostituierten in seinen Clubs, die für ihn anschafften ? Keine Drogen, die in seinem Auftrag dort verkauft oder verschoben wurden ? Ich habe den deutlichen Eindruck, dass man den Herrn bisher nur nicht erwischt hat.
4. Möchtegern-Playboy mit 80
stabkoenigin 15.02.2011
Meine Güte - merkt dieser Mensch denn nicht, wie peinlich er ist? Und was die Kneifzange betrifft, so kann ich meinem Vorredner nur beipflichten. Mädels, die sich von so einem befummeln lassen müssen es ja wirklich nötig haben.
5. ....
Pepito_Sbazzagutti 15.02.2011
Und überhaupt - bevor ich's vergesse: Vielen Dank für die Fotostrecke über Rolf Eden, lieber SpOn. Besonders das Foto von RE zusammen mit Kader Loth - die reinste Offenbarung :-)
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